Damme/Saterland Bernd Stolle bringt Saterland ins Guinness-Buch der Rekorde
Der Touristik-Geschäftsführer aus Damme sorgt für den Weltrekord-Eintrag des Saterlandes. Es geht um die „Kleinste Sprachinsel Europas“.
Damme/Saterland - Als „Kleinste Sprachinsel Europas“ steht das Saterland im Guinness-Buch der Rekorde. Dafür ist Bernd Stolle verantwortlich. Mit „Vermarktung“ kennt sich der frühere Scharreler und heutige Geschäftsführer der Tourist-Information Erholungsgebiet Dammer Berge aus. Er sorgte für den Eintrag als „Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde Saterland“ in der Edition des Buches der Rekorde im Kapitel „Sprache und Literatur“ im Jahre 1991.
Das „Saterfriesische“ sprechen „nur“ noch rund 2000 Menschen im Saterland, so auch der 60 Jahre alte Stolle, der 1999 als „Rucksack-Dammer“ aus dem Landkreis Cloppenburg nach Damme kommt, um auch hier die Region als Touristik-Manager zu vermarkten. „Seelterlound“ – so lautet der Name des Saterlandes in seiner altfriesischen Sprache. Eine regionale Besonderheit, bei der es sich um einen mit niederdeutschen Elementen durchsetzten Dialekt der friesischen Sprache handelt. „Durch die natürliche Abgeschiedenheit der früher beinahe undurchdringlichen Moore, die einst das gesamte Saterland umschlossen, hat sich das Saterfriesische im Mittelalter entwickelt und wurde bis heute bewahrt“, erklärt Stolle. Geboren 1964 als Sohn eines Unternehmers im Saterland, macht Stolle zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und absolviert 1984 sein Studium mit dem Abschluss zum „staatlich geprüften Handelsbetriebswirt“ an der Bundesfachschule des Lebensmittelhandels in Neuwied. 1987 wechselt Stolle die Branche und geht zum Fremdenverkehrsverein Erholungsgebiet Barßel-Saterland. Von der einstigen „Abgeschiedenheit des Saterlandes“ sei allerdings nichts mehr zu spüren: Längst hat das moderne Zeitalter die Dörfer verändert und geprägt. Die Natürlichkeit, die auch die umliegende Landschaft bestimmt, konnte dennoch in den Orten erhalten werden.
Ehrenamtliche bringen den Kindern die saterfriesische Sprache näher
Bereits die Ortseingangsschilder der vier Gemeindeteile Sedelsberg (Seedelsbierich), Scharrel (Skäddel), Ramsloh (Roomelse), und Strücklingen (Strukelje) sind zusätzlich mit dem saterfriesischen Namen beschriftet und weisen damit bereits auf die Besonderheit hin. Seit vielen Jahren bemüht sich auch der Heimatverein Saterland „Seelter Buund“ um den Erhalt und die Pflege der Sprache. In allen Gemeindeteilen bringen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer den Kindern in den Kindergärten und Grundschulen bereits die saterfriesische Sprache näher. Ebenso werden Kurse für Erwachsene angeboten. Seit August 2010 bemühen sich einige Saterfriesen, die saterfriesische Sprache wieder zu beleben und zu erhalten, offiziell und finanziell unterstützt in dem Modellprojekt „Das Saterland als Modellregion für frühe Mehrsprachigkeit“, einer Kooperation mit dem Land Niedersachsen, der Ostfriesischen und der Oldenburgischen Landschaft. Ziel ist es, Lehrer und Erzieher auszubilden, sie in der saterfriesischen Sprache fit zu machen, didaktisch zu schulen und Material zu erstellen – für den Schulunterricht und den Alltag im Kindergarten.
Rund um die saterfriesische Sprache wurden bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Neben dem Neuen Testament gibt es kleine Liederbücher und Bücher mit Geschichten und Gedichten auf Saterfriesisch, zu erwerben bei der Gemeinde Saterland. Die Gemeinde bietet zudem die Sprachlern-App „Kleine Saterfriesen“ an. Mit der Veröffentlichung der Sprachlern-App haben Kinder erstmals die Chance, die Sprache am Smartphone oder Tablet spielerisch zu entdecken. Die App ist vornehmlich für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren entwickelt, ist aber auch für ältere Interessierte geeignet. So wurden zum Beispiel alle in der App vorhandenen Audio-Sequenzen von Mitgliedern des Saterländer Heimatvereins „Seelter Buund“ eingesprochen.