Chefärztin für Kinder in Papenburg Warum Frencije Selmanaj die Stelle im Marien-Hospital erst nicht wollte
Frencije Selmanaj ist neue Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin am Marien-Hospital. Dabei wollte sie den Posten erst gar nicht. Wir haben sie gefragt, warum und wieso sie die Stelle trotzdem antritt.
Papenburg - Groß war das Bedauern am Marien-Hospital in Papenburg, als Torsten Kautzky 2023 als Chefarzt der Kinderklinik „aus persönlichen Gründen“ überraschend ging – auch bei Familien, die mit ihren Kindern dort in Behandlung waren. Kautzky galt als „das große Los“ für das Krankenhaus. So hatte es Geschäftsführerin Veronika von Manowski bei seiner offiziellen Amtseinführung im Februar 2020 hervorgehoben. Nach Kautzkys Demission dauerte es aber nicht lange, bis in der Abteilung wieder Ruhe einkehrte.
Frencije Selmanaj trat zunächst kommissarisch Nachfolge von Torsten Kautzky an
Denn seine Stellvertreterin, die leitende Ober- und Fachärztin Frencije Selmanaj, die bereits seit 2020 im Marien-Hospital tätig ist, übernahm die kommissarische Führung. Und nun ist die 53-Jährige auch offiziell Chefärztin. Dafür hat es allerdings einen längeren Anlauf gebraucht.
Selmanaj verhehlt das auch nicht. „Ich wollte nie Chefärztin werden“, sagt die Medizinerin, die Ende 2005 zusammen mit ihrem Mann aus dem Kosovo nach Deutschland kam. Ihr sei es immer wichtiger gewesen, gute medizinische Arbeit zu leisten. Das Organisatorische, gepaart mit der entsprechenden Verantwortung, habe sie weniger als Ziel gehabt.
Eine Entscheidung für Vertrauen und Verantwortung
„Im Interesse aller“ habe sie sich dann aber schließlich doch entschieden, den Posten zu übernehmen. Denn es sei wichtig für das Vertrauen in eine Abteilung nach innen und nach außen, dass eine Chefarztposition besetzt ist.
Wie Selmanaj weiter erklärt, sei Pädiatrie (Kinderheilkunde) gerade in kleineren Kliniken eine besondere Herausforderung. Man müsse oft allein entscheiden – natürlich immer zum Wohl des Patienten. „Das bedeutet viel Verantwortung.“ Der werde sie sich nunmehr zusammen mit ihrem Team voller Überzeugung stellen.
Neue Chefärztin sieht Kind und Eltern „immer als Team“
Einen Grundsatz ihrer Herangehensweise beschreibt Selmanaj so: „Ich sehe Kind und Eltern immer als Team.“ Überdies wolle sie Qualität in der Patientenversorgung sowie die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern verstärken. Eine enge Verzahnung solle es zudem auch mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum im Marien-Hospital in Papenburg sowie mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aschendorf geben. Hinzu komme ein besonderes Augenmerk auf Fort- und Weiterbildung auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Im Bereich Kinder- und Jugendmedizin sind außer Selmanaj zwei Ober- und sieben Assistenzärzte tätig. Sie dankt ihrem gesamten Team dafür, gemeinsam eine Abteilung geschaffen zu haben, „auf die wir alle stolz sein können“. Zudem habe ihr die Familie immer unterstützend zur Seite gestanden.
Wurzeln im Kosovo bleiben wichtiger Teil ihrer Identität
Selmanajs Ehemann Gjevalin ist ebenfalls Arzt. Der 58-Jährige arbeitet als Allgemeinmediziner im Medizinischen Versorgungszentrum in Weener. Die beiden haben sich während ihres Studiums kennengelernt. „Wir sind seit 34 Jahren zusammen“, sagt Frencije Selmanaj. Das Paar hat zwei Töchter: Mimoza (23) und Edona (14). Die Familie lebt in Leer.
Ihre Wurzeln und Herkunft bleiben aber ein wichtiger Teil der Identität von Frencije Selmanaj. Geboren ist sie in Brekoc, einem Dorf im Westen des Kosovo. Ihr Studium absolvierte sie an der Universität in der Hauptstadt Pristina.
Geschäftsführerin über Selmanaj: Herzlich, unaufgeregt, bodenständig
Nach mehreren Stationen in ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland kam Selmanaj über das Neurologische Rehabilitationszentrum Friedehorst (Bremen), wo sie ab März 2017 tätig war, ans Marien-Hospital und wurde Kautzkys Stellvertreterin.
Die Krankenhaus-Geschäftsführerin von Manowski sieht mit Selmanaj die richtige Frau am richtigen Platz. Sie habe alle Kniffe und Tricks der praktischen Pädiatrie erlernt. Neben fachlicher Expertise inklusive „auffällig hervorragender Kommunikation in die Schnittstellen“ zeichne Selmanaj Herzlichkeit und Bodenständigkeit aus.
Ärztlicher Direktor Dr. Ludger Kämmerling ist „heilfroh“
Beeindruckt habe sie ein Satz, den die Ärztin selbst einmal zu ihr gesagt habe: „Bei Problemen auf den vor sich liegenden Weg konzentrieren und nicht über jede Mauer schauen.“ Überdies verstehe sie es, empathisch und verständnisvoll auf die Bedürfnisse von Kindern und Eltern einzugehen, sagt von Manowski.
Umso mehr freue sie sich, dass Selmanaj nach mehr als einjähriger „wunderbar unaufgeregter“ kommissarischer Leitung „endlich“ den Vertrag für die Chefposition unterschrieben habe. „Das war Schwerstarbeit“, so von Manowski.
Der Ärztliche Direktor Dr. Ludger Kämmerling findet es „total klasse“. Eine Medizinerin „mit Herz und Bauchgefühl“ wie Selmanaj sei „genau das, was wir brauchen. Kein Killefit, keine Sperenzchen.“ Alle seien „heilfroh“, dass sie den Posten nun fest übernehme, so Kämmerling.