Kolumne „Artikel 1, GG“  Verraten Sie mir, ob ich noch relevant bin!

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 12.02.2025 06:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topcu
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Ist das, was sie schreibt, überhaupt für Leserinnen und Leser interessant? Diese Frage treibt heute unserer Kolumnistin um, die mit einer Schreibblockade zu kämpfen hat.

Heute bin ich nicht „gut drauf“, um meinen Gemütszustand lapidar auszudrücken. Das hat unterschiedliche Gründe. Einer davon betrifft Sie, liebe Leserinnen und Leser. Ich will nicht um den heißen Brei herumreden, sondern ehrlich sein und schreiben, was meine Stimmung auch drückt: Die Zweifel darüber, ob all das, was ich schreibe, ob meine Erlebnisse, Beobachtungen, Gedanken und Kommentare von Relevanz und für andere interessant sind.

Während Sie inzwischen sehr viel über mich persönlich und über meine politische Haltung wissen, weiß ich umgekehrt wenig bis nichts über all die Leserinnen und Leser dieser Zeitung. Für wen schreibe ich eigentlich?

Zur Person

Canan Topçu (59) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.

Diese Frage hat mich heute so sehr beschäftigt, dass ich – ungelogen – drei Stunden auf den Bildschirm geschaut habe. Dabei habe ich in mich hineingehorcht und mich gefragt, über welche der Erlebnisse, Begegnungen und Überlegungen ich schreiben sollte, was ich kommentieren könnte. An Themen mangelt es wahrlich nicht. Jede Idee habe ich in Gedanken ausformuliert und sie dann aber doch nicht aufgeschrieben – wegen der Zweifel darüber, ob es von Belang ist. Und so bin ich in eine veritable Schreibblockade geschlittert. Das wiederum hat meine Stimmung noch mehr getrübt.

Schreibblockade – das ist der Super-GAU. Das, wovor sich (fast) alle fürchten, für die Schreiben viel mehr als eine berufliche Tätigkeit ist. Das Schreiben hilft mir unter anderem, das Chaos um mich herum und in meinem Kopf zu sortieren; es hilft mir, mir Klarheit darüber zu verschaffen, was ich aus der Fülle von Nachrichten und Informationen als wichtig und relevant erachte.

Weil ich so manches von dem, was ich täglich lese, für belanglos halte, habe ich die Sorge, dass das, was ich schreibe, auch belanglos ist.

Ganz ehrlich: Mehr als das weiß ich heute nicht zu schreiben.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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