Flensburg/Berlin  Endet in dieser Woche Robert Habecks politische Karriere?

Martin Schulte
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Von Martin Schulte
| 24.02.2025 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Mimik spricht für sich: Robert Habeck während der Berliner Runde nach der Bundestagswahl. Foto: Stefanie Loos/AFP POOL/dpa
Die Mimik spricht für sich: Robert Habeck während der Berliner Runde nach der Bundestagswahl. Foto: Stefanie Loos/AFP POOL/dpa
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Robert Habeck war der Kanzlerkandidat der Grünen – und holte ein enttäuschendes Ergebnis. Jetzt lässt er offen, ob er sein Bundestagsmandat wahrnimmt.

Das Gesicht sagt alles in diesem Moment. Robert Habeck ist genervt, von den Fragen nach seiner Kampagne, nach seiner politischen Zukunft, nach den Fehlern, die er gemacht hat. Es ist die Pressekonferenz am Tag nach dem Wahldebakel für die Grünen, in der sich Robert Habeck und Annalena Baerbock als der kleinste Verlierer unter den Ampel-Parteien präsentieren – und trotzdem bleibt unter dem Strich: Die Grünen haben diese Wahl verloren.

Sie haben zu wenig mobilisiert und Stimmen in alle politischen Richtungen verloren, sogar zur AfD. Und sie hatten einen Kanzlerkandidaten, der nur 11,6 Prozent geholt hat.

Dieser Kanzlerkandidat sitzt nur vorn auf dem Podium und hat gerade erklärt, dass er „keine führende Rolle“ bei der Neuaufstellung der Grünen übernehmen wird. „Dieses Wahlergebnis entspricht nicht meine Erwartungen”, sagt er. Dann wird  er mehrfach nach seiner politischen Zukunft gefragt: Werden Sie das Bundestagsmandat wahrnehmen, Herr Habeck?

„Die Antwort gebe ich, wenn wir die Gremien aufgestellt haben.” Haben die Wähler nicht eine Antwort verdient? „Klar!” Dabei neigt er den Kopf zur Seite, kneift die Augen leicht zusammen, nimmt sein Gegenüber in den Blick. Das ist nicht untypisch für ihn. Seine Mimik verrät sein Unwohlsein, aber die eigentliche Frage beantwortet er nicht. 

Es gibt Momente, in denen Robert Habecks Gesicht mehr erzählt als er selbst, diese sind bei dem Mann, der so gern und ausführlich über Politik spricht, allerdings eher selten. Gerade seit er in die Bundespolitik gewechselt ist, hat der Flensburger Habeck seine große Emotionalität zunehmend in den Griff bekommen. Als schleswig-holsteinischer Umweltminister hat er diese affektiven Momente eher zugelassen.

Er wird dann gar nicht laut, sondern wechselt eher in eine empörte Tonlage und Argumentation. So hat er sich meistens durchgesetzt, während einer Karriere, die fast immer nach oben ging. Bis zum Sonntag. An diesem Tag scheint sein Weg zunächst am Ende zu sein. Während Annalena Baerbock neben ihm Entschlossenheit ausdrückt, wirkt der wesentlich beliebtere Habeck resigniert. 

Man kann es sogar nachvollziehen. Er hat viel ausgehalten für seine politischen Ziele, seit aus dem Hype, denn er zu Beginn seiner Berliner Karriere ausgelöst hat, auch viel Häme erwachsen ist. 

Robert Habeck hat die Rolle des etwas anderen Politikers, die ihm ebenso viel Zuspruch wie Ablehnung eingebracht hat, nie einstudiert. Er ist davon überzeugt, dass der Konsens wichtiger ist als das Vorführen  des politischen Gegners, die Scheingefechte, die Symbolpolitik. Man kann mit ihm ausführlich darüber sprechen, was ihn am politischen Geschäft nervt.

Das substanzlose Reden etwa oder die gegenseitigen Schuldzuweisungen. In der „Zeit“ hat er sich wenige Tage vor der Wahl mit dem Satz zitieren lassen:  „Wenn Sie so wollen, ist mein politischer Ansatz, dass man die Dinge so gut es geht beim Namen nennt – inklusive eigener Lernschritte.”

Vor dem Hintergrund dieser Aussage war sein Auftritt während der gestrigen Pressekonferenz bemerkenswert. Weil man dem ehemaligen Hoffnungsträger dabei zusehen konnte, wie er sich während der rund 30 Minuten zunehmend in die Schmollecke zurückzog, seine eigenen politischen Prinzipien konterkarierte. 

Verantwortlich für das eigene Abschneiden waren demnach die Linken, die sich klar gegen Friedrich Merz positioniert hatten, was die Grünen und ihr Kandidat aber aus staatspolitischer Verantwortung nicht nicht gekonnt hätten. Und die eigene Kampagne, ganz auf Habeck zugeschnitten, sei auch großartig gewesen. „Das Angebot war top, die Nachfrage war nicht so dolle, wie wir uns das vorgestellt haben.” Eine ironische Einschätzung, die der Mann auf dem Podium zum Ende hin mit einem süffigen Lächeln wegnuschelt. In diesen Moment meint man die Kränkung zu erkennen. 

Ob Habecks Rückzug aus der grünen Führungsriege freiwillig war, wird sicherlich eines Tages bekannt werden. Im Moment kann darüber nur spekuliert werden, aber gut vorbereitet wirkte Habeck nicht – was nicht für unbedingte Freiwilligkeit spricht. 

Andererseits hat er sich immer als Gestalter und nie als Oppositionspolitiker gesehen. Insofern würde ein Verzicht auf das Bundestagsmandat nicht überraschen, auch wenn es sich ein wenig wie Verrat an seinen Werten und seinen Wählern anfühlen würde. 

Kämpferisch wirkt der Immernoch-Vizekanzler, als es um die Verschiebung des politischen Diskurses nach rechtsaußen geht und als er, ganz am Ende der Pressekonferenz, gefragt wird, ob er sich wegen der Klimapolitik der neuen Bundesregierung Sorgen mache. „Sorgen wäre noch höflich formuliert”, sagt Habeck und richtet sich dabei auf: „Die Große Koalition ist doch dafür bekannt, dass sie jedem Problem aus dem Weg geht.” War er da vielleicht doch zu hören, der kommende Oppositionspolitiker der Grünen im Bundestag?

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