Kunstraub in Assen  Wie die Polizei den Verdächtigen auf die Spur kam

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 18.03.2025 13:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Original des goldenen Helms von Cotofenesti ist weiterhin verschwunden. Doch in den Niederlanden wurden zum Karneval bereits Repliken aus Kunststoff verkauft. Foto: Van Weel/ANP/Imago Images
Das Original des goldenen Helms von Cotofenesti ist weiterhin verschwunden. Doch in den Niederlanden wurden zum Karneval bereits Repliken aus Kunststoff verkauft. Foto: Van Weel/ANP/Imago Images
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Knapp zwei Monate nach dem Kunstraub in Assen fehlt von der Beute noch jede Spur. Doch die Polizei hat vier Verdächtige festgenommen. Dazu, wie das gelingen konnte, haben sich deren Anwälte geäußert.

Assen/Groningen - Wie ist es der niederländischen Polizei nach dem spektakulären Kunstraub in Assen binnen weniger Tage gelungen, mehrere Verdächtige festzunehmen? In der Nacht auf den 25. Januar hatten Einbrecher die Türen zum Drents Museum aufgesprengt und wertvolle Goldschätze aus Rumänien gestohlen, die weiterhin verschwunden sind. Bereits am 29. Januar meldeten die Ermittler die Festnahme von drei Personen – zwei Männern und einer Frau – in Heerhugowaard in der Provinz Noord-Holland.

Nun haben sich Dennis Vlielander und Micha Jonge Vos, die zwei der Festgenommenen als Anwälte vertreten, gegenüber dem Groninger „Dagblad van het Noorden“ und der Zeitung „De Telegraaf“ geäußert. Die Juristen sind die einzigen Außenstehenden, zu denen die Verdächtigen laut Staatsanwaltschaft während der Untersuchungshaft Kontakt haben dürfen. Vlielander erklärte, dass einer der Männer und die Frau das Drents Museum rund anderthalb Monate vor dem Diebstahl besucht hätten. Dass sie die Tat begangen haben, würden sie aber ebenso bestreiten wie der dritte Hauptverdächtige.

Frau sagte, sie weiß nichts über den Verbleib der Kunstschätze

Im Februar hatte die Polizei zudem in Obdam bei Heerhugowaard einen 26-Jährigen als weiteren Verdächtigen festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft, wie auch die 34- und 36-jährigen Männer, die nur Tage nach der Tat gefasst worden waren. Die Frau allerdings kam vergangene Woche wieder auf freien Fuß, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie gelte jedoch weiterhin als verdächtig. Das „Dagblad van het Noorden“ berichtete, die Frau habe nach ihrer Freilassung erklärt, dass sie nichts wisse über den Verbleib des wertvollen Diebesguts, darunter der goldene Helm von Cotofenesti und weitere Exponate aus dem Nationalmuseum für die Landesgeschichte in Bukarest, die als Leihgabe in Assen waren.

Ein Polizeifahrzeug steht nach der Tat vor dem Drents Museum in Assen. In der Nacht auf den 25. Januar wurde aus dem Haus wertvolle Kunstschätze aus Gold gestohlen. Foto: Jumelet/ANP/Imago Images
Ein Polizeifahrzeug steht nach der Tat vor dem Drents Museum in Assen. In der Nacht auf den 25. Januar wurde aus dem Haus wertvolle Kunstschätze aus Gold gestohlen. Foto: Jumelet/ANP/Imago Images

Für die niederländischen Ermittler hat es höchste Priorität, die gestohlenen Kunstschätze wiederzufinden, wie sie bereits mehrfach betonten. Ein Grund dafür ist, dass sie von offizieller Seite aus Rumänien Druck zu spüren bekommen: In Bukarest betont man den großen kulturgeschichtlichen Wert der Stücke für das Land und drängt auf eine baldige Wiederbeschaffung. Die Polizei sucht zudem noch nach einem weiteren Verdächtigen. Die Beamten hatten hierzu bereits Bilder veröffentlicht, die von einer Überwachungskamera in einem Baumarkt in Assen gemacht worden waren.

DNA-Rückstände führen auf die Spur der Verdächtigen

Aufnahmen einer Kamera am Drents Museum, welche die Polizei ebenfalls veröffentlicht hat, zeigen, dass am Aufsprengen der Eingangstüren mindestens drei Personen beteiligt waren. Einen zuvor gestohlenen VW Golf sollen die mutmaßlichen Täter als Fluchtwagen genutzt und rund 20 Minuten nach dem Einbruch am Stadtrand von Assen zurückgelassen und in Brand gesetzt haben. Die Polizei argumentiere nun unter anderem, dass der Wagen kurz vor der Tat aufgetankt worden sei – und dass hierfür mit der Karte eines der Verdächtigen gezahlt worden sei, sagte dessen Anwalt Jonge Vos.

Die Polizei teilte bereits kurz nach der Tat mit, dass in Assen eine Tasche und Kleidung gefunden worden seien. Hierdurch seien die Ermittler auf die Spur der 34- und 36-jährigen Männer aus Heerhugowaard gekommen, wie ihre Anwälte dem „Dagblad van het Noorden“ und „De Telegraaf“ bestätigten. An der Kleidung hätten sich DNA-Spuren der beiden Verdächtigen befunden. Ein Abgleich mit der Datenbank habe dann zu den Männern geführt, da beide zuvor bereits vor Gericht verurteilt und deren DNA-Informationen dadurch gespeichert worden seien. Zudem seien auf der Kleidung Glassplitter gefunden worden, welche die Polizei dem Drents Museum zuordne, sagte Vlielander.

Der Verteidiger sieht aber auch angesichts der Beweislage Chancen für seinen Klienten: „Es gibt keinen einzigen harten Beweis für die direkte Beteiligung meines Mandanten an dem Diebstahl“, sagte Vlielander. Das Rennen sei noch nicht gelaufen.

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