Schlägerei in der Oberschule Sande Gewalt ein Einzelfall oder strukturelles Problem?
Nach der Prügelei an der Oberschule Sande mit zwei verletzten Mädchen läuft die Aufarbeitung des Vorfalls. Ermittlungen gegen drei Schülerinnen laufen.
Sande - Nach der Prügelei unter Mädchen an der Oberschule in Sande (Landkreis Friesland) mit zwei verletzten Schülerinnen hat am 30. Januar 2025 der Landkreis Friesland als Schulträger betont, „dass die Oberschule Sande kein strukturelles Gewaltproblem hat, sondern, dass es sich um – nicht hinnehmbare - Einzelfälle handelt, die selbstverständlich nicht geduldet werden. Sie müssen aufgeklärt und einem rechtsstaatlichen Verfahren zugeführt werden“.
Vertreter von Landkreis und Gemeinde Sande, des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung und der Oberschule Sande sowie der Polizei haben deshalb in einer sogenannten Fallkonferenz einen Maßnahmenplan für die Schule aufgestellt.
14-Jährige verletzt im Krankenhaus
Bei der Schlägerei unter den Schülerinnen soll am 23. Januar 2025 eine 14-Jährige von mehreren anderen zu Boden getreten und danach weiter traktiert worden sein. Ihre Mutter und ihr Großvater berichteten später in Sozialen Medien, dass das Mädchen Prellungen, Einblutungen ins Gehirn und Quetschungen der Lunge erlitten habe. Ein zweites Mädchen sei mit blauem Auge und Prellungen davongekommen. Die Polizei hatte zunächst von zwei Mädchen mit leichten Verletzungen berichtet. „Es ist durchaus üblich, dass wir erst im Laufe der Ermittlungen von schwereren Verletzungen erfahren, die uns mittels eines ärztlichen Attestes nachgewiesen werden“, sagte ein Polizeisprecher später.
Derzeit werde gegen drei Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, so die Polizei. Alle sechs beteiligten Mädchen beschuldigten sich bei der Befragung direkt nach dem Vorfall gegenseitig, sich beleidigt, geschlagen und getreten zu haben, hieß es im Polizeibericht.
Fallkonferenz legt Maßnahmen für die Schule fest
In der gemeinsamen Mitteilung zur Fallkonferenz betonen alle Behördenvertreter: „Alle Beteiligten arbeiten gemeinsam mit der Polizei an der vollständigen Aufklärung des Vorfalls. Vorliegenden Straftaten wird konsequent nachgegangen.“ Und weiter: „Gewalt an Schulen ist nicht akzeptabel.“ Um Ruhe in die Schule zu bringen, soll nun die Sozialarbeit verschiedener Beratungsstellen des Landkreises an der Schule und im Ort verstärkt werden. Zudem würden bauliche Veränderungen geprüft. „Insbesondere wünscht sich die Schule, dass zukünftig das Schulgelände durch einen Zaun so gesichert wird, dass Dritten während und außerhalb der Schulzeit der Zutritt verwehrt sein wird. So kann Vandalismus verhindert werden“, heißt es in der Mitteilung.
Auch die Landesschulbehörde unterstütze die Oberschule Sande durch Beratung, Schulsozialarbeit und Gesprächsangebote zur Aufarbeitung des Vorfalls. Darüber hinaus bietet die Schulpsychologie umfangreiche Präventionsangebote speziell für Schulen an. All das soll das Präventionskonzept der Schule ergänzen, in das auch die Polizei eingebunden ist.
Ermittlungen der Polizei gehen weiter
Die Ermittlungen zur Schlägerei gehen derweil weiter: Offen war zunächst, ob und wer den Rettungsdienst zur Versorgung der verletzten Mädchen alarmiert hatte. Die Eltern hatten der Schule vorgeworfen, dass sie untätig geblieben sei.
Dazu teilte die Polizei nun mit, dass durch Vernehmungen bereits aufgeklärt werden konnte, „dass bei den Leitstellen von Polizei und Rettungsdienst mehrere Anrufe eingingen, unter anderem von der Schulleitung sowie von einem Elternteil eines betroffenen Mädchens. Eine Behandlung durch den Rettungsdienst wurde vor Ort von den Verletzten und deren Eltern abgelehnt.“
Kultusministerin verurteilt Gewalt an Schulen
Bereits am Mittwoch hatte sich Niedersachsens Bildungsministerin Julia Willie Hamburg zu Wort gemeldet: „Zunächst einmal muss ganz klar sein, dass grundsätzlich jede Form von Gewalt an Schulen scharf zu verurteilen ist. Jeder Vorfall, ob verbale, physische oder psychische Gewalt, ist einer zu viel und absolut inakzeptabel – sei es Gewalt gegen Schülerinnen und Schüler, sei es gegen Lehrkräfte oder andere Personen, die an einer Schule wirken“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorfälle an der Oberschule in Sande würden nun lückenlos aufgeklärt und aufgearbeitet.
Zahl der Gewalttaten an Schulen landesweit gestiegen
In Niedersachsen wurden im Jahr 2023 insgesamt 5.053 Straftaten im Schulkontext registriert. Darunter waren 2.680 sogenannte Rohheitsdelikte wie Körperverletzung oder Raub – 24 Prozent mehr als im Vorjahr. In den meisten Fällen waren die Verdächtigen männlich (77 Prozent). Auch zwei Drittel der rund 3.000 Opfer waren männlich. Neuere Zahlen des Landeskriminalamtes liegen nicht vor. Kultusministerin Julia Willie Hamburg hatte Ende 2024 neue Regeln für den Umgang mit Gewalt an Schulen angekündigt. „Leider erleben wir in jüngerer Zeit eine Zunahme bei der Gewaltqualität, bei der bereits sehr junge Kinder gewalttätig auffallen und Übergriffe passieren, die brutal sind und deshalb in der Qualität aufhorchen lassen. Hinzu kommt Mobbing, insbesondere Cybermobbing, von dem viele Kinder, Jugendliche, aber auch Lehrkräfte betroffen sind“, sagte sie.
Mit Material der DPA
Im Bereich der Schule registrierte die Polizei seit Januar 2024 zwölf Taten von Körperverletzungen. Diese seien „teilweise wechselseitig und von denselben Personen“ angezeigt worden. Die Eltern der verletzten Schülerinnen sprechen von einer aggressiven Mädchen-Gang, die die Schule seit Monate tyrannisiere.