Nuuk Dänemarks Suche nach Verbündeten: Wer würde helfen, wenn Trump Grönland angreift?
Die Grönländer wollen keine US-Amerikaner werden: Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die auf der Insel kürzlich durchgeführt wurde. Doch der Kampf zwischen Dänemark und den USA ist noch nicht entschieden. Premierministerin Mette Frederiksen sucht deshalb in Europa nach Rückhalt.
Mit Erleichterung nahm die dänische Regierung am Mittwoch eine Umfrage in Grönland auf – demnach wollen 85 Prozent der Insulaner keine US-Staatsbürger werden. „Ich bin glücklich darüber, dass sich viele Grönländer für eine enge Zusammenarbeit mit Dänemark entschieden haben“, so die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen. Das skandinavische Land bestimmt die Außen- und Sicherheitspolitik des arktischen Gebiets.
Donald Trump machte schon vor seiner Amtseinführung als US-Präsident am 20. Januar Druck, die größte Insel der Welt unter der Kontrolle der USA zu bekommen und schloss auch militärische Maßnahmen nicht aus. Diesen Druck sehen 45 Prozent der Befragten in der Arktis als „Bedrohung“.
Doch Grönland ist von strategischer Bedeutung für die USA, auch warten bedeutende Rohstoffe auf ihren Abbau. Es wäre eine „unfreundliche Handlung“, so der Republikaner Anfang dieser Woche, sollte sich Dänemark seinen Forderungen entgegenstellen. Deswegen war Frederiksen Anfang dieser Woche unterwegs, um europäischen Beistand zu erhalten: Die Dänin traf diese Woche Bundeskanzler Olaf Scholz, den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Laut Frederiksen habe ihr Land von Scholz wie Macron Unterstützung in der Grönlandfrage erhalten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas will eine Unterredung mit dem US-Außenminister Marco Rubio in dieser Angelegenheit führen.
Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot habe sogar vorgeschlagen, Truppen auf die vereiste Insel zu schicken, was jedoch nicht im Interesse des kleinen skandinavischen Landes sei. „Europa soll stärker zusammen stehen“ ist der aktuelle Appell der Sozialdemokratin. Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen ist da deutlicher: „Trump wird Grönland nicht bekommen“.
Doch auf Konfrontationskurs will Dänemark, das neben Polen zu den amerikafreundlichsten NATO-Mitgliedern gehört, nicht gehen. Einer weiteren Forderung des derzeit offensiv agierenden Trump – die NATO-Mitglieder sollten ihre Ausgaben für die Verteidigung auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben – versucht die dänische Regierungskoalition nachzukommen. Bislang wurden zwei Prozent verlangt. „Eher bei fünf als bei zwei Prozent“ soll er liegen, kündigte Frederiksen jüngst an.
Und Anfang dieser Woche versprach das Verteidigungsministerium in Kopenhagen, umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro in die Sicherung von Grönland zu investieren. Bereits im Vorfeld hatte man dort versprochen, zwei weitere Marineschiffe sowie mehr Hundeschlitten einzusetzen.
Im Norden Grönlands befindet sich bereits seit den 50er Jahren ein amerikanischer Militärstützpunkt, der neuerdings „Pituffik Space Base“ heißt.
Laut der „New York Times“ habe die Führung in Kopenhagen Kontakt mit dem PR-Unternehmen „BGR Group“ aufgenommen, um über Kontakte in Washington für einen Verbleib von Grönland in der „Reichsfolgsgemeinschaft“ zu werben, in der sich auch die halbautonomen Färöer-Inseln befinden.
Die „BGR Group“ wurde bereits von der Regierung in Panama mit einem millionenschweren Auftrag betraut – Donald Trump verlangt, dass das mittelamerikanische Land den Panamakanal den USA übergibt.
Experten sehen darum eine Tendenz, dass in der Regierungszeit von Donald Trump die Lobbygruppen die klassische Diplomatie ablösen könnte, da der Immobilien-Mogul nicht die übliche politische Laufbahn hinter sich habe, sondern in der Welt der Geschäftsabschlüsse groß geworden sei.
Das diplomatische Mühen der USA, einen Deal bezüglich Grönland abzuschließen, ist jedoch alt. Bereits US-Präsident Andrew Johnson versuchte 1867 das mehr als zwei Millionen Quadratkilometer große Gebiet sowie Island von Dänemark zu erstehen. Auch US-Präsident Harry S. Truman machte 1946 einen Anlauf, das arktische Eiland zu kaufen.
Trumps Kaufvorschlag während seiner ersten Amtszeit im Jahr 2019 tat Mette Frederiksen noch als „absurde Idee“ ab. Ein Verhalten, was Trump nicht verzeihen konnte, in einem Telefongespräch mit der Sozialdemokratin noch vor der Amtseinführung hatte er Dänemark Strafzölle angedroht.
Doch wenn auch die Umfragen auf der Insel sowie der Regierungschef Múte B. Egede es derzeit ausschließen, der 51 Bundestaat der USA zu werden, so scheint es mit einem politischen Wechsel noch nie so ernst zu sein wie jetzt.
Und in Grönland stehen Parlamentswahlen an, welche spätestens Anfang April steigen müssen. Ein Parlamentarier der Regierungspartei Siumut wurde bereits nach Washington eingeladen, was für erheblichen Wirbel in der Hauptstadt Nuuk sorgte. Es wird kaum die letzte Einflussnahme des Trumplagers sein.