Diskussion um Jagdgesetz  Jäger im Kreis Leer fürchten um ihre Hunde

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 28.01.2025 07:03 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heinrich Rauert zählt bei der Jagd auf seine Hündin Bea. Foto: Löschen
Heinrich Rauert zählt bei der Jagd auf seine Hündin Bea. Foto: Löschen
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Für die Jagd sind Hunde unersetzlich. Doch für ihre Ausbildung müssen auch teils lebende Tiere herhalten. Von Tierschützern wird das scharf kritisiert. Jäger Heinrich Rauert ist ganz anderer Meinung.

Landkreis Leer/Hannover - Das Telefon klingelte erst vor ein paar Tagen bei Heinrich Rauert. Ein Autofahrer meldete dem Jäger einen Wildunfall. Der Fahrer habe auf der Grünen Straße in Großwolde ein Reh mit seinem Auto erwischt. Rauert ging mit seinem Jagdhund los und suchte nach dem verletzten Tier. Doch es war nicht auffindbar. Einige Zeit später habe sich der Jäger erneut auf die Suche gemacht, erzählt er. Diesmal habe seine Hündin Bea das Reh in einem Graben aufgespürt. Es lebte noch – sei jedoch schwer verletzt gewesen und dem Tode nahe.

„Wenn ich den Hund nicht gehabt hätte, wäre das Tier elendig und qualvoll gestorben“, sagt Heinrich Rauert. So habe er das Tier von seinem Leid erlösen können. Unter anderem deswegen seien gut ausgebildete Jagdhunde wichtig. Doch Sorge hat der 72-Jährige mit Blick auf die geplante Veränderung des Niedersächsischen Jagdgesetz. Denn diese sieht auch Veränderungen in der Jagdhundausbildung vor.

Verwirrende Pläne des Ministeriums

„Es ist geplant, das bisherige Verfahren in Niedersachsen, bei dem eine mit einer Papiermanschette kurzzeitig fluguntauglich gemachte Ente eingesetzt wird, vorerst wissenschaftlich zu begleiten, um alternative Methoden zur Feststellung der Brauchbarkeit von Jagdhunden bei der Wasserarbeit zu etablieren“, heißt es in dem Eckpunktepapier des Landwirtschaftsministeriums Niedersachsen vom 22. Januar 2025. Im Dezember formulierte die Ministerin Miriam Staudte (Grüne) noch, die Ausbildung am lebenden Tier zu verbieten – mit Ausnahmen. Zudem sollten Nutria aus dem Jagdrecht entfallen. Diese Überlegungen wurden verworfen, heißt es in dem aktuellen Eckpapier.

Hündin Bea hat bereits einige Prüfungen als Jagdhund gemeistert. Foto: Löschen
Hündin Bea hat bereits einige Prüfungen als Jagdhund gemeistert. Foto: Löschen

Dass das Ministerium nun zurückgerudert ist, wertet Heinrich Rauert jedoch nicht als Erfolg. „Es ist verwirrend. Sie lassen sich eine Hintertür auf“, sagt er. Der Abschuss der Nutria soll beispielsweise auch von sachkundigen Dritten angeordnet werden können. Wie das am Ende aussehen wird, steht nicht in den öffentlich einsehbaren Überlegungen des niedersächsischen Ministerium.

Gesunde Enten werden Opfer von Jagdhunden

Wenn Jagdhunde nicht mehr mithilfe von lebenden Tieren trainiert werden, bedeute das eine schlechtere Ausbildung der Vierbeiner, so Rauert. Der 72-Jährige ist Verbandsrichter für die Hundeausbildung im Kreis Leer. Er ist also bei Jagdhundeprüfungen dabei. Seitens der Tierschützer wurden die bisherigen Praktiken stark kritisiert. Für eine Übung an einer lebenden Ente, werden gesunde Vögel kurzzeitig mit sogenannten Müllermanschetten flugunfähig gemacht und auf ein Gewässer platziert. Dann werden die Hunde auf die Enten angesetzt. „Die Hunde sollen an dem Wild dranbleiben“, so Rauert. Auch wenn die Papiermanschetten sich nach ein bis zwei Stunden auflöst, kommen regelmäßig Enten bei dieser Methode dem Hund zum Opfer.

„Bis zur Umstellung auf praxistaugliche Alternativen soll die bislang freiwillige Vereinbarung, dass nur maximal drei Enten zur Ausbildung und eine Ente zur Prüfung eingesetzt werden dürfen, verpflichtend werden“, heißt es dazu im Eckpapier des Ministeriums. Diese freiwillige Vereinbarung wird im Kreis Leer schon angewandt, sagt Rauert.

Mehr als 10.000 Jäger in Hannover

Nicht nur Heinrich Rauert und die Kreisjägerschaft Leer sind von der geplanten Änderung des Jagdgesetz nicht überzeugt, sondern auch die Landesjägerschaft Niedersachsen. Der Verband bleibt skeptisch, heißt es auf der Internetseite im Bezug auf das Eckpunktepapier. Es ist die Rede von „Widersprüchen“ und „Hintertüren“. Die bereits im Dezember angesetzte Demonstration am Donnerstag, 30. Januar 2025, in Hannover soll bestehen bleiben. Aus dem Landkreis Leer fahren etwa 150 Jäger in drei Bussen, sagt Rauert. Die Landesjägerschaft rechne mit mindestens 10.000 Jägern vor Ort.

Vom Eckpunktepapier ist auch der Deutsche Tierschutzbund nicht überzeugt. Allerdings aus anderen Gründen, wie es in einer Pressemitteilung heißt: „In der finalen Verfassung des Eckpunktepapiers wurden alle tierschutzrelevanten Punkte verwässert. Selbst der Abschuss von freilebenden Katzen bleibt erlaubt. Das Papier ist eine Enttäuschung, zumal seitens der Landesjägerschaft keinerlei überzeugenden Argumente vorgelegt wurden, die den zuvor eigentlich geplanten Änderungen entgegenstanden“, wird James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund, zitiert.

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