Bundestagswahl  Connemann gewinnt den Wahlkreis Unterems deutlich

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 23.02.2025 23:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Herzliche Glückwünsche gab es für die CDU-Kandidatin und langjährige Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann. Sie gewann erneut den Wahlkreis. Fotos: Ortgies
Herzliche Glückwünsche gab es für die CDU-Kandidatin und langjährige Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann. Sie gewann erneut den Wahlkreis. Fotos: Ortgies
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Die CDU holt sich im Wahlkreis Unterems bei der Bundestagswahl die meisten Stimmen. Überraschungen gibt es aber bei den anderen Ergebnissen. Wir fassen zusammen.

Leer - Als CDU-Direktkandidatin Gitta Connemann am Sonntag gegen 20 Uhr das Mariko in Leer betrat, gab es Applaus. Ihre Parteifreunde umarmten sie und gratulierten ihr herzlich zum Sieg im Wahlkreis Unterems. „Es lohnt sich, sich zu kümmern“, sagte sie zu ihrem persönlichen Ergebnis von 40,53 Prozent. Jede Stimme sei ein Vertrauensbeweis. Dass rund 80.000 Menschen für sie votiert haben, berühre sie sehr.

Melanie Nonte, Ulf Thiele und Hildegard Hinderks von der CDU verfolgten die Ergebnisse auch auf ihren Handys.
Melanie Nonte, Ulf Thiele und Hildegard Hinderks von der CDU verfolgten die Ergebnisse auch auf ihren Handys.

Sie appellierte mit Blick auf die Auseinandersetzungen im Wahlkampf: „Wir müssen wieder zu einem anderen Miteinander kommen.“ In vielen Kommunen war die CDU auch bei den Zweitstimmen stärkste Kraft.

Auf dem zweiten Platz kam erneut die SPD und ihre Direktkandidatin Anja Troff-Schaffarzyk. Sie sprach von einem „nicht so tollen Ergebnis“ für ihre Partei. Das gute Abschneiden der AfD dürfe zudem niemanden zufriedenstellen. Die SPD siegte bei den Zweitstimmen in Jemgum, Leer, Moormerland, Weener, Westoverledingen und Bunde.

„Begeistert“, „enttäuscht“, „noch akzeptabel“, „kaum zu beschreiben“ – das sind die Reaktionen

Knapp hinter den Sozialdemokraten landete im Wahlkreis Unterems die AfD. „Begeistert“ zeigte sich Direktkandidatin Martina Uhr im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie sei glücklich mit dem Ergebnis der Partei – aber auch mit ihrem eigenen. „Jetzt ist der Wahlkampf zu Ende, das heißt, jetzt beginnt die Verpflichtung und Verantwortung.“ Im Kreis Leer lag die AfD in Uplengen, Hesel und Jümme bei den Zweitstimmen vor der SPD. In Ostrhauderfehn holte sie sogar die meisten Stimmen.

Anja Troff-Schaffarzyk (SPD, links) und Julian Pahlke (Grüne) sprachen über das Ergebnis der Bundestagswahl.
Anja Troff-Schaffarzyk (SPD, links) und Julian Pahlke (Grüne) sprachen über das Ergebnis der Bundestagswahl.
Julian Pahlke, Direktkandidat der Grünen, fand das Ergebnis seiner Partei noch akzeptabel. Als eine der Ampel-Fraktionen sei die Ausgangslage für die Wahl nicht die beste gewesen. „Gemessen daran, können wir zufrieden sein“, betonte Pahlke. Welche Koalition in Berlin regieren werde, wollte er noch nicht abschätzen.

Gut, dass es jetzt vorbei ist

Ein Kommentar von Jonas Bothe

Der Wahlkampf war kurz, aber sehr intensiv. Das merkte man auch den Kandidatinnen und Kandidaten bei der Wahlveranstaltung im Mariko in Leer an. Dabei ging es nicht nur um die unzähligen Termine. Das Klima in der Gesellschaft hat sich verändert. Der Ton ist deutlich rauer geworden. Gitta Connemann, die erneut mit großem Abstand den Wahlkreis gewonnen hat, hat Recht mit ihrem Appell, wieder zu einem Miteinander zurückzufinden.

Verbale Abrüstung ist angesagt. Man sollte sich dabei nicht von extremistischen Scharfmachern – egal, ob aus dem In- oder aus dem Ausland – treiben lassen. Man darf vor allem nicht auf deren Strategie reinfallen, das Sag- und Machbare immer weiter zu verschieben.

Für den Wahlkreis Unterems kann sich voraussichtlich nur Gitta Connemann für ein gemeinsames Miteinander einsetzen. Der Luxus, drei Bundestagsabgeordnete aus der Region zu haben, ist wohl leider vorbei.

Den Autor erreichen Sie unter j.bothe@zgo.de

„Mein persönliches Ergebnis enttäuscht mich natürlich“, sagte FDP-Direktkandidat Ferhat Asi. „Wir haben alles gegeben und einen super Wahlkampf gemacht.“ Auch das gesamte Ergebnis seiner Partei könne einen nicht zufriedenstellen, sagte er gegen 19.30 Uhr. Selbst wenn die Liberalen noch den Einzug in den Bundestag schaffen würden.

Glücklich war hingegen der Linken-Kandidat. „Ich habe mein persönliches Ziel von fünf Prozent erreicht, wie es aussieht“, sagte Michel Rolandi. Das Ergebnis seiner Partei wurde gefeiert. „Wenn man bedenkt, dass es vor zwei Monaten noch darum ging, ob wir reinkommen, ist das Ergebnis der Wahnsinn.“ Es sei ein schöner Abend gewesen, „man kann kaum beschreiben, was wir gefühlt haben.“ Der Kandidat der Freien Wähler, Andreas Wilshusen, erreichte nur 1,64 Prozent der Stimmen.

Wer schafft es in den Bundestag? – Spontan-Demo in Leer

Ob Anja Troff-Schaffarzyk, Julian Pahlke und Martina Uhr über ihre jeweilige Landesliste noch in den Bundestag einziehen werden, stand am späten Sonntagabend noch nicht fest – war aber bei allen drei unwahrscheinlich.

Zu einer spontanen Demonstration versammelten sich am Sonntag gegen 19 Uhr etwa 40 Protestierende vor dem Zollhaus in Leer. Die Gruppe aus dem linken Spektrum stellte sich teils vermummt gegen den „Rechtsruck in der Gesellschaft“, wie ein Teilnehmer sagte. Andere brachten ihr Misstrauen gegenüber dem CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz zum Ausdruck. Kritisiert wurde zudem die Abschiebepolitik im Landkreis Leer.

Etwas weniger Briefwähler als bei der Bundestagswahl 2021 gab es im Wahlkreis Unterems. Wie Kreiswahlleiterin Anja Fresemann sagte, hätten 45.600 Personen auf diesem Weg ihre Stimmen abgegeben. Ausgezählt wurden sie in den Berufsbildenden Schulen in Leer. Rund 300 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer – fast ausschließlich Mitarbeitende des Landkreises Leer – waren in rund 50 Klassenzimmern damit beschäftigt. Der Mehrzweckraum diente als Zentrale.

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