Hannover  Trump und Musk „wollen Wissenschaft kontrollieren“: Auch US-Forscher in Niedersachsen sind in Sorge

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 17.03.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nicht nur Beschäftigte der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Uni Oldenburg sehen die Dekrete und Drohungen Trumps gegenüber der Wissenschaft als großes Problem. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Nicht nur Beschäftigte der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Uni Oldenburg sehen die Dekrete und Drohungen Trumps gegenüber der Wissenschaft als großes Problem. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
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Nach der Wiederwahl von Trump sieht sich die Wissenschaft weltweit in Gefahr. Budgets werden gekürzt, der freie Zugang zu Daten eingeschränkt und Stellen bleiben unbesetzt. Welche Folgen das jetzt auch für Deutschland hat.

Von einer Tragödie spricht Jennifer Eidswick. US-Präsident Donald Trump führe einen Kampf gegen die Wissenschaft. Er kürze Budgets der Hochschulen und setze politische Vorgaben durch. Noch nie gab es mehr Dekrete und Drohungen gegen die Wissenschaft als in den ersten Wochen seiner zweiten Amtszeit, so die Plattform „Silencing Science-Tracker“ der Columbia Universität. Diese Entwicklung habe sie sich nicht vorstellen können, sagt die US-Amerikanerin und Biologin Eidswick im Gespräch mit dieser Redaktion.

Eidswick ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Oldenburg. Die 42-jährige Doktorandin in der Abteilung für Ambulante Diagnostik in der Psychologie lebt schon seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. In ihrer Forschung untersucht sie unter anderem in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt öffentliche Interventionen, um den Alkoholkonsum der Bürger zu reduzieren.

Dabei greift sie auch auf die Datenbank des National Institutes of Health (NIH), einem der größten medizinischen Forschungsinstitute der USA, zurück. Eidswick sorgt sich, dass nun bestimmte Daten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Laut BBC verlieren rund 1165 Forscher des NIH ihre Jobs. Kündigungen erfolgten zum Teil fristlos und trotz als „exzellent“ bescheinigter Leistungen. Eidswick berichtet von den Sorgen einer indischen Kollegin, die in Kürze zu einem Forschungsaufenthalt in die USA aufbricht.

Von einem „Angriff auf die akademische Freiheit“ unter Trump spricht auch Alec Wodtke, Professor für Physikalische Chemie in Göttingen. Der 65-jährige US-Amerikaner kommt gerade von einer Reise zu unterschiedlichen Unis in den Vereinigten Staaten nach Deutschland zurück. Die Stimmung unter Forschern sei „entsetzlich“, berichtet Wodtke im NDR.

Trump und Milliardär Elon Musk versuchten, Uni-Präsidenten und Professoren mit der Angst vor dem Verlust von Bundesmitteln einzuschüchtern. Am California Institute of Technology – einem der Kronjuwelen der amerikanischen Wissenschafts- und Technologieforschung – würden vakante Stellen für Klimaforscher derzeit nicht besetzt.

Viele US-Wissenschaftler, die diese Redaktion angefragt hat, halten sich mit Äußerungen zur Regierungspolitik allerdings zurück. Andere wiederum, darunter eine Klimaforscherin in Kalifornien, nehmen nicht an Demonstrationen teil – aus der Sorge heraus, ausgewiesen zu werden.

Das „Prinzip Kettensäge“ von Trumps Bevollmächtigtem Musk hat nach Medienberichten auch lebensnotwendige Disziplinen getroffen: Forschungen zu Alzheimer, Diabetes, Krebs oder Impfstoffen wurden um Milliarden gekürzt. Tausende Menschen wurden bereits im Medizin- und Gesundheitsbereich entlassen. Die neue US-Regierung wolle „die Wissenschaft kontrollieren“ und „unliebsame Forschungsfelder zurückfahren“, erklärte jüngst der Präsident der deutschen Max-Planck-Gesellschaft, Patrick Cramer. Er macht Forschern, deren Arbeit in den USA nicht mehr willkommen ist, Hoffnung auf ein Engagement in europäischen Einrichtungen.

„Freie und unabhängige Wissenschaft ist ein Garant für unsere Demokratie“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs. Die Maßnahmen, die gerade in den USA ergriffen werden, wertet der SPD-Politiker als „Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit“. Wer die Freiheit der Wissenschaft einschränke, beschneide das Bemühen um Wahrheit. Erschreckend ist aus seiner Sicht, dass vor allem jüngere Wissenschaftler in befristeten Beschäftigungsverhältnissen nun vor dem Nichts stünden. Mohrs weist zudem auf die dramatischen Folgen hin, wenn Datenbanken für Infektionsforschung einfach abgeschaltet würden.

Als Wissenschaftsminister habe er ein Interesse daran, die klügsten Köpfe nach Niedersachsen zu holen, sagt Mohrs. Mit „Zukunft Niedersachsen“, dem größten Wissenschaftsförderprogramm in der Geschichte des Landes, unterstützen Land und Volkswagen-Stiftung die niedersächsischen Hochschulen mit 30 Millionen Euro, um Spitzenkräfte und führende Nachwuchswissenschaftler für Niedersachsen zu gewinnen.

Die Oldenburgerin Eidswick denkt auch gar nicht daran, in die USA zu gehen. „Es gibt keine Hoffnung für die Wissenschaft, solange dieser Mann im Amt ist“, sagt die Gesundheitsforscherin.

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