Osnabrück „Tanzende Türme“ in Hamburg, „Kranhäuser“ in Köln: Wer ist Star-Architekt Hadi Teherani?
Hadi Teheranis Bauwerke stehen in Hamburg, Köln und Frankfurt. Und sie schmücken Dubai, Moskau und China. Dabei wurde der Hamburger Architekt fast eher zufällig zum international renommierten Baumeister und Designer. Ein Porträt.
Im Alter von sechs Jahren kam Hadi Teherani 1960 mit seinen Eltern aus dem Iran in die Bundesrepublik Deutschland, damals nannte man ausländische Arbeitskräfte noch „Gastarbeiter“. Entgegen der Erwartung, dass sie nur für kurze Zeit in Deutschland sein würden, bleibt die Familie in Hamburg. Für den jungen Hadi eine harte Umgewöhnung: „Im Sommer haben wir auf dem Dach unseres Hauses in Teheran geschlafen und in den fabelhaften Sternenhimmel geschaut.“ Stattdessen erlebte er 1962 die verheerende Sturmflut in der Hansestadt, jenes Unwetter, das den damaligen SPD-Innensenator Helmut Schmidt durch sein beherztes und unbürokratisches Krisenmanagement national bekannt machte.
„Zur Schule kam ich, ohne Deutsch zu können, ich musste mir die Sprache praktisch allein beibringen“, erinnert sich der international renommierte Architekt im Gespräch mit unserer Redaktion. Nach dem Abitur wusste Hadi Teherani noch nicht so recht, was aus ihm werden sollte. Da er in Kunst immer auf Eins stand, bewarb er sich für Architektur in Braunschweig und Werbegrafik in Hamburg. „Erstaunlicherweise wurden beide Bewerbungen angenommen und ich hatte mich zu entscheiden.“ Dies überließ er dann einer Münze. „Es wurde Braunschweig“.
Wobei Hadi Teherani keine Ahnung hatte, wo diese Stadt zu finden sei, geschweige denn, dass sie an der deutsch-deutschen „Zonengrenze“ lag. Nach sieben Jahren Studium ging Hadi Teherani zu einem der wichtigsten deutschen Architekten, Professor Joachim Schürmann (1926-2022), nach Köln. Dort gründete er mithin ein Modelabel: „Mich kannte ja keiner.“ Sehr modern, sehr puristisch, bald sollte man den begabten, quirligen und stets optimistischen jungen Mann in der Rheinmetropole wohl kennen.
Auf den Münzwurf, der ihn nach Braunschweig führte, folgte ein weiterer schicksalhafter Zufall. „Tja, die Sache mit den Porsches. Ich hatte von einem Kollegen in San Diego drei Porsches 356 gekauft, das Geld dafür lieh ich mir, wusste ich doch, dass ich sie in Deutschland sofort würde verkaufen können.“ Und als er mit einem dieser Sportwagen eines Tages In Hamburg war – „ich ließ dort meine Mode produzieren“ – sprang da ein Typ begeistert um das Automobil herum. Etwas später begegnete Hadi Teherani eben jenen Porsche-Fan nochmals in Hamburg, der Mann dealte jetzt mit schnellen Vehikeln und schrieb einen Wettbewerb für ein Autohaus aus – „den gewann ich“.
So kam Hadi Teherani als Architekt nach Hamburg und ist bis heute dort geblieben. Seit Jahren hat er sein Headquarter an der schönen Adresse Elbberg 1. Direkt an der Elbe, mit Blick auf eines seiner bahnbrechenden Bauwerke, das Dockland – ein markantes Gebäude im Hamburger Hafen in Schiffsform. Besucher können das 132 Meter lange Bürogebäude von außen begehen, die Dachterrasse bietet eine tolle Aussicht auf die Elbe. Teherani ist es immer wichtig, dass seine Bauwerke physisch und sinnlich erfahrbar sind.
In Hamburg stehen inzwischen am Anfang der Reeperbahn die Tanzenden Türme, die scheinbar eng miteinander verwoben scheinen wie ein tanzendes Paar. Ein Projekt, das der Architekt mit dem von ihm 1991 gegründeten Architekturbüro BRT (Bothe, Richter, Teherani) realisierte, eine faszinierende Konstruktion aus Stahl und Glas, die unter höchsten ökologischen Aspekten verwirklicht wurde. Und der legendäre Hamburger Mojo Music Club fand auch wieder ein neues Zuhause an diesem Ort, Reeperbahn 1, diesmal im Untergrund. Nach knapp 50 Stufen erschließt sich den Besuchern ein architektonisches Kleinod, ein raffinierter Mix aus Beton und Holz – gestaltet von dem Berliner Architekten Thomas Baecker.
Nicht minder faszinierend sind die berühmten Kranhäuser am Kölner Rhein, das Ensemble aus zwei Bürohäusern und einem Wohnhaus. Monumentalen Hafenkränen nachempfunden, wurden sie ebenfalls mit Rücksicht auf ökologische Standards gebaut. Allerdings musste Teherani 15 Jahre bis zur Fertigstellung warten. „Das Projekt, dessen Wettbewerb ich gewonnen hatte, sollte irgendwie still beerdigt werden.“ Dank einer öffentlichen Kampagne – „Wir wollen unsere Kramhäuser zurück!“ – kam es dann glücklicherweise nicht dazu. Die Kranhäuser gehören mittlerweile zu Köln wie der Dom, sie wurden zu einem zeitlosen Wahrzeichen der Rhein-Metropole. Und sie sind ein Parade-Beispiel, dass ein Architekt oft „verdammt viel Geduld“ haben muss..
