Bundestagswahl 2025  Das sind die Netz-Reaktionen der Ostfriesen auf das Wahlergebnis

| | 24.02.2025 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Auf den Kanälen der Zeitungsgruppe Ostfriesland wurde das Ergebnis der Bundestagswahl diskutiert. Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa
Auf den Kanälen der Zeitungsgruppe Ostfriesland wurde das Ergebnis der Bundestagswahl diskutiert. Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa
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Nach der Wahl verlieren viele Facebook-User keine Zeit, ihre Meinung zum Ergebnis kundzutun. Auf den Kanälen dieser Zeitung wird rege diskutiert. Hier kommt eine Zusammenfassung der Reaktionen.

Ostfriesland - Unverständnis, Bestürzung und scharfe Kritik: Die Bundestagswahl 2025 ruft bei den Ostfriesen eine breite Palette an Reaktionen hervor. Die Kommentarspalten auf den Facebook-Kanälen der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Ostfriesischen Nachrichten zeichnen ein vielschichtiges Stimmungsbild.

Wie zu erwarten, äußern sich viele User besorgt über das Erstarken der AfD in der einstigen SPD-Hochburg Ostfriesland. Diese ist neben der CDU als klarer Sieger aus der diesjährigen Bundestagswahl hervorgegangen. „Die Stimmen für die AfD sind beängstigend“, heißt es. Eine andere Nutzerin ergänzt: „Wirklich schlimm, was in Deutschland gerade passiert.“

Denkzettel für die Regierungsparteien

Viele Facebook-User werten das Wahlergebnis als eine unvermeidliche Reaktion auf die aktuelle politische Lage. „Die Ampelregierung wurde vorzeitig beendet, weil das Volk sie nicht mehr wollte“, heißt es von einer Seite. Das Ergebnis der Wahl sage „alles über die Arbeit der Ampel aus“, schreibt ein anderer Nutzer. Einige hochrangige Ampel-Politiker haben nach der Wahl bereits Konsequenzen gezogen. Ex-Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will bei den Grünen keine Führungsposition mehr übernehmen, Ex-Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner zieht sich sogar ganz aus der aktiven Politik zurück.

So stimmte Ostfriesland bei der Bundestagswahl 2025

Die CDU konnte ihre Dominanz in der einstigen SPD-Hochburg Ostfriesland mit 27,5 Prozent weiter ausbauen. Die SPD wurde mit 25,3 Prozent immerhin zweitstärkste Kraft, gefolgt von der AfD, die in Ostfriesland deutlich zulegte und 20,7 Prozent erzielte.

Die Grünen holten 7,9 Prozent der ostfriesischen Stimmen und liegen dabei nur knapp über den Linken, die mit 7,1 Prozent deutlich stärker punkten konnten als bei der letzten Bundestagswahl. Das BSW erreichte 4 Prozent, während die FDP ein Ergebnis von 3,7 Prozent einfuhr.

Dass das Wahlergebnis vor allem einen Protest gegen die bisherige Regierung darstellt, ist ein häufig geäußerter Standpunkt. „Wird Zeit, dass mal so richtig aufgeräumt und der Vorgängerregierung ein unmissverständlicher Denkzettel verpasst wird“, schreib ein User. Ein anderer Nutzer ergänzt: „So ist es, wenn Politik am Wähler vorbei gemacht wird. Ich hoffe, sie haben daraus was gelernt.“

Viele sehen in der Ampel-Politik auch den Grund für das Erstarken der AfD. „Es ist kaum einer morgens aufgestanden und hat aus heiterem Himmel entschieden, die AfD zu wählen. Es sind die Entwicklungen der letzten Jahre, durch die diese Partei mehr Zulauf findet. Da muss sich gewaltig was ändern. Ansonsten wird sich dieser Trend weiter fortsetzen, bis vielleicht kein Koalitionspartner nötig ist“, findet ein User.

Glückwünsche für Saathoff

Im Wahlkreis Aurich-Emden erfuhr Johann Saathoff, der 2021 mit 52,8 Prozent der Erststimmen geglänzt hatte, mit 41,2 Prozent zwar einen klaren Dämpfer, dennoch lag der SPD-Politiker aus Pewsum deutlich vor dem Zweitplatzierten Dr. Joachim Kleen (CDU), der auf 22,1 Prozent kam. Saathoff zieht damit erneut in den Bundestag ein – mit einem der wohl besten SPD-Erststimmenergebnisse im ganzen Land.

