Flensburg Seelenpartner verloren: Nach nur zwei Jahren musste sich Heidrun von Micha verabschieden
Nach einer gescheiterten Ehe wagt Heidrun Schäfer einen neuen Versuch – auf Tinder trifft sie ihren Mr. Perfect. Doch zwei Jahre voller Glück enden abrupt mit einer Diagnose ihres neuen Partners Micha: Krebs im Endstadium. Ihre bittersüße Liebesgeschichte im Protokoll.
Meine 20-jährige Ehe scheiterte im Jahr 2020. Sie war lieblos, unehrlich und endete in einem schmutzigen, jahrelang andauernden Scheidungsverfahren. So etwas wollte ich nie wieder erleben. Deshalb brauchte ich einige Zeit, um mir klar zu werden, wie ich mir meine Zukunft vorstellen könnte.
Ich traf eine Entscheidung: Wenn ich noch einmal eine Partnerschaft eingehen sollte, dann müsste der Mann perfekt sein, denn zu Zugeständnissen, Kompromissen oder halbherzigen Gefühlen war ich nicht mehr bereit.
Aus Neugier und weil es damals trendy war, habe ich mich Anfang 2022 auf Tinder angemeldet, um mal zu gucken, wie die Partnersuche heutzutage so läuft. Schließlich kam ich aus einer 25-jährigen Beziehung und hatte vom Daten so gar keine Ahnung mehr. Nach diversen Fehlversuchen stieß ich auf sein Profil – Micha aus Tönning. Wir schrieben ein bisschen hin und her und entschieden dann, uns im August persönlich zu treffen.
Dieses Treffen war magisch. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es fühlte sich an, als würden wir uns schon ewig kennen, so vertraut, so unkompliziert, so tief. Nach zwei weiteren Treffen und einem Liebesbrief von ihm waren wir ein Paar – und was für eins.
Obwohl wir komplett unterschiedlich waren, waren wir unfassbar vertraut miteinander und haben eine grandiose Leichtigkeit entwickelt, miteinander umzugehen. Er hatte alles, was ich mir je von einem Mann erträumt habe.
Er war liebevoll, ehrlich, zugewandt, empathisch, aufmerksam, zärtlich, großzügig, verantwortungsbereit, optimistisch, verständnisvoll, klug, zuverlässig, respektvoll – kurz, er war mein Mr. Perfect, mein Herzensmensch, mein Seelenpartner, mein Geliebter, mein bester Freund. Wir waren auf der Welt, um uns zu finden und glücklich zu machen.
Uns trennten zwar 60 Kilometer (Tönning – Flensburg) – unsere Beziehung funktionierte allerdings hervorragend und wir waren uns sehr, sehr nahe, auch ohne uns täglich zu sehen. Ich könnte jetzt noch seitenlang weiterschreiben über unsere Liebe, unsere gemeinsame Zeit, unsere Wochenenden, unsere Urlaube, über die Intensität unserer Beziehung, über unsere Hoffnungen und Wünsche, über die Pläne, die wir hatten – aber das würde den Rahmen sprengen.
Leider blieben meinem geliebten Micha und mir nur zwei Jahre zusammen – allerdings die schönsten Jahre meines Lebens. Im Februar 2024 hat er die Diagnose metastasierter Speiseröhrenkrebs erhalten. Unheilbar. Dennoch war er ein gnadenloser Optimist.
Wir haben uns unseren großen Wunsch, in Flensburg zusammenzuziehen, noch Mitte August erfüllt, ehe er am 24. August 2024 verstorben ist. Eines Morgens rief ich den Krankenwagen, weil es ihm so schlecht ging. Er wurde auf einer Trage mit einem Lächeln aus unserem Haus getragen. Wir winkten uns zu. Das war unsere letzte Begegnung.
Meine Trauer ist unendlich groß, aber ich hoffe und arbeite hart daran, dass irgendwann das Gefühl der Dankbarkeit, so eine Liebe erlebt haben zu dürfen, den abgrundtiefen Schmerz und die schier unermessliche Verzweiflung in den Hintergrund treten lässt.