Einladung zum Essen Im Leeraner Zollhaus wurde für Bedürftige aufgetischt
Normalerweise bekommen Bedürftige in Leer samstags Essen und Getränke beim Kältebus. Im Januar gab es erstmals ein gemeinsames Essen im Zollhaus. Das soll nur der Auftakt sein.
Leer - Für viele Bedürftige ist der Kältebus des Deutschen Roten Kreuzes und des Synodalverbandes Nördliches Ostfriesland samstags ein fester Anlaufpunkt in Leer. Seit der Pandemie verteilen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer Essen, schenken Getränke wie Kaffee aus und stellten manchmal auch Kleidung zur Verfügung, was über Spendengelder finanziert wurde. Dabei kommen wöchentlich von 60 bis 70 Hilfsbedürftige zum Bahnhof. An diesem Sonnabend, Mitte Januar, gibt es allerdings etwas Besonderes – ein gemeinsames Essen im Zollhaus mit musikalischer Untermalung.
Im vergangenen Jahr habe Manfred Erfkamp, ehrenamtlicher Helfer und Mitglied des Zollhausvereins, vorgeschlagen, ein Mal im Jahr ein solches gemeinsames Essen im Zollhaus zu veranstalten, erzählt Kulturleiter Marco Hanneken. Es sollte eine gemütliche Atmosphäre im Warmen geschaffen werden, wo auch mal die Hilfsbedürftigen bedient werden, ins Gespräch miteinander kommen können, „sodass da mehr Menschlichkeit reinkommt.“ Ein Sponsor sei gefunden, wodurch die Raumkosten, Personalkosten und das Essen finanziert werden konnten.
Mehr als 80 Personen warteten auf den Einlass
Zur Premiere kamen zahlreiche Gäste, so Hanneken. Bereits eine Stunde vor dem Einlass habe sich eine Warteschlange vor dem Zollhaus von mehr als 80 Personen gebildet. 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer vom Deutschen Roten Kreuz und dem Kältebus organisierten die Essensverteilung und verbrachten den Nachmittag mit den Gästen. Es wurden unter anderem Cevapcici, Gemüse, Cola und Fanta angeboten. Marco Hanneken, ehemaliger DJ in der Disco Ihrhove, kümmerte sich um die Hintergrundmusik.
Nach vielen persönlichen Gesprächen mit den Hilfsbedürftigen sei er von zweien besonders gerührt gewesen, erzählt Hanneken. Aus Zufall habe ein ehemaliger Arbeitskollege von ihm unter den Gästen gesessen, dem die Begegnung anfangs unangenehm schien. „Ich habe ihn ganz normal behandelt, wie ich ihn auch vorher behandelt habe“, erklärte Hanneken, was das Eis zwischen ihnen gebrochen habe. Auf Hannekens Frage, wie es ihm mittlerweile gehe, antwortete er: „Siehst du ja“.
Bewegende Gespräche mit Gästen
In einem anderen Gespräch habe er davon erfahren, dass die Person obdachlos geworden sei, da sie keinen Therapieplatz trotz ihres Suchtproblems bekomme. Besonders in solchen Gesprächen komme einem die Einsicht, dass man diesen Personen helfen müsse. „Wenn ich irgendwo zwei Mal falsch abgebogen wäre im Leben, dann hätte ich auch da sein können“, sagt Hanneken.
Trotz der traurigen Einsichten sei er sich sicher, dass es „einer der tollsten Nachmittage im Zollhaus“ gewesen sei. Alle Gäste hätten den ehrenamtlichen Helfern mit strahlenden Augen gedanklt – „es gab einfach mehr Menschlichkeit“. Auch wenn es nicht diese große finanzielle Unterstützung gegeben hätte, wäre sich Hanneken sicher gewesen, die Veranstaltung in einem bescheideneren Ramen durchführen zu wollen. „Ich möchte das Ganze gerne etablieren und auch den Schwächeren unserer Gesellschaft etwas zurückgeben – am liebsten irgendwann nach dem Vorbild von Frank Zander in Berlin.“
Suppenküche und Weihnachtsfrühstück in Leer
In Leer bekommen Bedürftige zudem jeden Sonntag Essen für Bedürftige bei der Suppenküche der Christuskirchengemeinde. Zu Weihnachten wird dort ein besonderes Menü angeboten. Auch Bäckerei Hoppmann stellt zu Weihnachten ein Frühstück für Bedürftige zur Verfügung.
Beim Essen im Zollhaus waren auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer überwältigt. In der letzten Dreivertelstunde habe er die Musik etwas lauter gedreht, sagt Hanneken – die Menschen hätten miteinander getanzt, gelacht und sich umarmt. Für das kommende Jahr sei eine Idee, dass man Landrat Matthias Groote und Bürgermeister Claus-Peter Horst anfrage, ob sie das Essen hinter der Theke ausgeben wollen. Zudem sollen Künstler eingeplant werden, sodass es nicht nur Hintergrundmusik, sondern gegebenenfalls auch ein kleines Konzert für die Bedürftigen gebe, sagt Hanneken.