Hamburg  Magisches Gemüse: Mit dieser Methode essen Kinder mehr gesunde Snacks

Moritz Büscher
|
Von Moritz Büscher
| 11.02.2025 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eltern versuchen oft, ihre Kinder auf den Geschmack gesunder Snacks zu bringen. Foto: IMAGO/peopleimages.com
Eltern versuchen oft, ihre Kinder auf den Geschmack gesunder Snacks zu bringen. Foto: IMAGO/peopleimages.com
Artikel teilen:

Wenn Gemüse und Obst auf den Tisch kommen, verdrehen viele Kinder oft die Augen. Eine neue Studie hat mit einem Experiment das Gegenteil bewiesen: Mit dieser Methode können Eltern ihre Kinder für gesunde Snacks begeistern.

Broccoli statt Bonbons, lieber Spinat als Schokolade oder Tomaten anstelle von Toffifees: Viele Kinder müssen bei diesen Entweder-oder-Entscheidungen nicht lange überlegen, wird der Griff doch wohl eher zu den Süßigkeiten als zum Gemüse gehen.

Eltern versuchen oft, ihre Kinder auf den Geschmack gesunder Snacks zu bringen – aus gutem Grund. Denn Gemüse und Obst sind gerade im Kindesalter von großer Bedeutung, um den Bedarf an täglichen Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. Eine Studie der Humboldt-Universität in Berlin (HU) gibt nun Aufschluss darüber, wie Eltern mit einer kleinen Geschichte keine Überzeugungsarbeit mehr am Essenstisch leisten müssen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Münster und der University of Nairobi untersuchten die Forscher, wie das Essverhalten von Kindergartenkindern in Richtung gesunder Nahrungsmittel beeinflusst werden kann. Dafür nahmen jeweils um die 80 Vorschulkinder in kenianischen Kindergärten im Alter von vier bis sechs Jahren an zwei Experimenten teil.

Sie wurden in der ersten Woche in zwei Gruppen eingeteilt, die jeweils zwischen gesunden und ungesunden Snacks wählen konnten. Dabei erhielt die eine Hälfte Obst, die andere Gemüse. In der zweiten Woche des Experiments wurden die Kinder der zwei Gruppen nochmal in Untergruppen gegliedert.

Allen Kindern wurde dann die gleiche Geschichte erzählt – jedoch mit zwei Varianten: Eine für ihre leuchtenden Farben berühmte Stadt verlor über Nacht ihre gesamte Farbigkeit. Gerettet wurde die farbenfrohe Stadt durch Kinder, die dem Maler, der für die Auffrischung der Farben in der Stadt verantwortlich war, halfen. Wie die Kinder dem Maler unter die Arme griffen, war jedoch unterschiedlich.

In den folgenden Wochen erkannten die Forscher bei einem Teil der Kinder eine Veränderung im Essverhalten: Vor der Geschichte wählten alle Kinder das ungesunde Angebot aus. Danach griff die Hälfte der Kinder, die die Geschichte mit dem magischen Gemüse erzählt bekommen haben, zu den gesunden Snacks – dieses Essverhalten konnte nach Angaben der Studie zwei Wochen nachgewiesen werden.

„Mit einer einzigen Erzählsequenz von nur etwa 20 Minuten erreichten wir eine überraschend starke Veränderung von einer Vorliebe für ungesunde Snacks hin zu einer Vorliebe für gesunde Früchte oder Gemüse. Wir halten das für eine vielversprechende Perspektive, die Essgewohnheiten von Kindern zu verbessern“, sagt Studienleiter Werner Sommer von der HU.

Die Forscher gehen davon aus, dass Kinder in ihrer Einstellung zu gesunden Nahrungsmitteln dauerhaft wirksam beeinflusst werden können, wenn das Vorlesen von Geschichten mit anderen geeigneten Maßnahmen kombiniert wird. Eltern könnten beispielsweise unterschiedliche Geschichten zu ausgewählten gesunden Nahrungsmitteln vorlesen und mit entsprechenden Zubereitungsaktivitäten sowie einer Mahlzeit verknüpfen.

Ähnliche Artikel