Meppen Jugendliebe neu entfacht: Ulrich Schnelte aus Meppen verliebt sich nach Jahren in dieselbe Frau
Ulrich Schnelte aus Meppen war bereits als 16-Jähriger in Anette verliebt. 1971 verloren sie sich aus den Augen – doch dann gab es ein vielversprechendes Telefonat. Das Protokoll einer Liebesgeschichte.
In meiner Jugend im Alter von 16 und 17 Jahren entdeckte ich in einem Tanzlokal ein sehr hübsches Mädchen namens Annette, für das ich mich interessierte. Ich habe Annette oft zum Tanzen aufgefordert und so lernten wir uns näher kennen. Ich habe mich bald total in sie verliebt.
Es gab dann einige Treffen im Café und auf Geburtstagsfeten. Aber die Liebe war wohl mehr einseitig, denn sie wollte ihre Jugend noch ausgiebig genießen und sich nicht fest binden. Irgendwann musste sie wegen ihrer beruflichen Ausbildung umziehen und wir verloren uns 1971 aus den Augen. Beide haben wir Mitte der 70er Jahre einen anderen Partner geheiratet und eine Familie gegründet. Gedanken an den anderen waren nicht mehr vorhanden.
Nach 50 Jahren wollte ich für eine Auskunft bei einem Geldinstitut einen Anruf erledigen. Am anderen Ende meldete sich zufällig eine junge Dame, von der ich wusste, dass sie die Nichte meiner Jugendliebe sein muss. Schlagartig wurde ich an meine Jugendzeit erinnert. Auf Nachfrage, ob sie eine Patentante habe, die Annette heißt, bestätigte sie mir das und sie sagte, dass sie auch noch Kontakt zu ihrer Tante habe.
Ich erwähnte, dass ich in meiner Jugend sehr in Annette verliebt war, und ließ Grüße ausrichten. So erfuhr ich zum ersten Mal ihren Ehenamen, wohin sie verzogen war und ihre Telefonnummer. Ein paar Tage später startete ich etwas aufgeregt den ersten Telefonanruf, den Annette auch schon erwartet hatte. Ihre Nichte hatte meinen Anruf schon angekündigt. Seitdem ist ihre Nichte unsere Glücksfee.
Annette und ich waren beide seit Jahren verwitwet. Wir hatten uns sehr viel zu erzählen. Es folgten dann tägliche Anrufe, die sich oftmals über mehrere Stunden hinzogen. Die meisten Gespräche bezogen sich auf Erlebnisse aus unserem Eheleben, über unsere Kinder und Enkel sowie den beruflichen Werdegang. Das längste Gespräch dauerte einmal über vier Stunden bis tief in die Nacht.
Dann hatten wir ein erstes Treffen in einem Stadtpark vereinbart. Sie hatte sich vor lauter Aufregung zunächst verfahren; war aber auch viel zu früh am Treffpunkt, sodass sie zunächst einen Spaziergang im Park machte. Dann sah sie mich plötzlich am Eingang des Stadtparks. Das erste Mal, dass wir uns nach so langer Zeit wieder in die Arme genommen haben.
Ich hatte einen Proviantkorb mit Kaffee und belegten Brötchen mitgebracht. Das Wetter war sehr schön, und beim Picknick haben wir uns Fotos aus alten Zeiten angesehen und Geschichten erzählt. Ich weiß noch, wie herzlich ihre Umarmung beim Abschied war und wie glücklich ich auf der Heimfahrt nach Hause fuhr. Heute sind wir beide sehr ineinander verliebt – das hat bei ihr halt etwas länger gedauert - und wir führen seit etwa zweieinhalb Jahren eine ganz tolle Beziehung.
Was haben wir nicht schon alles nachgeholt: wie ein junges Teenagerpaar! Den ersten Kuss unter der hell beleuchteten Straßenlampe wiederholt, unsere Initialen in einen Baum geritzt, ein Liebesschloss ans Brückengeländer gehängt und den Schlüssel ins Wasser geworfen. Gemeinsam einen Joint geraucht – war mir schlecht!
Für die Zukunft haben wir uns so manches Abenteuer vorgenommen, das wir noch erleben möchten. Zu besonderen Anlässen schreiben wir uns noch wie in alten Zeiten kleine Liebesgeschichten.
Die Entfernung zwischen unseren Wohnorten ist überhaupt kein Problem und mit einer Stunde Autofahrt überbrückt. Meistens sind wir nur wenige Tage in der Woche voneinander getrennt, was aber auch notwendig ist, um familiäre und freundschaftliche Kontakte zu pflegen. Den persönlichen Freiraum und die jeweiligen Hobbys kann jeder von uns ausleben.
Auch an den Häusern und Gärten ist ja immer etwas zu tun. Meistens machen wir das gemeinsam, weil wir beide die Gartenarbeit lieben. Unsere Kinder und Enkel finden unsere neue Beziehung großartig. Zum 70. Geburtstag hab ich meiner Annette unsere Geschichte einmal in Gedichtform geschrieben, und sie war davon sichtlich gerührt. Das Gedicht hängt bei ihr gerahmt an der Wand.