Gewalt in der Oberschule Mädchengang sorgt in Sande für Furcht und Schrecken
An der Oberschule Sande (Friesland) soll eine Mädchengruppe eine Mitschülerin krankenhausreif geschlagen haben. Die Polizei ermittelt. Eltern erheben massive Vorwürfe gegen die Schule.
Sande - Die eine Schülerin wurde laut Aussage der Eltern krankenhausreif geschlagen, das andere Mädchen ist so verängstigt, dass sie nicht mehr zur Schule gehen will: An der Oberschule Sande im Landkreis Friesland soll eine Mädchengang für Furcht und Schrecken sorgen. Die Eltern der beiden 14 Jahre alten Opfer haben die Gruppe nun angezeigt.
Schlägerei mit sechs beteiligten Mädchen
Laut Polizeibericht vom 28. Januar waren die Beamten am 23. Januar zu einer körperlichen Auseinandersetzung an die Oberschule in Sande gekommen. „Gegen 13.10 Uhr soll es hier zu Streitigkeiten zwischen insgesamt sechs Mädchen gekommen sein, in deren Folge Beleidigungen ausgesprochen und Körperverletzungen verübt worden sein sollen. Die Mädchen sind im Alter zwischen 13 und 15 Jahren und teilweise polizeilich bereits im Vorfeld in Erscheinung getreten“, schreibt die Polizei.
Bei der Befragung habe sich herausgestellt, dass sich alle sechs Mädchen gegenseitig beschuldigten, sich beleidigt, geschlagen und getreten zu haben. „In der Folge erlitten zwei beteiligte Mädchen nach eigenen Angaben leichte Verletzungen“, so heißt es im Bericht. Und: „Diesbezüglich wurden wechselseitige Strafanzeigen gefertigt. Die Ermittlungen hierzu dauern an.“
Eltern erstatten Anzeige bei Schulbehörde
Die Schilderungen des Vorfalls von Eltern und Großvater der beiden 14-Jährigen und einer weiteren Tochter in Sozialen Medien lesen sich allerdings deutlich drastischer. Seine 14-jährige Enkelin liege mit einer Hirneinblutung, mehreren Hämatomen und einer Lungenverletzung im Krankenhaus, ihre Schwester sei mit blauem Auge und Prellungen davongekommen, schreibt der Großvater. Der Widerspruch zur Polizeimeldung, die von leichten Verletzungen spricht, erklärte der Sprecher der PI Wilhelmshaven/Friesland damit, dass die Schwere der Verletzungen erst später festgestellt wurde.
Der Großvater des Mädchens wirft der Schule Versagen vor: „Die Oberschule wirbt mit Anti-Mobbing und gewaltfreiem Schulbetrieb. Aber so kann das nicht weitergehen. Das ist ein Totalversagen.“ Die Familie hat bei der Schulaufsichtsbehörde Anzeige gegen die Schule in Sande wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht erstattet.
Die Eltern der drei Mädchen berichten außerdem, dass die Mädchengang - die Schülerinnen sollen nach ihren Aussagen Migrationshintergrund haben - schon häufig auffällig geworden sei. „Sie terrorisieren die Schule schon seit Wochen.“ Die Liste sei lang, alles sei im Klassenchat auf Whatsapp zu sehen, so die Eltern. Weil von der Gang auch gewaltverherrlichende Videos von Enthauptungen durch mutmaßliche IS-Kämpfer im Klassenchat gepostet worden seien, erstattete eine der Mütter bereits Anzeige. „Ein terroristischer Bezug ließ sich nach Prüfung durch den Staatsschutz nicht begründen; gleichwohl zeigt das Video eine gewaltverherrlichende Tat. Die Ermittlungen hierzu dauern ebenfalls an“, teilt die Polizei dazu mit.
Aggressive Mädchen wurden schon mehrfach suspendiert
Die Eltern kritisieren in ihren Posts, dass die aggressiven Mädchen zwar immer wieder suspendiert wurden, also für eine Weile dem Unterricht fernbleiben mussten, doch mehr sei nicht passiert. Die Schule äußert sich zu den Vorfällen nicht und hat das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück eingeschaltet. Demnach habe die Schule alle Möglichkeiten genutzt: Es würden regelmäßig Gespräche geführt, Pausen- und Busaufsichten verstärkt und Präventionsprogramme mit Unterstützung der Polizei durchgeführt, wird die Behörde in Medien zitiert.
Laut Polizei kam es im Bereich der Oberschule Sande seit Januar 2024 zu zwölf Körperverletzungsdelikten, „die teilweise wechselseitig und von denselben Personen angezeigt wurden“. Aufgrund der aktuellen Geschehnisse sei eine gesonderte zeitnahe Fallkonferenz angesetzt worden. Eine Fallkonferenz ist ein behördenübergreifendes Fachgespräch, bei dem Informationen über auffällige Minderjährige und aktuelle Entwicklungen ausgetauscht werden. Im Boot sind neben der Polizei zum Beispiel Jugendamt, Ausländerbehörde, Schulbehörde und weitere. Am Ende der Fallkonferenz stehen Maßnahmen, die die Minderjährigen auf den rechten Weg führen sollen.