Osnabrück  Weniger Straftaten, mehr Gewalt: „Reduzierung von Kriminalität ist gute Nachricht“

Corinna Berghahn
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Von Corinna Berghahn
| 15.03.2025 05:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück im Jahr 2024 zugenommen. Foto: Michael Gründel
Auch die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück im Jahr 2024 zugenommen. Foto: Michael Gründel
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Die Kriminalstatistik für die Polizeidirektion Osnabrück zeigt 2024 weniger Straftaten und die höchste Aufklärungsquote Niedersachsens. Doch Gewalt und Internetkriminalität nehmen zu. Eine Zusammenfassung.

Die Polizeidirektion Osnabrück registrierte im Jahr 2024 insgesamt 83.090 Straftaten, was im Vergleich zum Vorjahr (88.744) einen Rückgang um rund sieben Prozent bedeutet. Dies stellt einen der niedrigsten Werte in der Langzeitentwicklung dar. Polizeipräsident Michael Maßmann betont in einer Mitteilung: „Vor 20 Jahren waren es noch knapp 30.000 Straftaten mehr. Die nachhaltige Reduzierung von Kriminalität in der Region ist eine gute Nachricht.“

Besonders erfreulich sei zudem, dass die Direktion die höchste Aufklärungsquote in Niedersachsen mit rund 66 Prozent erreiche. Die Polizeidirektion Osnabrück ist eine von sechs im Land, ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln und umfasst auch Stadt und Landkreis Osnabrück sowie das Emsland.

Auch die Kriminalitätsbelastung pro Einwohner im Zuständigkeitsbereich der Direktion, in dem etwa 1,5 Millionen Menschen leben, ist gesunken. Maßmann betont die objektiv gute Sicherheitslage, zeigt aber Verständnis für Sorgen der Bevölkerung angesichts negativer Ereignisse in Deutschland und weltweit: „Mir ist wichtig, dass die Menschen ihrer Polizei vertrauen. Wir sind da und jederzeit ansprechbar.“

Ein besonders deutlicher Rückgang wurde bei Geldautomatensprengungen verzeichnet: Die Zahl sank von sieben auf vier. Drei der Sprengungen fanden im Emsland, eine im Osnabrücker Land statt. Auch niedersachsenweit gab es einen starken Rückgang von 39 auf 19 Fälle. Zudem nehmen Verurteilungen zu. Erst in dieser Woche wurden sieben Geldautomatensprenger vom Landgericht Osnabrück zu Freiheitsstrafen verurteilt. Sie waren 2023 bei einem deutsch-niederländischen Großeinsatz festgenommen worden.

Maßmann warnt in der Mitteilung: Die eingesetzten Sprengstoffe werden immer gefährlicher und zunehmend auch für andere Kriminalitätsformen genutzt. Er betonte die Notwendigkeit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: „Der Schlüssel für eine nachhaltige Bekämpfung von Geldautomatensprengungen und anderer Formen organisierter Kriminalität ist eine enge Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaften.“ Dabei leiste auch das EU-Projekt LUMEN einen wichtigen Beitrag durch internationale Konferenzen und Ermittlungsunterstützung.

Das Verbreiten pornografischer Inhalte über Messenger bleibe allerdings ein Dauerthema: „Schüler sollten wissen, dass es sich hier um Straftaten handelt, die gravierende Folgen haben können – auch die Durchsuchung des Elternhauses. Das ist alles andere als ein Spaß und bindet Ressourcen.“

Trotz der positiven Gesamtentwicklung weist die Kriminalstatistik auch negative Trends auf:

Maßmann kündigt verstärkte Maßnahmen an, um regionale oder phänomenbezogene Häufungen von Gewaltkriminalität gezielt zu bekämpfen. Dazu könnten etwa regionale Alkohol- oder Waffenverbotszonen gehören.

Die Polizei bleibt weiterhin mit Betrugsfällen durch falsche Polizeibeamte und den Enkeltrick beschäftigt. Die Zahl der Fälle sank zwar auf rund 800, doch der finanzielle Schaden stieg auf über 800.000 Euro. „Die Täter lassen sich immer neue Betrugsmaschen einfallen und werden immer skrupelloser. Den Tätern ist es völlig egal, wenn Menschen teilweise um ihre Existenz gebracht werden oder psychische Folgen davontragen“, so Maßmann in der Mitteilung. Die Dunkelziffer sei weiterhin hoch, da sich viele Opfer aus Scham nicht meldeten.

Die Polizei beobachtet eine zunehmende Verlagerung von Kriminalität ins Internet. Maßmann betont, dass digitale Spuren bei der Strafverfolgung entscheidend seien und forderte daher eine schnelle Einführung der Vorratsdatenspeicherung mit gesetzlichen Verpflichtungen zur Mindestspeicherung von Daten: „Nur dann schaffen wir es, viele Täter im Internet aus ihrer Anonymität herauszuholen und ihrer gerechten Strafe zuzuführen.“

Insgesamt sieht die Polizeidirektion Osnabrück trotz der positiven Kriminalitätsentwicklung weiterhin große Herausforderungen in der Bekämpfung von Gewaltkriminalität, digitaler Kriminalität und Betrugsdelikten. Besonders wichtig seien die internationale Zusammenarbeit, präventive Maßnahmen und eine enge Vernetzung zwischen Polizei und Justiz.

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