Bundestagswahl 2025 AfD gewinnt in Westoverledingen 14 der 29 Wahlbezirke
Im Wahllokal „Feuerwehrhaus Großwolde“ kommt die AfD auf 38,26 Prozent. „Das Wahlergebnis ist mehr als enttäuschend“, so SPD-Fraktionschef Gerhard Wiechers. Eine Wahlanalyse für Westoverledingen.
Westoverledingen - Die AfD-Bundestagskandidatin Martina Uhr aus Nordhorn hat sich am Wahlsonntag im Wahlkreis 25-Unterems in der Gemeinde Westoverledingen bei den Erststimmen einen spannenden Dreikampf mit Gitta Connemann (CDU) und Anja Troff- Schaffarzyk (SPD) geliefert. Am Ende musste sich Uhr, die praktisch keinen persönlichen Wahlkampf in der Gemeinde geführt hat, knapp geschlagen geben. Die AfD-Politikerin erhielt 25,2 Prozent (3347 Stimmen), Troff-Schaffarzyk 27,8 Prozent (3691 Stimmen) und Connemann 30,2 Prozent (4017 Stimmen). Nachdem es am Sonntagabend noch so schien, dass nur Gitta Connemann (CDU), die den Wahlkreis und damit auch das Direktmandat gewonnen hatte, den Wahlkreis 25 in Berlin vertreten würde, steht jetzt fest, dass auch Troff-Schaffarzyk und Uhr in den Deutschen Bundestag gewählt worden sind.
Eine Wahlanalyse: Ein Blick auf das Gesamtergebnis in der Gemeinde Westoverledingen zeigt, dass sich die SPD bei den Zweitstimmen mit 25,9 Prozent (3455 Stimmen) sehr knapp gegen die AfD mit 25,3 Prozent (3374 Stimmen) durchsetzen konnte. Auf den 3. Platz kam die CDU mit 24,17 Prozent und 3224 Stimmen. Aber: Die SPD musste gegenüber dem Ergebnis der Bundestagswahl im Jahr 2021 kräftig Federn lassen. 2021 hatten die Sozialdemokraten noch 42,7 Prozent der Stimmen geholt. In mehreren Wahllokalen schnitt diesmal die AfD, die vom Verfassungschutz beobachtet wird, sehr gut ab. Im Wahlbezirk Feuerwehrhaus Großwolde beispielsweise lag die AfD mit 38,26 Prozent deutlich vor der CDU mit 26,09 Prozent und der SPD mit 18,26 Prozent. Auch im Wahlbezirk Kita Am Wäldchen Steenfelde setzte sich die AfD mit 34,47 Prozent gegen die SPD (24,23 Prozent) und CDU (18,09 Prozent) durch. Von den 29 Wahlbezirken in Westoverledingen konnte die AfD bei den Zweitstimmen 14 für sich entscheiden, neun gewann die SPD und vier die CDU. Im Wahllokal Ev.-ref. Gemeindehaus Driever erhielten CDU und AfD jeweils 19,35 Prozent der Stimmen, die SPD kam auf 17,74 Prozent.
Wiechers (SPD): „Die AfD ist keine Alternative“
„Das Wahlergebnis ist mehr als enttäuschend“, sagte Gerhard Wiechers, Vorsitzender der Gruppe SPD/MOIN/ERM im Rat der Gemeinde Westoverledingen, am Montag auf Anfrage. Das Ergebnis, so der Sozialdemokrat, sei aufgrund der Umfrageergebnisse der vergangenen Wochen erwartbar gewesen. „Die Grundstimmung bei den Wählern war schlecht, sie waren verunsichert und auch frustriert“, sagte Wiechers. Er persönlich hätte es sich gewünscht, dass die SPD frühzeitig vor der Wahl mit einem neuen Kanzlerkandidaten ins Rennen gegangen wäre. „Dann hätten die Wähler gemerkt, dass sich etwas tut, dass es in der SPD eine Veränderung gibt“, führte der Sozialdemokrat aus. „Wir, die demokratischen Parteien, müssen wieder mehr mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Wir müssen aufzeigen, dass die AfD keine Alternative für die Zukunft ist“, sagte Wiechers.
Dennis Hillmer, Vorsitzender der Gruppe CDU/ERM im Gemeinderat, freute sich über das gute Abschneiden der CDU und darüber, dass Gitta Connemann im Wahlkreis 25-Unterems das Direktmandat gewinnen konnte. Die CDU konnte das Ergebnis am Sonntag mit 24,2 Prozent gegenüber der Wahl im Jahr 2021 mit 19,5 Prozent sogar deutlich steigern. „Das ist ein gutes Ergebnis. Aber es ist schon dramatisch, wenn man sieht, wie sich die AfD gefestigt hat“, so der CDU-Fraktionschef. „Nach der Europawahl kann man eigentlich nicht mehr von einer Protestwahl sprechen. Aber nach dieser Wahl kann man auch nicht sagen, dass es hier einen Rechtsruck gibt. Die Menschen wollten einen Politikwechsel, sie sind unzufrieden, sie haben Ängste um ihre Arbeitsplätze. Das hat zum Aufleben der AfD geführt, und das ist jetzt ein Problem. Wir müssen mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Wir, die demokratischen Parteien, müssen bei den Bürgern wieder Vertrauen in unsere Politik schaffen. Wir müssen handeln und den Worten auch Taten folgen lassen“, betonte Hillmer. „Wer ist denn für unsere Bürger hier vor Ort tätig und engagiert sich für sie? Das sind unsere Bundespolitiker. Frau Uhr von der AfD habe ich nicht gesehen“, sagte der Christdemokrat.
Ergebnis steht für die momentane Stimmung
„Es war ein kurzer, aber wirklich intensiver Wahlkampf mit ausgesprochen weit auseinanderliegenden Positionen“, sagte Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes. Diese Bundestagswahl hat aber auch zusätzlich Wählerinnen und Wähler mobilisiert, so der Verwaltungschef. „Auch bei uns war die Wahlbeteiligung relativ hoch. Das Ergebnis steht sicherlich auch für die momentane Stimmung. Jeder vierte in Westoverledingen hat sich mit seiner Zweitstimme für die AfD entschieden. Für mich auch ein Ruf, dass man sich von der Politik der vergangenen Jahre nicht mehr mitgenommen fühlt. Und dieses Gefühl kann ich nicht nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuordnen. Eine große Aufgabe für eine neue Regierung, hier wieder deutlich mehr Vertrauen bei den Menschen zu bekommen“, so Douwes.