Hamburg  Herzrasen, Krebsgefahr: Welche Mythen über Kaffee stimmen – und welche nicht

Moritz Büscher
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Von Moritz Büscher
| 15.02.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kaffee trinken: Wenn es um Nutzen und Schaden geht, scheiden sich die Geister. Foto: Imago/Shotshop
Kaffee trinken: Wenn es um Nutzen und Schaden geht, scheiden sich die Geister. Foto: Imago/Shotshop
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Für viele Menschen gehört eine Tasse Kaffee zum Morgen einfach dazu. Doch wann ist der Konsum am besten und wie gut oder schlecht ist das Koffein für die Gesundheit und den Schlaf? Mehrere Studien aus den USA und Deutschland geben Antworten auf diese und weitere Fragen zum Heißgetränk.

Kaffee gehört für viele Menschen zur täglichen Routine: Manche brauchen eine, andere zwei oder sogar drei Tassen am Tag. Doch wie viel Kaffee ist gesund, wann ist die Wirkung am besten und was macht das Koffein mit unserem Körper? Mehrere Forscher aus den USA und Deutschland haben in Studien das Heißgetränk etwas genauer unter die Lupe genommen.

Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, zumindest mehr als am Abend: Zu diesem Ergebnis sind Forscher mehrerer US-amerikanischer Universitäten wie der Harvard Medical School in einer Studie gekommen. Dazu untersuchten sie die Auswirkungen des Kaffeekonsums von mehr als 40.000 Menschen zwischen 1999 und 2018. 31 Prozent der Teilnehmer, die morgens Kaffee tranken, zeigten ein niedrigeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Zudem zeigten 16 Prozent ein geringeres Gesamtsterblichkeitsrisiko.

Ein Effekt, der bei denjenigen, die den ganzen Tag über Kaffee trinken, nicht festgestellt werden konnte: „Unsere Daten weisen darauf hin, dass Kaffeekonsum nur am Morgen die vorteilhaften Auswirkungen stärken kann, während spätes Kaffeetrinken diese Vorteile eventuell minimiert“, sagte Studienautor Li Qi im Interview gegenüber „Medical News Today“.

Immer noch ist die Befürchtung weit verbreitet, Kaffee könne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Herzkranken wird daher oftmals geraten, auf Kaffee zu verzichten, um diesen in Schach zu halten: Das sei jedoch ein Irrtum, wie ein Bericht der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung e. V. und des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK) zeigt.

Die im Kaffee enthaltene Chlorogensäure habe demnach eine ausgleichende Wirkung auf das Koffein. Bei anderen koffeinhaltigen Getränken könne es aber zu einem Blutdruckanstieg kommen. Einen positiven Effekt auf das Herz habe Filterkaffee: Demnach könne das Risiko zu sterben, um 15 Prozent gesenkt werden. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass der Konsum von Filterkaffee Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen und die Lebensdauer verlängern könne.

Hier ist das im Kaffee enthaltene Cafestol das entscheidende Stichwort: Die Substanz könne die Cholesterinwerte im Blut erhöhen. Jedoch gebe es Unterschiede bei gefiltertem und ungefiltertem Kaffee, wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung erklärt. Durch den Prozess des Filterns werde die Konzentration des Cafestols deutlich gesenkt und habe somit keinen maßgeblichen Einfluss auf den Cholesterinspiegel.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung sei der Cholesterinwert bei Menschen, die mindestens sechs Tassen ungefilterten Kaffee tranken, um knapp 18 Milligramm pro Deziliter höher war als bei den Filterkaffee-Trinkern.

Der Müdigkeit entgegenwirken und die Aufmerksamkeit erhöhen: Diesen Effekt könne Koffein zumindest kurzfristig erreichen, da es Adenosin-Rezeptoren bindet. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung weist darauf hin, dass der morgendliche Koffeinkonsum den Leistungsabfall nach einem längeren Schlafdefizit nicht ausgleichen könne. Ob er abends negative Auswirkungen auf den Schlaf hat, sei umstritten.

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum spreche die aktuelle Datenlage dafür, dass Kaffee keinen Krebs verursacht. Bei manchen Krebsarten wie dem Leber- oder Gebärmutterkrebs könne sogar ein schützender Effekt nachgewiesen werden. Dabei sei jedoch die tägliche Kaffeemenge entscheidend: bei Leberkrebs sind das beispielsweise mindestens drei Tassen Kaffee pro Tag. Es seien aber noch weitere Studien notwendig, um zu erforschen, ob Kaffee generell das Krebsrisiko senken kann.

Das richtige Maß ist entscheidend: Aus dem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung e. V. und des BNK geht hervor, dass vier Tassen Kaffee am Tag für gesunde Erwachsene als unbedenklich gelten. Schwangere sollten nicht mehr als 200 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nehmen.

Ab 1,2 Gramm Koffein können Nebenwirkungen wie Angstzustände, Erregung und Ruhelosigkeit entstehen. Zur Einordnung: Eine Tasse Espresso enthält 0,063 Gramm Koffein. Um 1,2 Gramm Koffein zu sich zu nehmen, müsste man 19 Espresso in kurzer Zeit trinken. Ab einer Dosis von zehn bis 14 Gramm Koffein kann der Konsum tödlich werden: Das wären umgerechnet 75 bis 100 Tassen Kaffee in kürzester Zeit.

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