Hannover  Frustrierter Jäger-Chef im Interview: „Politische Kräfte wollen Jagd abschaffen“

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 31.01.2025 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Präsident des Deutschen Jagdverbandes, Helmut Dammann-Tamke, sprach jetzt in Hannover auf der Demo gegen die Jagdbeschränkungen. Foto: dpa/Moritz Frankenberg
Der Präsident des Deutschen Jagdverbandes, Helmut Dammann-Tamke, sprach jetzt in Hannover auf der Demo gegen die Jagdbeschränkungen. Foto: dpa/Moritz Frankenberg
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Rot-Grün in Niedersachsen will das Jagdrecht reformieren. Unter anderem soll die Hunde-Ausbildung an lebenden Wildtieren eingeschränkt werden. Dagegen haben jetzt 20.000 Jäger in Hannover demonstriert. Ihr Verbandspräsident Helmut Dammann-Tamke erklärt, was droht, wenn Hunde nicht mehr bei der Jagd helfen können.

Es gibt keinen Grund, am bestehenden Jagdgesetz zu rütteln. Das sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft (LJN). Im Interview verrät er, warum den Jägern gerade die Ausbildung der Hunde am lebenden Wild so wichtig ist.

Frage: Die Jägerschaft hat lautstark gegen Einschränkungen im Jagdgesetz novelliert. Wo gäbe es einen Kompromiss?

Antwort: Wir haben gegenüber der Politik eine klare rote Linie gezogen, das ist die Ausbildung und Prüfung unserer Hunde am lebenden Wild. Wir sind bereit, über alle anderen Punkte zu reden. Da wird man Kompromisse finden. Wenn wir aber die Ausbildung und Prüfung unserer Hunde nicht im optimalen Weg weiter betreiben können, wird das am Ende des Tages bei der praktischen Jagdausübung zu weniger Tierschutz führen. Was viele Menschen nicht verstehen: Bei der Ausbildung prüfen wir ja nicht ein ‚andressiertes‘ Verhalten ab, sondern die Anlagen des Hundes.

Frage: Bitte nennen Sie ein Beispiel.

Antwort: Ein praktisches Beispiel wäre das Saugatter mit Wildschweinen. 25 Prozent der Hunde sind nicht geeignet, weil sie entweder zu ängstlch oder zu aggressiv sind.

Frage: Heißt das, ohne gut ausgebildete Hunde wäre eine Jagd unmöglich?

Antwort: Der gut ausgebildete, geprüfte Jagdhund steht für eine tragende Säule der tierschutzgerechten Jagd. Wenn man uns das nimmt, werden wir stärker in die Kritik geraten, wenn es mehr verletzte Tiere in der Natur gibt. Dann heißt es: Ihr Jäger habt Tiere angeschossen und seid nicht in der Lage gewesen, sie nachzusuchen und schnell von ihrem Leid zu erlösen. Leider haben wir bei einer Podiumsdiskussion der Grünen-Landtagsfraktion festgestellt, dass sich die Ministerin von politischen Kräften vor den Karren spannen lässt, die diese Vorschläge als Etappe auf dem Weg zur Abschaffung der Jagd betrachten. Darum sagen wir jetzt: Stopp!

Frage: Die Ministerin sagt, dass derzeitige Jagdgesetz sei gesellschaftlich nicht gewollt.

Antwort: Dieses Jagdgesetz wurde mit einer Mehrheit von 87 Prozent im Landtag verabschiedet. Mit dieser Mehrheit lässt sich sogar die Verfassung ändern. Wenn nun zwei Jahre später behauptet wird, dies sei gesellschaftlich nicht gewollt, aber keine Daten und Fakten geliefert werden, ist das eine steile These.

Frage: Wie wird sich die Jägerschaft weiter einbringen?

Antwort: Das Eckpunktepapier der Ministerin ist aus meiner Sicht nebulös und nicht konkret. Insbesondere beim Thema Hundeausbildung werden Hintertüren offengelassen. Das Eckpunktepapier hat keinesfalls zur Entspannung beigetragen. Das ist offensichtlich auch bei der SPD-Fraktion angekommen. Alle SPD-Landtagsabgeordneten haben an die Kreisjägermeister in ihrem Wahlkreis einen Brief mit Vorschlägen geschickt. Das ist eine gute Basis für weitere Gespräche.

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