Kunstraub in Assen  Polizei fasst Verdächtige und nennt ihre Namen

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 02.02.2025 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Polizeifahrzeug steht am Freitag vor dem Drents Museum in Assen. Am 31. Januar wurde das Haus nach dem Kunstraub eine Woche zuvor wieder geöffnet. Foto: Jumelet/ANP/Imago Images
Ein Polizeifahrzeug steht am Freitag vor dem Drents Museum in Assen. Am 31. Januar wurde das Haus nach dem Kunstraub eine Woche zuvor wieder geöffnet. Foto: Jumelet/ANP/Imago Images
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Gesprengte Museumstüren und ein brennender Fluchtwagen: Der spektakuläre Kunstraub in Assen beschäftigt die Niederlande. Die Polizei geht bei ihren Ermittlungen nun einen ungewöhnlichen Schritt.

Assen - Rund eine Woche nach dem spektakulären Kunstraub im niederländischen Assen hat die Polizei zwar drei Verdächtige festgenommen – von den wertvollen Kulturschätzen aus Rumänien, die sie gestohlen haben sollen, fehlt jedoch weiter jede Spur. Die Behörden entschieden sich deshalb für einen ungewöhnlichen Schritt: Sie veröffentlichten nach den Festnahmen Fotos und Namen der Verdächtigen im Internet, wofür sie auch Kritik einstecken müssen.

Was war geschehen? In der Nacht auf den 25. Januar sprengten Einbrecher in Assen in der Provinz Drenthe gegen 3.45 Uhr die Türen zum Drents Museum auf, das in der Vergangenheit für eine Ausstellung auch bereits mit der Kunsthalle Emden zusammengearbeitet hatte. Die Täter stahlen mehrere archäologische Meisterwerke aus Rumänien, darunter der goldene Helm von Cotofenesti und weitere Exponate der Sonderausstellung „Dakien – das Reich aus Gold und Silber“ aus dem Nationalmuseum für die Landesgeschichte in Bukarest, wie die Polizei mitteilte.

Vermeintlicher Fluchtwagen wurde auch in Groningen gesichtet

Wenige Tage später, am 29. Januar, nahmen die Beamten in Heerhugowaard, rund 50 Kilometer nördlich von Amsterdam, drei Verdächtige fest. Auf ihre Spur sei man unter anderem durch eine Tasche mit Kleidung darin gekommen, die nach der Tat in Assen gefunden worden sei, teilte die Polizei mit. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei den Verdächtigen um zwei Männer und eine Frau. Sie sollen zunächst für zwei Wochen in Untersuchungshaft bleiben, während die Ermittlungen andauern. Womöglich könnte es aber noch weitere Festnahmen geben: Die Polizei sucht mit Fotos auch nach einem weiteren Mann, der einige Tage vor dem Raub in einem Baumarkt in Assen von einer Überwachungskamera aufgenommen worden war.

Museumsdirektor Harry Tupan (rechts) spricht nach dem Einbruch in das Drents Musum bei einer Pressekonferenz. Auf dem Bildschirm hinter ihm ist der goldene Helm von Cotofenesti zu sehen, der zum Diebesgut gehört. Foto: De Jong/ANP/DPA
Museumsdirektor Harry Tupan (rechts) spricht nach dem Einbruch in das Drents Musum bei einer Pressekonferenz. Auf dem Bildschirm hinter ihm ist der goldene Helm von Cotofenesti zu sehen, der zum Diebesgut gehört. Foto: De Jong/ANP/DPA

Anhand der Angaben der Beamten lässt sich erahnen, wie die mutmaßlichen Täter den Kunstraub geplant haben: Laut Polizei wurden am 22. oder 23. Januar in Alkmaar ein grauer VW Golf und in Witmarsum in der Provinz Friesland ein Autokennzeichen gestohlen. Rund 48 Stunden vor der Tat wurde der Golf mit dem gestohlenen Nummernschild in Groningen von einer Kamera erfasst. Im Zeitraum der Tat sei der Wagen dann in der Nähe des Drents Museum in Assen gesehen worden, teilte die Polizei mit. Um kurz nach 4 Uhr, also rund 20 Minuten nach dem Einbruch ins Museum, sei dann in Rolde, einem Nachbarort von Assen, ein brennendes Auto gemeldet worden – es war der graue Golf. Die Einbrecher hatten offensichtlich auf ihrer Flucht das Fahrzeug gewechselt.

Strafverteidigerin kritisiert Veröffentlichung von Namen und Fotos

Die Kunstschätze, die gestohlen wurden, sind aber auch eine Woche nach der Tat weiter verschwunden, wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Freitag dem „Dagblad van het Noorden“ sagte. Die Suche nach der wertvollen Beute habe bei den Behörden höchste Priorität, hieß es auch von der Polizei. Deshalb habe man sich entschlossen, die Identitäten der zwei festgenommenen Männer öffentlich zu machen. Am Donnerstag stellte die Polizei deren Fotos und Namen online – in der Hoffnung, weitere Informationen dazu zu bekommen, wo sie sich aufgehalten haben und mit wem sie Kontakt hatten. Die Identität der festgenommen Frau wolle man zumindest vorerst nicht veröffentlichen, hieß es von der Polizei.

Ein Kameramann filmt die Eingangstür zu einem der Häuser in Heerhugowaard, wo die Polizei zuvor Verdächtige festgenommen hatte. Foto: Van Bergen/ANP/Imago Images
Ein Kameramann filmt die Eingangstür zu einem der Häuser in Heerhugowaard, wo die Polizei zuvor Verdächtige festgenommen hatte. Foto: Van Bergen/ANP/Imago Images

Dieser Schritt sei äußerst ungewöhnlich, wenn Verdächtige bereits gefasst seien und keine Gefahr für die Öffentlichkeit mehr darstellen würden, sagte der Rechtswissenschaftler Joep Lindeman von der Universität Utrecht dem „Dagblad van het Noorden“. Er kenne zwar keine Details der Untersuchung, könne sich aber vorstellen, dass die Ermittler in einer Sackgasse stecken. Deutliche Kritik kommt von der Groninger Strafverteidigerin Maartje Schaap: Es sei ein beträchtlicher Schritt, „Verdächtige an den Pranger zu stellen, bevor ein Richter den Fall überhaupt geprüft hat“, sagte sie der Zeitung. „Öffentlich sind sie bereits verurteilt, obwohl ihre Rolle noch völlig unklar ist.“

Ermittler in den Niederlanden spüren Druck aus Rumänien

Die niederländische Staatsanwaltschaft sah sich am Freitag offenbar dazu genötigt, eine Erklärung zu veröffentlichen: Man habe nach sorgfältiger Abwägung entschieden, dass die Veröffentlichung der Identitäten der beiden Verdächtigen in diesem Fall „dringend notwendig“ sei, weil das Diebesgut noch nicht wieder aufgetaucht sei.

Lindeman sagte dem „Dagblad van het Noorden“: „Ich kenne keinen Fall, in dem dies zuvor geschehen ist. Offenbar ist das Wiederauffinden der Gegenstände in diesem Fall so wichtig, dass der Datenschutz dafür zurückstehen muss.“ Die Veröffentlichung der Identitäten zeuge aber auch von dem Druck, unter dem die Ermittler nach dem Diebstahl stehen. Rumänien hatte bereits kurz nach der Tat deutlich gemacht, wie wichtig die gestohlenen Kunstschätze für das Land seien.

Mit Material von DPA

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