Studenten-Projekt Kostbare Tonaufnahmen im Museum entdeckt
Im Fehn- und Schifffahrtsmuseum in Westrhauderfehn wurden alte Tonaufnahmen gefunden. Studenten der Universität Oldenburg helfen nun bei der Aufbereitung. Bis zur Veröffentlichung wird es aber dauern.
Westrhauderfehn - Geschichte zu bewahren ist eine der vielen Aufgaben von Museen. Meistens erfolgt das durch die Ausstellung von Exponaten, aber auch alte Film- und Tonaufnahmen dienen sehr gut dem Verständnis von Zeitgeschichte. Das Fehn- und Schifffahrtsmuseum in Westrhauderfehn ist jetzt auf alte Tonaufnahmen gestoßen und plant die Veröffentlichung, teilt Heinrich Heselmeyer vom Heimatverein Overledingerland in einer Pressemitteilung mit.
Projekt erfordert großen zeitlichen Aufwand
Der Verein ist Träger des Museums und hat in den 1980er Jahren mehrere Personen interviewt und aus ihrer Kindheit im Overledingerland erzählen lassen. Die damals schon recht betagten Menschen berichteten, teilweise noch aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, vom Torfgraben, der Arbeit an Bord von Binnenschiffen und dem Leben auf dem Fehn oder in der Landwirtschaft. Die Interviews wurden auf Plattdeutsch geführt. In den folgenden Jahrzehnten gerieten diese Tonaufnahmen in Vergessenheit und landeten im Archiv des Museums.
Bei Aufräumarbeiten wurden sie jetzt sehr zur Freude des Museumsleiters Marcus Neumann wiedergefunden, sagt Heselmeyer. Es handelt sich um rund 60 Stunden Aufnahmematerial. Marcus Neumann veranlasste zur dauerhaften Archivierung als erstes die Digitalisierung. Jetzt soll als nächstes eine Verschriftlichung erfolgen. Tests ergaben allerdings einen ungeheuren zeitlichen Aufwand, so Heselmeyer.
Studierende der Universität Oldenburg unterstützt die Arbeit
Das Gesprochene ist teilweise undeutlich und von vielen Zwischenbemerkungen anderer Anwesender bei der Aufnahme unterbrochen. Im ersten Schritt soll der gesprochene Originaltext aufgeschrieben, dann ins Deutsche übersetzt und schließlich auf die wesentlichen Aussagen komprimiert werden. An einer geplanten Hörstation im Museum können sich die Besucherinnen und Besucher nach Fertigstellung die Texte anhören und gleichzeitig die dazugehörige Zusammenfassung auf Deutsch lesen. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, sagt Heselmeyer.
Mit dem eigenen Personal des Museums und auch mit den ehrenamtlichen Helfern des Heimatvereins ist die Umsetzung des Projektes nicht zu bewerkstelligen. Deshalb haben sich Museumsleiter Marcus Neumann und Vereinsvorstandsmitglied Hinrich Heselmeyer unter Vermittlung des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft an die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gewandt. Die Leiter des dortigen Instituts für Germanistik – Fachbereich Niederdeutsch/Saterfriesisch sagten sofort ihre Unterstützung zu, da die Arbeit sehr gut ins Lehrangebot passt und praktisch ergänzt, bestätigt Heselmeyer.
Nach dem Kennenlernen folgte eine Tasse Tee
Die Teilnehmer des Studiengangs wollen sich die Tonaufnahmen vornehmen und die Texte schreiben. Der in Langholt aufgewachsene Studienleiter Frank Fokken, Fachkraft für besondere Aufgaben an der Universität, sieht darin eine hervorragende Möglichkeit sich mit Plattdeutsch des letzten Jahrhunderts zu beschäftigen und auch vieles über die frühere Lebens- und Arbeitsweise zu lernen.
Zur Besprechung und zum Kennenlernen war Frank Fokken nun mit seinen Studierenden im Fehn- und Schifffahrtsmuseum. Museumsleiter Marcus Neumann führte die interessierte Gruppe durch die Dauerausstellung des Museums und Heimatforscher Hinrich Heselmeyer hielt einen Vortrag über das Leben in alten Zeiten im Overledingerland. Angeregt wurde anschließend mit den jungen Leuten bei einer Tasse Tee über die Zukunft der plattdeutschen Sprache diskutiert.
Die Studierenden, angehende Lehrerkräfte, sind gespannt auf ihre neue Aufgabe und werden mit Freude ans Werk gehen. Museumsleiter Marcus Neumann freut sich durch das Projekt auf eine große Bereicherung des Museums, teilt Hanselmeyer vom Heimatverein mit.