Osnabrück Das große Durcheinander: Woher kommt eigentlich das alte Wort Kuddelmuddel?
Was ist ein Kuddelmuddel? Ein bloßes Durcheinander oder eine große Sauerei? Das Wort bezeichnet das blanke Chaos, die völlige Unordnung. Nur woher kommt der Ausdruck?
„Was für ein Kuddelmuddel in der deutschen Parteienlandschaft“: Dieser Satz könnte sich in der Zeitung vom Tage finden. In Wirklichkeit stammt er aus einer Radiosendung des NDR aus dem Jahr 2018 und stellt keine Beschreibung der aktuellen politischen Situation dar, sondern nichts Anderes als das Verwendungsbeispiel für ein Wort, das sich so langsam aus unserem Wortschatz zu verabschieden scheint.
Ich mag nicht, was das Wort bezeichnet, dafür aber das Wort selbst. Es tönt und klingt und scheppert – so wie das Durcheinander selbst, so wie das pure Chaos. Kuddelmuddel: Das ist das Musterbeispiel für ein Wort als Klang.
Ich finde es bezeichnend, dass gerade Bezeichnungen für das Durcheinander die Lautmalerei herauszufordern scheinen. Sammelsurium: Das wäre ein Beispiel von ähnlichem Sinn. Oder das Tohuwabohu.
Der große Unterschied: Tohuwabohu ist ein Lehnwort aus dem Hebräischen. Es findet sich schon in der Bibel. Das schlichtere Wort Kuddelmuddel hingegen kommt im 19. Jahrhundert auf. Im allgemeinen Durcheinander finde sich auch jene Sprachforscher wieder, die nach der Herkunft dieses Wortes fahnden.
Das niederdeutsche Verb muddeln spielt da ebenso mit hinein wie der Modder. Das letzte Wort bezeichnet Schlamm und Dreck. Und das Verb koddeln das nicht sehr sorgfältige Waschen. Ob Modder oder koddeln – beides ist weder appetitlich noch – wortgeschichtlich betrachtet – von seriöser Abkunft.
Wer muddelt, der wühlt im Schlamm. Man schaut einem solchem Treiben nur vergnügt zu, wenn es Kinder machen. Ansonsten gilt das muddeln und moddern als denkbar unfein, ob in der Waschküche oder in anderen Lebensbereichen. Aber lassen wir das, auch wenn sich aktuell gerade dafür wieder reiches Anschauungsmaterial finden mag.
Der Sprachgebrauch modelt sich seine Wörter zurecht. Auf klare Abkunft kommt es offenbar weniger an als auf die Nützlichkeit im Gebrauch. Kuddelmuddel: Menschen verschweißen seine Wortteile, polieren den Reimklang – und sagen es einfach immer wieder.
Was für ein Durcheinander? Ja, aber so funktioniert offenbar die Alltagssprache. Sprache hat ihre Regeln, sicher. Aber Menschen modeln sich ihre Sprache auch. Bisweilen wirkt das wie das reinste Tohuwabohu – aber ein produktives.