Theaterabend in Rhauderfehn  Gymnasiasten begeistern mit Gesellschaftskritik

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 22.03.2025 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zum Schlussapplaus versammelten sich alle Beteiligten von „Big Bluff statt Big Brother“ auf der Bühne. Foto: Scherzer
Zum Schlussapplaus versammelten sich alle Beteiligten von „Big Bluff statt Big Brother“ auf der Bühne. Foto: Scherzer
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Die beiden Kurse Darstellendes Spiel des Abi-Jahrgangs am Albrecht-Weinberg-Gymnasium führten jetzt ihre Stücke auf. Warum die Darstellung Publikum und Schauspieler zugleich begeistert hat.

Rhauderfehn - Zwei Kurse Darstellendes Spiel des Abi-Jahrgangs vom Albrecht-Weinberg-Gymnasium (AWG) Rhauderfehn brachten zur Finanzierung ihrer anstehenden Abifeier im März gleich zwei Theaterstücke auf die Bühne der Erich-Kästner-Aula Rhauderfehn.

Das erste Stück „Die Schatten des Kinderfängers“ entwarf das Szenario einer Welt ohne Kinder und stellte die Frage, was Kinder im Leben wirklich brauchen. Das zweite Stück „Big Bluff statt Big Brother“ thematisierte die Auswirkungen von Isolation und Gruppendynamik. Wir saßen bei „Big Bluff statt Big Brother“ im Publikum.

Gesellschaftskritik mit ironischem Unterton

„Wir haben uns selbst moralische Aspekte überlegt, damit man etwas aus dem Stück mitnehmen kann und haben aktuelle politische Themen ironisch dargestellt“, sagte die 18-Jährige Gymnasiastin Helin Mohamad aus dem 13. Jahrgang des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums vor Aufführung des Stücks „Big Bluff statt Big Brother“.

Sieben Abiturientinnen und Abiturienten zeigten ihr schauspielerisches Talent bei der Aufführung „Big Bluff statt Big Brother“. Aufgeführt wurde das Stück auf der Bühne in der Aula der benachbarten Erich-Kästner-Schule. Foto: Scherzer
Sieben Abiturientinnen und Abiturienten zeigten ihr schauspielerisches Talent bei der Aufführung „Big Bluff statt Big Brother“. Aufgeführt wurde das Stück auf der Bühne in der Aula der benachbarten Erich-Kästner-Schule. Foto: Scherzer

Das Stück drehte sich um sieben stereotype Charaktere, darunter ein Rechtsextremer, ein Streber, eine syrische Geflüchtete und eine Jugendliche im Rollstuhl. Alle trafen als Teilnehmer einer Reality-Show in einem überwachten Container aufeinander. Dort mussten sie – ähnlich wie in der TV-Show „Big Brother“- Aufgaben bewältigen. Der Hauptgewinn: 7.000 Euro.

Moralische Dilemmata und gesellschaftliche Missstände

Eine der Aufgaben stellte die Gruppe vor ein moralisches Dilemma: Sie musste entscheiden, welche Person aus einem Heißluftballon geworfen werden sollte, um den Absturz aller zu verhindern. Durch diskriminierende Äußerungen und Vorurteile spitzte sich die Stimmung im Container zu. „Es geht um Moral. Wir wollen satirisch-ironisch auf Missstände aufmerksam machen. Das Publikum soll sich fragen, ob das gezeigte Verhalten richtig ist“, so Mohamad. Am Ende des Stückes wandten sich alle Teilnehmenden von dem rechtsextremen Charakter ab – ein symbolischer Schlusspunkt, der vom Publikum mit Applaus aufgenommen wurde.

Challenge 1: Wer fliegt aus dem Heißluftballon und sichert so das Überleben der anderen? Foto: Scherzer
Challenge 1: Wer fliegt aus dem Heißluftballon und sichert so das Überleben der anderen? Foto: Scherzer

Um das Reality-Show-Feeling in die Aula zu bringen, setzten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Inszenierungselemente ein: Vor Beginn gab es Taschenkontrollen durch vermeintliche Security-Leute, das Schauspiel wurde live auf eine Leinwand übertragen, und fiktive Werbespots, produziert vom Kurs „Darstellendes Spiel“, unterbrachen das Stück.

Show-Effekte eingebaut

Die technische Umsetzung übernahm Luca Bluhm. Der Kursleiter Teo Groeneveld begleitete das Projekt mit großem Engagement: „Er ist immer mit Herzblut dabei und möchte, dass alles gut gelingt“, betonte Helin Mohamad.

Show-Effekte sorgten für ein authentisches Erlebnis. Foto: Scherzer
Show-Effekte sorgten für ein authentisches Erlebnis. Foto: Scherzer

Die Grundidee beider Theaterstücke war vorgegeben, doch die inhaltliche Ausarbeitung hatte in den Händen der beiden Kurse gelegen. „Wir hatten ein halbes Jahr Zeit, um mit Leuten, die nicht unbedingt Theatererfahrung haben, einen kompletten Theaterabend auf die Beine zu stellen – inklusive Technik, Catering, Feuerwehrbestellung und Absprachen mit Schulleitung und Landkreis“, erläuterte Groeneveld.

Challenge 3: Rollenklischees überwinden. Foto: Scherzer
Challenge 3: Rollenklischees überwinden. Foto: Scherzer
Die Einnahmen aus den Theaterabenden fließen in die Abikasse – eine zusätzliche Motivation für die jungen Darstellerinnen und Darsteller. Die Abifeier findet am 28. Juni im Hotel Hilling in Papenburg statt.

Bereits in der Pause des zweiten Theaterabends zeigte sich Kursleiter Groeneveld zufrieden: „Ich bin sehr zufrieden mit meinen Leuten. Die Technik war eine Herausforderung. Keiner war krank. Ich bin sehr stolz, dass die Gruppen es hinbekommen haben, vor dem Publikum zu bestehen.“

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