Antwerpen Schwangere Niederländerin wird Bürgermeisterin der größten Stadt Belgiens
Die gebürtige Niederländerin Els van Doesburg wird neue Bürgermeisterin der belgischen Hafenmetropole Antwerpen – obwohl sie bereits im sechsten Monat schwanger ist. Auch ihren Ehemann Peter De Roover kennt man in Belgien. Wer ist die 35-Jährige?
Els van Doesburg ist gebürtige Niederländerin, in Soest bei Utrecht geboren. Sie ist erst 35 Jahre alt und gerade schwanger – und jetzt die neue Bürgermeisterin der belgischen Hafenmetropole Antwerpen. Van Doesburg tritt damit die Nachfolge von Bart De Wever an, beide gehören der flämisch-nationalistischen N-VA an. Ihr Vorgänger und Parteikollege Bart De Wever wechselt nun nach Brüssel als Premierminister Belgiens, nachdem er zwölf Jahre lang Bürgermeister von Antwerpen war und die N-VA die Wahlen in Belgien 2024 gewonnen hat. „Damit seid Ihr mich los“, sagte De Wever zu den Stadträten von Antwerpen bei seinem Abschied aus seiner Heimatstadt. „Viel Erfolg unter der neuen Führung meiner Nachfolgerin.“
Van Doesburg lebt in Flandern, dem niederländischsprachigen Landesteil Belgiens, seit sie im Alter von elf Jahren mit ihren Eltern dorthin zog. Sie wuchs in Schilde bei Antwerpen auf und besuchte dort die Schule „Sint-Jan Berchmans College“ in Westmalle. Nach ihrem Abitur studierte sie Politikwissenschaften an der Universität von Antwerpen.
Els van Doesburg arbeitete dann für das Büro von UNICEF in Antwerpen und im Gesundheitssektor für das Antwerpener Krankenhausnetzwerk. Anschließend war sie bis 2021 als politische Referentin für die N-VA-Fraktion im Parlament tätig. Bei den Kommunalwahlen 2018 wurde van Doesburg als Gemeinderätin in Antwerpen gewählt. Im Stadtrat von Antwerpen saß sie in den Ausschüssen für Wohnungsbau, Stadt- und Nachbarschaftspflege, Grünflächen, Tierschutz sowie Gesundheit und Altenpflege.
Bei den belgischen Regionalwahlen 2024 wurde sie auf der Liste der N-VA für den Wahlkreis Antwerpen ins flämische Parlament gewählt. Am vergangenen Montag zog van Doesburg ins Rathaus von Antwerpen ein. In ihrem neuen Büro musste sie sich erst orientieren. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Lichtschalter gefunden habe“, erzählt sie im Gespräch mit der flämischen Zeitung „Nieuwsblad.“
In diesem Jahr wird sie auch erstmals Mutter. Doch das hielt sie nicht davon ab, sich als Bürgermeisterin für Antwerpen zu bewerben. Sie will sich „voll und ganz dem Bürgermeisteramt“ widmen, sagt van Doesburg. „Es fühlt sich an, als würde ich in diesem Jahr zweimal Mutter werden. Einmal von meinem Kind und dann auch noch als Bürgermutter Bürgermeisterin von Antwerpen. Es freut mich sehr, dass viele Leute es toll finden, dass eine werdende Mutter Bürgermeisterin von Antwerpen ist.“
Auf ihrer Wunschliste für das neue Büro im wunderschönen Antwerpener Rathaus steht auch eine Audioanlage mit Lautsprechern. „Es ist unglaublich still hier in meinem Büro. Deshalb hätte ich gerne etwas Musik und ich will Podcasts hören. In letzter Zeit höre ich gerne Schwangerschaftspodcasts.“ Außerdem hört sie gerne Soul- oder Jazz-Musik als Hintergrund bei der Arbeit. Derzeit ist sie in der 24. Schwangerschaftswoche, während ihres Mutterschaftsurlaubs im Sommer wird sie von Koen Kennis vertreten.
Kennis war Mitglied im Parteirat und im Parteivorstand der „Volksunie,“ deren Nachfolgepartei die N-VA ist. Von 2009 bis Ende 2012 war er zudem Stabschef des flämischen Vizepremierministers Geert Bourgeois. Im neu gebildeten Antwerpener Stadtrat wurde er Beigeordneter für Finanzen, Mobilität, Tourismus, innerkommunale Dezentralisierung und Kleinunternehmen gewählt. Die Niederländerin van Doesburg ist mit dem Flamen Peter De Roover (63) verheiratet, ein belgischer Politiker, Ökonom, Journalist und ehemaliger Rundfunkmoderator. Er ist ebenfalls Mitglied der flämisch-nationalistischen Partei NV-A. De Roover wurde 2014 für den Wahlkreis Antwerpen als Mitglied der belgischen Abgeordnetenkammer gewählt. Er ist Fraktionsvorsitzender der N-VA im belgischen Bundesparlament und seit Juli 2024 Parlamentspräsident.
Van Doesburg schreibt gerne, als Kolumnistin kommentiert sie bei der flämischen Zeitung „De Morgen“ soziale Themen. Den Kolumnisten-Job wird sie als neue Bürgermeisterin aber voraussichtlich aufgeben müssen – es sei denn, die Chefredaktion des „Morgen“ ernennt sie zur „Bürgermeister-Kolumnistin.“