Auch auf den Facebook-Kanälen dieser Zeitungsgruppe ist die Begeisterung für Saathoff groß. Viele User beglückwünschen den SPDler: „Meine Erleichterung ist groß, auch wenn ich persönlich kein SPD-Wähler bin“, heißt es von einer Leserin. Ein anderer Nutzer ergänzt: „Kann man sagen, was man will, aber er setzt sich parteiübergreifend für Ostfriesland ein.“

Zieht erneut in den Bundestag ein: der Pewsumer SPD-Politiker Johann Saathoff. Foto: Archiv
Zieht erneut in den Bundestag ein: der Pewsumer SPD-Politiker Johann Saathoff. Foto: Archiv

Einer der Kommentatoren ist besonders überschwänglich: „Herzlichen Glückwunsch, lieber Johann Saathoff. Die meisten Ostfriesen wissen halt, was sie an dir haben: Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Heimatliebe und der Blick für alle Ostfriesen vom Landwirt bis zur Alleinerziehenden. Du sorgst seit Jahren dafür, dass Ostfriesland in Berlin gehört und gesehen wird, ob auf Plattdeutsch oder Hochdeutsch.“ Darauf antwortet eine andere Nutzerin: „Besser hätte man es nicht formulieren können. Ich habe großen Respekt vor diesem unermüdlichen Einsatz, vor allem in dieser so schweren Zeit!“ Eine weitere Facebook-Userin schreibt sogar: „Johann Saathoff, für mich ein Kanzlerkandidat!“

Hohe Wahlbeteiligung als „positiver Nebeneffekt“

Der Andrang in den Wahllokalen war bei der Bundestagswahl groß. Bereits am Nachmittag zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Am Ende des Tages erreichte sie bundesweit einen Rekordwert von 84 Prozent. So viele Deutsche haben seit der Wiedervereinigung nicht mehr gewählt. Ostfriesland zog bei diesem Trend deutlich mit. Der Wahlkreis Unterems wies mit 83,5 Prozent die höchste Wahlbeteiligung auf, gefolgt von Aurich-Emden mit 82 Prozent und Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund mit 81,1 Prozent. „Erfreulich, dass so viele ihre Stimme genutzt haben beziehungsweise in den letzten paar Minuten vielleicht gerade noch nutzen“, schrieb eine Userin am frühen Sonntagabend.

„Wenn die derzeitige Situation dazu führt, dass sich wieder mehr Wahlberechtigte aufmachen und sich aktiv an der parlamentarischen Demokratie beteiligen, ist das einer der wenigen positiven Nebeneffekte“, findet auch ein anderer Facebook-Nutzer. Und eine weitere Userin erinnert an Folgendes: „Wir wissen oft gar nicht, wie gut wir es haben, dass wir so wählen dürfen, wie es hier ist: ohne Registrierung, direkte Stimme und gleichberechtigt. Und vor allem aus dieser Vielzahl von Parteien, von denen jeder ein anderes Ziel hat. Wir sind privilegiert, das müssen wir uns immer und immer wieder klarmachen.“

In einigen Norder Wahllokalen hatte man offenbar nicht mit der hohen Beteiligung gerechnet: Am Nachmittag wurden die Stimmzettel kurzzeitig knapp. Die Engpässe konnten aber zeitnah behoben werden, sodass jeder bis 18 Uhr seine Stimme abgeben konnte. „Wer kann denn ahnen, dass plötzlich so viele wählen wollen“, witzelt eine Facebook-Userin. Ein anderer Leser schlägt einen ernsteren Ton an: „Wenn ich 812 Wähler habe im Wahlbezirk, sollte ich auch mindestens 812 Stimmzettel haben. Fangen die jetzt schon an zu sparen? Dann sicherlich an der falschen Stelle.“

Sorge über Koalitionsbildung

Unsicherheit über die politische Zukunft, aber auch der klare Wunsch nach einer bürgernäheren Politik – das bringen die meisten Kommentare unter den Facebook-Seiten der Zeitungsgruppe Ostfriesland zum Ausdruck. Besorgnis äußern die meisten vor allem über die kommenden Koalitionsverhandlungen. Ein User in diesem Zusammenhang besonders skeptisch: „Vielleicht haben wir ja bald wieder Neuwahlen.“

Die Union steht als Wahlsiegerin vor gewaltigen Herausforderungen. Sie muss zunächst einmal die SPD überzeugen, ihr als Juniorpartnerin eine Mehrheit im Bundestag zu verschaffen – womöglich braucht sie dafür sogar eine weitere Partei. Denn eine Zusammenarbeit mit der in Teilen rechtsextremen AfD schließt die CDU/CSU kategorisch aus. Eine Facebook-Userin spricht in diesem Zusammenhang von einem „Skandal“: „Es ist nun mal das, was gewählt worden ist, also haben die zu kooperieren, ob die wollen ohne nicht. Dass die überhaupt die Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen dürfen, ist dreist.“

Eine andere Nutzerin ist der gleichen Meinung: „Eine wahre Demokratie wäre, wenn eine absolute Mehrheit die Bundesregierung anleitet. Wenn diese nicht gegeben ist, müsste die zweitstärkste Partei zur Koalition dazu genommen werden müssen – denn so haben die Bürger des Landes gewählt und entschieden.“ Die AfD setzt derweil darauf, dass auch die nächste Regierung scheitert. Und dass spätestens nach der Wahl im Jahr 2029 die Zeit reif ist für eine Regierungsbeteiligung.

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