Ein weiteres Projekt war der 2000 fertiggestellte Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen, Kosten: 225 Millionen Euro, davon 44,5 Millionen für die geniale, lichte Dachkonstruktion. „Wenn der Reisende in diesen Bahnhof einfährt, soll er das Gefühl haben, er fahre in ein riesiges Flugobjekt hinein.“ Der Visionär Teherani entwarf teleskopartige Stützen, die den Eindruck des Abhebens vermitteln. Mittlerweile stehen Bauwerke von Hadi Teherani unter anderem in Dubai, Moskau, Indien, im Iran und in China. Für die Luxus-Modemarke Kiton hat er Showrooms in New York, London, Mailand und Rom entworfen. Sein bislang komplexestes Projekt steht in Abu Dhabi, die Zayed-Universität (Baukosten: 800 Millionen Dollar). Auch hier wurde die Geduld des Architekten herausgefordert.
Einige Wochen lang habe er sich immer donnerstags in eine Schlange von Bittstellern im Palast des Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan gestellt, sagt Teherani gegenüber unserer Redaktion. Das müsse man traditionell tun, um vielleicht einmal eine Audienz zu bekommen: „Ich hatte erfahren, dass ihm der Entwurf einer geplanten Universität nicht gefiel. Es kam dazu, dass ich die Chance bekam für einen neuen Entwurf, den ich freilich in drei Wochen vorzulegen hatte. Der Scheich war begeistert!“. So kam Teherani an den millionenschweren Auftrag. Entstanden ist eine scheinbar schwebende, futuristische Konstruktion.
Seit 2012, als Teherani die Geschäftsanteile von Jens Bothe und Kai Richter übernahm, ist er gänzlich sein eigener Herr seiner Firma – und zunehmend ebenfalls als Produkt- und Interior-Designer tätig. „Sinnlich erlebbare Räume“ sind ihm auch hier ein permanentes Anliegen. Er entwirft unter anderem Teppich-Kollektionen, Tapeten, Lampen, Büromöbel, Tür- und Fensterbeschläge und E-Bikes. Auf seinem Silver-Office-Sessel nimmt etwa Rockstar Mick Jagger Platz. Kürzlich waren in Berlin drei Design-Serien (Fischbacher 1819, Mirage, Wagner Living) von Hadi Teherani zu sehen, die ergonomisches Sitzen neu definieren und im 3D-Druckverfahren produziert wurden. Und da Keramik einer der nachhaltigsten Bau- und Werkstoffe überhaupt ist, hat er mit „Solid Ground“ eine besondere Fliesenkollektion geschaffen.
Hadi Teherani sagt zum Thema Nachhaltigkeit: „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, von der ich früher aber oft Investoren erst überzeugen musste. Ein wunderbares Beispiel für nachhaltiges Bauen ist das 5-Sterne-Hotel Krallerhof im Salzburger Land.“ Dort ist eine fabelhafte, ausgezeichnete Spa-Anlage entstanden, die „Atmosphere“. Dazu zählt ein künstlich angelegter Badesee mit dazugehörigem Infinity-Pool. Das Spa hat die Emotionalität und das Feeling einer überdimensionalen buddhistischen Zen-Installation. Verwendet wurden dabei ausschließlich auf lokale Materialien und Produkte, wie etwa lokale Hölzer oder Alpenmarmor.
Wie ein Sonnenaufgang mutet die elegant geschwungene Kurve des Innovationsbogens Augsburg an. „Die markante Silhouette macht den Bürokomplex zur neuen Landmarke des Augsburger Innovationsparks“, findet Hadi Teherani. Auf dem Dach sorgen Photovoltaik-Anlagen für Energie, Wärme- und Kälteversorgung sind durch die Nutzung des Grundwassers gewährleistet. Allein 527 Tonnen CO₂ sparten die vorgefertigten Alu-Elemente der 5.400 Quadratmeter großen Fassade ein, weil sie aus vollständig recyceltem Aluminium bestehen. Der Innovationsbogen (Baukosten rund 50 Millionen Euro) ist Teil des international anerkannten Kompetenzzentrums für die Entwicklung innovativer Technologien.
Mitten in der Hamburger City steht das „Deutschlandhaus“. Vis-à-vis der Staatsoper entstand „eine zeitgemäß interpretierte Reminiszenz an die Backsteinfassaden hanseatischer Kontorhäuser aus dem letzten Jahrhundert“. Aber Hadi Teherani wäre nicht Hadi Teherani, hätte er nicht noch ein spektakuläres Herzstück integriert: das lichtdurchflutete, öffentlich zugängliche Atrium mit einem Palmenwald und umlaufendem Wasserbecken.
In diesem Haus gehen Arbeiten, Shoppen und Gastronomie eine ästhetische Synergie ein, das würde den architektonischen Vorbildern von Hadi Teherani, nämlich Mies van der Rohe (1886 bis 1968) und Oscar Niemeyer (1907 bis 2012), wohl gefallen. „Zwischen den Polen von van der Rohe (Neue Nationalgalerie Berlin und Niemeyer (UN-Gebäude in New York City) ordne ich mich stilistisch ein“. Im Fußball würde man sagen, er bewegt sich zwischen Pelé und Franz Beckenbauer oder kontemporär zwischen Messi und Mbappé. Ja, da passt der Architekt Hadi Teherani hin.