Osnabrück Oscar-Kandidat „Konklave“: In diesen fünf Fragen liegt der Papst-Blockbuster daneben
Der Film „Konklave“ mit Ralph Fiennes hat am 2. März keinen „Oscar“ als „Bester Film“ bekommen. Zwar ist der Film spannend erzählt und überzeugt mit starken Bildern. Doch es verstecken sich auch Fehler darin, die Kirchen-Experten aufstoßen. Eine liebevolle Kritik in fünf Punkten.
Tolle Bilder, überwältigender Sound, fesselnde Geschichte: Der Film „Konklave“ mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle war zurecht ein Kandidat bei der diesjährigen „Oscar“-Verleihung. Am Ende hat es aber nicht gereicht: Den „Oscar“ für den besten Film erhielt „Anora“. Wenn man es genau nimmt, gibt es auch einige Unstimmigkeiten in dem Kirchen-Blockbuster. Fünf Mängel, zu verstehen als Liebeserklärung eines Kirchen-Nerds:
Wenn Bischöfe der katholischen Kirche ihre volle Amtskluft tragen, gehört ein Scheitelkäppchen ohne Ausnahme dazu. Das gilt auch für Kardinäle, die ja in der Regel Bischöfe sind. Bei normalen Bischöfen ist das Scheitelkäppchen, eigentlich Pileolus genannt, violett. Bei Kardinälen ist es rot. Gefertigt wird es aus Moire-Seide. Im Film „Konklave“ aber scheinen die Scheitelkäppchen aus feinem Samt gemacht zu sein. Elegant, ohne Frage, aber eben nicht richtig!
Einer der vielen bildstarken Momente ist das sogenannte Vor-Konklave, in dem Ralph Fiennes als Kardinaldekan eine Predigt hält. Doch das Arrangement passt nicht. Fiennes sitzt im Bild auf einem leicht erhöhten Podest. Er trägt Messgewand und Mitra, also den Bischofshut für Gottesdienste. Um ihn herum sitzen die Kardinäle, auch sie tragen Messgewänder und Mitren.
Kirchenprofis würden also denken: Hier findet ein Gottesdienst statt, eine Messfeier. Doch das kann nicht sein, schließlich fehlt im Bild ein Altar. Und sowieso: Die Art, wie Fiennes zentriert und thronartig in der Bildmitte sitzt, passt überhaupt nicht zu seiner Rolle. Zugegeben: Das Bild ist stark; es fängt die hierarchische Ordnung der katholischen Kirche ein. Aber wenn überhaupt, dann würde vielleicht ein Papst auf einem solchen Podest zu seinen Kardinälen sprechen. Aber von „Mitbruder“ zu „Mitbruder“? Wohl kaum!
Mit den Messgewändern geht es weiter: In einer Einstellung stehen die Kardinäle in den violetten Messgewändern im Innenhof des apostolischen Palastes. So, als hätten sie gerade Gottesdienst gefeiert und seien nun erstmal auf eine Zigarette und einen Plausch an die frische Luft getreten. Doch auch das ist unrealistisch. Vielmehr beginnt und endet jede Messfeier für die Geistlichen in einer Sakristei. Dort wird das Messgewand unmittelbar nach der Liturgie abgelegt. Auch Kleriker rauchen, ja – aber ohne Brokatgewand.
Zugegeben, Drehgenehmigungen im Vatikan zu bekommen, dürfte nicht so einfach sein. Deshalb wollen wir diesen Punkt nicht zu sehr unterstreichen. Aber üblicherweise kommen die Kardinäle im Gästehaus Santa Marta unter. Im Film spielen sich die intimen Szenen in der Unterkunft der Papstwähler deutlich weiter entfernt vom Petersdom ab, wie die Blickachsen beweisen. Aber: Der Film kontrastiert auf wunderbare Weise immer wieder die barocke Ästhetik der katholischen Kirche mit dem nüchternen Charme von Bauten der 60er und 70er Jahre. Wirklich wunderbar!
Eine Explosion in Rom lässt ein Glasfenster in der Sixtinischen Kapelle zerbersten. Der Moment wird zum Wendepunkt im festgefahrenen Konklave. Die Bildsprache ist klar: Hier kommt der Heilige Geist mit Macht herein; er reißt die Fenster der auf sich selbst fixierten Kirche auf und lässt die Realität hinein. Etwas zu plakativ! Dann strebt der Film seinem überraschenden Ende entgegen. Die Auflösung des Films ist etwas zu zeitgeistig geraten – aber darin folgt der Romanvorlage von Robert Harris aus dem Jahr 2016.
All zu sehr dürften diese Detailfragen die meisten Zuschauer allerdings nicht bewegen. Deshalb: „Konklave“ lohnt sich – auch wenn es nicht für einen „Oscar“ als bester Film gereicht hat.