Osnabrück  Mehr als eine diffuse Sehnsucht: Woher kommt das Wort Fernweh?

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 28.02.2025 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Bild gewordene Fernweh: Ein Paar erkundet die atemberaubende Landschaft der Dolomiten in Italien. Foto: IMAGO/Zoonar
Das Bild gewordene Fernweh: Ein Paar erkundet die atemberaubende Landschaft der Dolomiten in Italien. Foto: IMAGO/Zoonar
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Einfach mal raus, einfach mal ins Weite schweifen: Wer kennt nicht das Fernweh? Derzeit scheint es wieder im Trend zu sein. Aber was meint das Wort und wer hat es eigentlich geprägt?

Die einen wollen in die Sonne. Die anderen in eine Welt, wie es sie früher einmal gab, angeblich. Wieder andere träumen sich in Nostalgien fort. Viele wollen weg. Begegnen Ihnen gerade auch jene Menschen, die eines eint: das Fernweh? Mir begegnet dieser Wunsch gerade immer wieder. Es gibt Leute, die wünschen sich Süden. Andere denken sich ganz weg aus diesem Land.

Das Wort Fernweh klingt nach romantischer Weltflucht. Dieses Weh kann einen für Augenblicke anwehen oder vollkommen von einem Besitz ergreifen. Was ist das Mittel gegen diese Malaise? Der Aufbruch. Nur der hilft. Wer ihn nicht wagt, möchte das Fernweh vielleicht nur als wohliges Gefühl einer diffusen Sehnsucht genießen. Oder verliert sich in ihr.

Ich höre von Menschen, dass sie einfach in wärmere Gegenden möchten. Ihnen ist die Jahreszeit zu kalt und zu dunkel. Ich höre auch von Menschen, die ganz weg möchten aus diesem Land. Die reden über das Exil, im Ernst. So weit ist es schon in Deutschland.

Dabei klingt das alte Wort Fernweh so verheißungsvoll nach einer Sehnsucht nach dem Neuen, dem Anderen. Es ist das Gegenteil von Heimweh, das den Weg zurück ins Vertraute weist. Bisweilen können beide Wehe sogar in eine ähnliche Richtung zeigen, wenn das Fernweh die Heimkehr in eine Welt meint, die es einmal gab und die nun verloren scheint.

„Stiller Freund der vielen Fernen“: Mit dieser schönen Formulierung hat der Dichter Rainer Maria Rilke eines seiner zauberhaftesten Gedichte überschrieben. Rilkes Wort wirkt wie eine Kurzformel des Fernwehs. Ein Vers aus diesem Gedicht klingt wie ein weiser Rat an alle, die das Fernweh plagt: „Geh in der Verwandlung aus und ein“.

Klingt das nicht, als sei eine Sehnsucht, die sich so schwer benennen lässt, doch Sprache geworden? „Ich möchte dies ein umgekehrtes Heimweh nennen, eine Sehnsucht ins Weite statt ins Enge“: So schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seiner „Kampagne in Frankreich“ über das Fernweh. Das Wort kannte er noch nicht. Sprachforscher sagen, dass es erst durch den Fürsten Pückler-Muskau geprägt worden sein soll.

Es ist ein schönes Wort, das Wort vom Fernweh. Ich mag es auch. Wie heißt es so schön in Hermann Hesses Gedicht „Stufen“? „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

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