Kolumne „Digital total“ Wie konnte denn das bloß passieren?
Viele Menschen gehen mit digitaler Technik zu nachlässig um, findet unser Kolumnist. Naivität kann bei der IT-Sicherheit gravierende Folgen haben, warnt er.
Viele meiner Bekannten denken, ich sei hoffnungslos altmodisch. Das wird mir auch immer wieder gesagt, wenn ich in Gesprächen meine Skepsis hinsichtlich der Digitalisierung ausdrücke. „Gerade du sagst so was? Du bist doch Tech-Journalist!“
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Ich versuche dann immer wieder, zu erklären, dass ich mich sehr viel mit IT-Sicherheit befasse und deswegen aus eigener Erfahrung weiß, dass es keine sichere Software gibt. Selbst, wenn die Software mal sicher sein sollte, es findet sich immer ein Mensch, der etwas Dummes tut. Zwar machen Menschen auch auf analogem Wege Fehler – aber gerade, weil der digitale Umgang mit Daten so bequem und effizient ist, sind dort Fehler viel einfacher zu machen. Papier zu kopieren ist Aufwand; Bytes zu kopieren geht automatisch.
Leider sickern meine Bedenken bei anderen Menschen nur selten ein. Viele denken wohl, es wird uns schon nicht treffen oder es wird nicht so schlimm werden. Und wenn ich dann doch recht behalte, ist das Geschrei immer groß. Dann heißt es auf einmal: Wie konnte das passieren? Warum hat uns keiner vorher gewarnt? Dabei tue ich das doch. Ich habe hier schon oft geschrieben, dass keine Software sicher ist – oder es sein kann. Und dass es deswegen dumm ist, sich komplett auf digitale Technik zu verlassen. Wenn man Geld nur digital besitzt, kann es passieren, dass man darauf auf einmal keinen Zugang mehr hat oder damit nicht bezahlen kann. Wer seine Daten in digitaler Form in die Cloud lädt, muss damit rechnen, dass sie Hackern in die Hände fallen.
Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn in Dänemark plötzlich hochsensible medizinische Daten von 130.000 Menschen öffentlich im Netz auftauchen. Denn ein kleiner Softwarefehler reicht – und die Sicherheit ist umgangen, die Verschlüsselung geknackt, die Daten kopiert und die Schweigepflicht ist nichts mehr wert. Jeder, der in Deutschland eine elektronische Patientenakte anlegt, muss mit ähnlichem rechnen. Sagt nicht wieder, wir hätten euch nicht gewarnt.
Kontakt: kolumne@zgo.de