Hamburg Mythos „Multitasking“ – warum geteilte Aufmerksamkeit unproduktiver macht
Multitasking – das Zauberwort unserer Zeit. Das Versprechen ist, dass wer mehrere Dinge gleichzeitig erledigt, ist effizienter, produktiver und erfolgreicher. Oder etwa nicht? Was auf den ersten Blick wie die Musterlösung aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als gefährliche Illusion. Doch warum ist das so?
Die Welt wird immer schnelllebiger. Und um bei diesem Tempo mithalten zu können, versuchen einige Menschen sich dieser Geschwindigkeit durchgehend anzupassen. Dabei heißt die Patentlösung für viele: Multitasking. Sie telefonieren beim Kochen, beantworten E-Mails während des Meetings oder scrollen durch Social-Media während sie fernsehen. Doch die Erzählung, dass Multitasking uns effizienter macht, ist bloß ein Mythos.
Der Multitasking-Mythos hält sich hartnäckig. Tatsächlich belegen verschiedene Studien, wie die im Jahr 2001 von den Psychologen Joshua Rubinstein, Jeffrey Evans und David Meyer, etwas anderes. Denn durch die geteilte Aufmerksamkeit schleichen sich leichter Fehler ein und wir arbeiten oberflächlicher und weniger präzise.
Zudem wird unser Gehirn durch Multitasking darauf trainiert, sich nur kurzfristig auf eine Sache zu konzentrieren. Dies kann zu Flüchtigkeitsfehlern, Nachlässigkeiten und einer insgesamt geringeren Qualität der Arbeit führen.
Darüber hinaus kann Multitasking Stress und Überforderung verursachen, da unser Gehirn ständig versucht, mit den wechselnden Anforderungen Schritt zu halten. Dieser ständige Balance-Akt kann zu mentaler Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und sogar zu langfristigen Problemen wie Aufmerksamkeitsdefiziten führen. Multitasking kann zudem auch unsere Fähigkeit beeinträchtigen, Informationen zu filtern und Prioritäten zu setzen, was zu ineffizientem Arbeiten und einer Abnahme der Produktivität führt.
Die gute Nachricht ist: Wir können lernen, Multitasking zu vermeiden und wieder fokussierter zu arbeiten. Um das zu schaffen, kann es hilfreich sein, verschiedene To-do-Listen zu erstellen und die einzelnen Punkte zu priorisieren. So bleiben die Fokusthemen besser im Blick und das Springen zwischen den Aufgaben kann einfacher vermieden werden.
Zudem können Zeitmanagement-Techniken – wie die von Francesco Cirillo im Jahr 1980 entwickelte Pomodoro-Technik – helfen, fokussierte Arbeitsblöcke zu schaffen und regelmäßige Pausen einzulegen. Diese Technik funktioniert, indem man seine Arbeitszeit in 25-minütige Intervalle unterteilt. Nach jedem Intervall folgt eine kurze Pause von fünf Minuten. Nach vier abgeschlossenen Intervallen wird eine längere Pause von 15 bis 30 Minuten eingelegt.
Eine weitere gute Strategie ist erst einmal, die Umgebungsablenkung zu minimieren. Dafür sollten die Benachrichtigungen von Smartphone und Computer ausgeschaltet und eine ruhige Arbeitsumgebung geschaffen werden.