Hamburg „Auf dem Holzweg sein“: 5 Redewendungen — ihre Bedeutung und ihr Ursprung
Jeden Tag werden wir mit den unterschiedlichsten Redewendungen konfrontiert. Dabei ist kaum einem bewusst, woher sie eigentlich stammen. Das ist die Herkunft von fünf von ihnen.
Wir benutzen sie täglich, oft ohne über ihren Ursprung nachzudenken: Redewendungen. Doch woher kommen eigentlich „aus dem Stegreif“ oder „auf dem Holzweg sein“? Viele unserer alltäglichen Ausdrücke haben tiefe historische Wurzeln, die bis ins Mittelalter oder sogar noch weiter zurückreichen. Hier ist die Herkunftsgeschichte von fünf von ihnen:
Die Redewendung „aus dem Stegreif“ beschreibt eine Handlung, die ohne Vorbereitung, spontan oder improvisiert erfolgt. Man spricht davon, dass jemand „aus dem Stegreif“ eine Rede hält, eine Aufgabe löst oder eine Leistung erbringt, ohne sich im Vorfeld darauf vorbereitet zu haben.
Die Herkunft dieser Redewendung ist in der mittelalterlichen Turnierwelt zu finden. Der „Stegreif“ war eine ältere Bezeichnung für den Steigbügel, also die Vorrichtung am Sattel, die dem Reiter beim Aufsteigen auf das Pferd hilft. Ein besonders geschickter und erfahrener Ritter war in der Lage, ohne die Hilfe dieses Steigbügels direkt auf sein Pferd zu springen. Diese Fähigkeit demonstrierte nicht nur seine Reitkunst, sondern auch seine Bereitschaft, sofort und ohne Vorbereitung zu handeln.
Die Redewendung „etwas auf die lange Bank schieben“ bedeutet, eine Aufgabe, Entscheidung oder Angelegenheit hinauszuzögern. Man verwendet diesen Ausdruck, wenn etwas bewusst oder unbewusst verzögert wird, oft mit dem negativen Beigeschmack, dass dies unnötig oder schädlich ist. Beispielsweise kann man sagen, dass ein Schüler etwas „auf die lange Bank schiebt“, wenn er noch nicht für den wichtigen Test geübt hat.
Die Herkunft dieser Redewendung liegt im Ablauf historischer Gerichtsprozesse. In früheren Zeiten, insbesondere im Mittelalter und der frühen Neuzeit, befanden sich in Gerichtssälen lange Bänke, auf denen die Beteiligte des Gerichtsverfahrens Platz nahmen. Wenn ein Fall „auf die lange Bank geschoben“ wurde, bedeutete dies, dass er vertagt wurde und die Betroffenen lange warten mussten, bis ihr Fall erneut verhandelt wurde.
Die Redewendung „auf dem Holzweg sein“ bedeutet, dass jemand sich irrt oder eine falsche Annahme trifft. Man benutzt sie zudem, um auszudrücken, dass jemand einen Fehler macht. Beispielsweise: „Wenn du glaubst, du kannst das Problem so lösen, bist du auf dem Holzweg.“
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig geklärt, aber es gibt eine plausible Theorie, die mit der Forstwirtschaft zusammenhängt: Im Mittelalter wurden Holztransporte oft über spezielle Wege, sogenannte Holzwege, durchgeführt. Diese Wege führten tief in den Wald hinein und waren oft unübersichtlich. Wenn jemand versehentlich einen falschen Holzweg einschlug, verirrte er sich leicht oder landete in einer Sackgasse. So entstand die bildliche Vorstellung, dass jemand, der sich irrt, „auf dem Holzweg ist“.
Die Redewendung „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist ein Ausdruck, der in vielen Situationen verwendet wird, um Mut und Zuversicht zu vermitteln. Sie bedeutet, dass man auch in scheinbar ausweglosen Lagen nicht aufgeben sollte, da immer noch die Chance auf eine positive Wendung besteht.
Die genaue Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Eine mögliche Erklärung findet sich in der christlichen Tradition. Es gibt Verbindungen zu biblischen Texten, in denen die Hoffnung als wichtige Tugend dargestellt wird. Einige Interpretationen sehen einen Zusammenhang mit der Vorstellung, dass die Hoffnung bis zum letzten Moment des Lebens besteht.
Eine weitere Theorie ist, dass die Redewendung aus der Griechischen Mythologie stammt. Dort gibt es die Geschichte von der Büchse der Pandora. Hierbei ist die Hoffnung das, was als Letztes in der Büchse verblieb und somit auch das, was „als Letztes stirbt“.
Die Redewendung „mit allen Wassern gewaschen sein“ beschreibt eine Person, die sehr erfahren, gewieft oder durchtrieben ist. Oft hat diese Redewendung jedoch einen negativen Beiklang und deutet an, dass jemand nicht ganz vertrauenswürdig ist. Man sagt beispielsweise: „Dieser Geschäftsmann ist mit allen Wassern gewaschen, da muss man vorsichtig sein.“
Diese Redewendung hat ihren Ursprung wohl in der Seefahrt. Ein Seemann, der „mit allen Wassern gewaschen“ war, hatte alle Weltmeere befahren und galt daher als äußerst erfahren und schlau. Er kannte die Gefahren und Tücken der Seefahrt und war nicht so leicht zu überlisten. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass jemand durch viele Erfahrungen im Leben klug und gerissen geworden ist.