Hamburg  Sexualisierte Gewalt im Reitsport: Hört auf, dieses Hobby zu romantisieren!

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 16.02.2025 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Vor allem Mädchen lieben das Reiten. Eltern sollten bei der Auswahl des Reitstalls aufmerksam sein. Foto: IMAGO images/Funke Foto Services/ VolkerxSpeckenwirth
Vor allem Mädchen lieben das Reiten. Eltern sollten bei der Auswahl des Reitstalls aufmerksam sein. Foto: IMAGO images/Funke Foto Services/ VolkerxSpeckenwirth
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Kinder und Jugendliche lieben das Reiten. Doch auch diese Sportart hat ihre Schattenseiten. Immer wieder kommt es zu sexualisierter Gewalt. Wer hier verklärt, handelt verantwortungslos.

Wer sein Kind zum Reiten schickt, der möchte, dass es dort glücklich ist. Vor allem Mädchen sind häufig vernarrt in Pferde, gehen in der Pflege des Tieres auf und knüpfen in der Stallgemeinschaft Freundschaften. Der Hof wird zur zweiten Heimat.

Doch genau in dieser vermeintlich heilen Welt kommt es immer wieder zu sexualisierter Gewalt. Recherchen unserer Redaktion haben gezeigt, dass Täter die emotionale Bindung zum Pferd immer wieder systematisch auf perfide Weise ausnutzen, um insbesondere Kinder und Jugendliche zu missbrauchen.

Es ist wichtig, den Reitsport nicht zu romantisieren. Die Risikofaktoren liegen klar auf der Hand: Wer dieses Hobby ausüben will, ist häufig auf die Unterstützung meist männlicher Trainer und Stallbesitzer angewiesen. Es herrschen starke Machtgefälle und Abhängigkeiten, die fatale Folgen haben können.

Dafür braucht es mehr Bewusstsein. Es müssen Strukturen geschaffen werden, um Missbrauch effektiv zu bekämpfen. Jeder noch so kleine Reitverein muss ein Schutzkonzept und klare Regeln dafür haben, was im Stall nicht passieren darf. Dass man zum Beispiel jegliche Form von sexistischen Kommentaren und Witzen nicht duldet.

Passiert doch etwas, dann muss es eine konsequente Strafverfolgung und Konsequenzen geben. Es ist auch die Aufgabe von Eltern, nach all diesen Vorkehrungen zu fragen, bevor sie ihr Kind in einem Verein anmelden.

Kinder müssen außerdem lernen, klar ihre Grenzen zu kommunizieren und nein zu sagen. Sie müssen wissen, dass es nicht jeder Mensch gut mit ihnen meint, auch nicht im heißgeliebten Sportverein. Sie müssen beigebracht bekommen, einander zu glauben und zu helfen, sobald sich ihnen jemand anvertraut. An offizielle Stellen wenden sich im Ernstfall die wenigsten.

Und ein ganz besonderes Augenmerk muss neben dem Reitverein- und Verbandswesen auf den völlig unregulierten Hobbybereich gelegt werden. Wer ein Pferd besitzt, kann sich dadurch leicht Zugang zu Kindern und Jugendlichen verschaffen. Reitlehrer ist keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder kann sich so nennen. Aber will ich mein Kind einer Person anvertrauen, über die ich rein gar nichts weiß?

Diese Frage müssen sich Eltern ernsthaft stellen. Denn sind die zu naiv und verklären, kann Missbrauch gedeihen.

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