Potsdam  Wieso es die FDP im Bundestag braucht und Lindner dabei ein Risiko ist

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 09.02.2025 14:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Was hat die FDP außer Christian Lindner zu bieten? Foto: Tim Prahle
Was hat die FDP außer Christian Lindner zu bieten? Foto: Tim Prahle
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Für die FDP und Christian Lindner sieht es mit Blick auf die Bundestagswahl schlecht aus. Dabei könnten die Liberalen bei einer neuen Koalitionsbildung wichtig werden. Wenn da nur ihr Parteichef nicht wäre.

Der Parteitag der FDP war vor allem eines. Eine Selbstvergewisserung, dass man doch viel wichtiger sein muss, als es die Prognosen besagen: Die FDP droht nach der Bundestagswahl aus dem Parlament zu fliegen. Wenngleich sich die Stimme Lindners beim Parteitag vor lauter Kampfeslust fast überschlug, verharrt die Partei seit Monaten bei unzureichenden vier Prozent. Die FDP übt sich zwei Wochen vor der Wahl in Verdrängung. Dabei sollten die Umfragen nicht nur FDP-Anhänger beunruhigen, sondern große Teile der Gesellschaft. Denn ohne die FDP sinken die Möglichkeiten der nächsten Regierungsbildung erheblich.

Derzeit könnte es nach den Prognosen der Wahlforscher sowohl für eine Schwarz-Rote als auch für eine Schwarz-Grüne Regierung eng werden. Die einzige realistische Alternative: Eine „Kenia-Koalition“ aus Union, SPD und Grünen. Die profilierende Oppositionsarbeit läge dann allein bei den Randparteien des politischen Spektrums, der AfD und vielleicht noch bei Linkspartei

Die FDP könnte da eine Alternative bieten. Allerdings: Ausgerechnet Christian Lindner, auf den abermals die ganze Wahlstrategie zugeschnitten ist und der seit Jahren das Gesicht der Partei ist, könnte dabei zum Risiko werden. Denn das Tuch zur SPD scheint nach dem Koalitionsbruch, begleitet von vielen bösen Worten, nachhaltig zerschnitten.

Eine Zusammenarbeit mit den Grünen wiederum schlossen Lindner und seine folgsame FDP aus. „Die FDP ist das letzte Bollwerk gegen schwarz-grün“, heizte der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Kubicki bei der Parteieröffnungsrede die Delegierten an. Lindner geht einen weiter: Die entscheidende Frage im Wahlkampf laute „Lindner oder Habeck im Kabinett.“ Ein Versuch, auf den letzten Wahlkampf-Metern noch etwas an Profil zu gewinnen und der den Grünen etwas zugeneigteren Union noch ein paar Stimmen abzujagen.

Jede Form einer Drei-Parteien-Koalition wirkt nach den Ampel-Jahren erst einmal unattraktiv. Doch je stärker die AfD wird, desto komplizierter die Regierungsbildung um sie herum. Die FDP wird in diesem Parteienspektrum gebraucht, aber dafür braucht es mehr als „Schuldenbremse“ und einen verzweifelt-energischen Christian Lindner.

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