Osnabrück Axel Milbergs letzter „Tatort“: Was taugt „Borowski und das Haupt der Medusa“?
Mit dem Kieler "Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa" verabschiedet sich Axel Milberg von der Ostsee. Was über Borowskis Ende bekannt ist und wie es nun in Kiel weitergeht.
Was für ein erbärmliches Muttersöhnchen! Seit mehr als 40 Jahren lebt Robert Frost (krass: August Diehl) mit seiner streitsüchtigen Mutter (noch krasser: Corinna Kirchhoff) unter einem Dach. Und zwar in keinem normalen Verhältnis, wie die überaus neugierige Nachbarin zu wissen glaubt. Das hier entspreche eher einer eheähnlichen Beziehung. Permanente Nörgeleien inklusive. Ständig muss sich Muttis „Bobbele“ anhören, was für ein Versager er doch sei. Dass er das Nägelkauen sein lassen solle. Und sowieso. „Keine Frau mit 40. Das ist wirklich armselig.“ Bei diesen letzten Worten brennen dem Sohn endgültig die Sicherungen durch.
Während das „Bobbele“ Muttis Überreste anschließend irgendwo in der Kieler Förde zu beseitigen versucht, erblickt Kommissar Borowski (Axel Milberg) im Bürgeramt das Bild eines Hauses, das alte Erinnerungen weckt. Als Schuljunge ist er dort ständig vorbeikommen. Und aus irgendwelchen Gründen gruselt ihn der Anblick dieses wahrhaft schaurigen Hauses bis heute.
Im ARD-Teaser blickt Axel Milberg auf seine 44 Kieler Borowski-„Tatorte“ zurück:
Eigentlich wollte Borowski im Bürgeramt ja nur seinen Reisepass erneuern lassen. Aber als er erfährt, dass sein Sachbearbeiter namens Frost, an dessen Arbeitsplatz das Bild des Hauses hängt, schon länger nicht mehr zur Arbeit erschienen ist und es im Amt zu zwei unerklärlichen Todesfällen kam, packt ihn sein kriminalistischer Instinkt. Kurzentschlossen bricht er in das Horror-Haus ein und stößt im Keller auf allerlei verdächtige Hinweise. Dabei merkt er nicht, dass er beobachtet wird und in höchster Lebensgefahr schwebt.
Dies ist nur der Auftakt des wirklich außergewöhnlichen letzten Falles „Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa“ für Kommissar Borowski. Drehbuchautor Sascha Arango und Regisseur Lars Kraume haben dafür alle Register gezogen, um den Zuschauern den Abschied so schwer wie möglich zu machen.
Man merkt als Zuschauer dieses TV-Krimis von der ersten bis zur letzten Einstellung, wie sehr alle Beteiligten bei der Entstehung dieses Krimis mit Herzblut bei der Sache waren. Das beginnt mit der zum Teil äußerst makaberen Inszenierung – achten Sie auf das Aquarium! Und endet noch lange nicht mit der herausragenden Filmmusik von Christoph Maria Kaiser und Julian Maas. Die bedrohlichen Synthesizer-Klänge erinnern stark an Filmmusik von Horrofilm-Ikone John Carpenter.
Aber im Mittelpunkt der Geschichte steht natürlich Borowski, der es hier nicht zum ersten Mal mit einem für ihn weitgehend unsichtbaren Gegner zu tun bekommt. Man denke nur an die drei ebenfalls von Arango verfassten Episoden mit Lars Eidinger, der erstmals in „Borowski und der stille Gast“ (2012) dem Kommissar nachstellte. Hier gelingt nun erneut eine spannende Gratwanderung zwischen Charakterstudie und Krimi, der es auf außerordentliche Weise gelingt, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.
Wie dieser letzte Kieler „Tatort“ zum Abschied von Milberg in seiner prägenden Rolle als Kommissar Borowski endet, obliegt höchster Geheimhaltung. Es muss ein wirklich überraschendes Ende sein. Sonst hätten sich die Verantwortlichen der ARD nicht dazu durchgerungen, der Presse die letzten fünf Minuten vorzuenthalten.
Aber wie auch immer das Ende ausfallen wird - in Kiel geht es demnächst auch ohne Milberg als Borowski weiter. Der erste Fall ist bereits abgedreht. Dort gesellt sich Karoline Schuch in der Rolle der Kriminalpsychologin Ellie Krieger an die Seite von Milbergs alter Partnerin Mila Sahin (Almila Bagriacik). Zum Auftakt gibt es eine Doppelfolge: „Unter Freunden / Unter Feinden“, geschrieben und inszeniert wieder vom Erfolgsduo Arango und Kraume. Gezeigt wird diese Doppelfolge voraussichtlich aber erst im kommenden Jahr.
„Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa“. Das Erste, Sonntag, 16. März, 20.15 Uhr und in der Mediathek.