Osnabrück  Das angenehme Gefühl der Schmeichelei: Wenn man sich gebauchpinselt fühlt

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 24.01.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wer an seinem Netzwerk webt, kommt oft nicht ohne sie aus - die Schmeichelei. Foto: imago stock&people
Wer an seinem Netzwerk webt, kommt oft nicht ohne sie aus - die Schmeichelei. Foto: imago stock&people
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Viele gute Netzwerker wissen, wie man das macht: bauchpinseln. In sozialen Beziehungen kommt man oft ohne dieses Verhalten kaum weiter. Aber woher kommt der Begriff?

Donald Trump dürfte sich für einzigartig halten. In einem ist er blanker Durchschnitt: er lächelt genüsslich, wenn er sich gebauchpinselt fühlen darf. Das Vergnügen ist ihm dann regelrecht anzumerken. Man mag nun darüber philosophieren, dass wirklich starke Persönlichkeiten Abstand zu allen Schmeichlern halten. Aber es ist, wie es ist: Die Schmeichelei gehört zum sozialen Leben wie die Großmut oder die Heuchelei.

Wo es Hierarchien gibt, da findet auch das schönreden und hofieren kein Ende. Wer Süßholz raspelt, kommt oft weiter als die Konkurrenz. Alter Schleimer: In diesem harschen Vorwurf verbirgt sich meist nur das Eingeständnis, in der Beziehungsarbeit nicht so erfolgreich gewesen zu sein.

Ich finde es aufschlussreich, dass mit dem unschönen Verb netzwerken eigentlich nichts Anderes gemeint ist. Gute Netzwerker sind oft auch ausgesprochene Schmeichler, die anderen nach dem Munde reden oder ihnen kleine Gefallen erweisen, um an das eigene Ziel zu gelangen. Bauchpinseln ist höchst wirkungsvoll – wenn es geschickt gemacht wird.

Aber woher kommt eigentlich dieser Ausdruck? Wer Babys über den Bauch streicht, der beruhigt sie. Katzen mögen es, am Bauch gestreichelt zu werden. Und bei Greifvögeln soll dieses Streicheln dazu führen, sie sanft zu stimmen. Diese Berührung löst lustvolle Körperreize aus. Wir kennen ähnlich angenehme Regungen – den Gaumenkitzel zum Beispiel.

Das Wort von der Bauchpinselei soll auf solche Vorstellungskreise zurückgehen und vor allem eine eher junge Wortschöpfung sein. Einschlägige Lexika, die sich mit der Herkunft der Wörter, ihrer Etymologie beschäftigen, verzeichnen dieses Wort nicht einmal. Seltsam eigentlich, dass der Begriff so jung ist. Was er bezeichnet, gehört wohl seit jeher zur Geschichte des Soziallebens.

Kaum ein anderer Schauspieler verstand es übrigens so brillant wie Louis de Funes, aus der Bauchpinselei grandiose Auftritte zu machen. Ob als Grande, der vor dem König zum Höfling schrumpft, oder als autoritärer Gendarm, der vor seinen Vorgesetzten buckelt – Louis de Funes hat die Bauchpinselei mit satirischer Schärfe aufgespießt. Allen Netzwerkern seien seine Auftritte wärmstens empfohlen.

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