Zahl der Infektionen steigt Die Grippewelle erreicht jetzt auch Ostfriesland
Die Zahl der Grippefälle steigt. Es ist aber noch nicht zu spät, um sich vor einer Infektion zu schützen, sagen Ärzte. Zudem könnte es für Patienten bald leichter werden, einen Arzttermin zu bekommen.
Hannover/Ostfriesland - Die Grippewelle in Niedersachsen rollt an. Nach den Ferien sei die Zahl der Influenza-Fälle im Land deutlich gestiegen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landesgesundheitsamts. „Etwas früher als im letzten Jahr ist in den Meldedaten ein Anstieg der Influenza-Fälle sichtbar“, sagte Fabian Feil, der Präsident des Landesgesundheitsamts. „Zuletzt wurden 23 Prozent der Proben positiv getestet – ab einem Wert von 20 Prozent sprechen wir von dem Beginn der Welle.“ Der Beginn dieser Welle ist auch schon in Ostfriesland spürbar.
„Wir haben aktuell eine Infektwelle und sie ist auch in Ostfriesland angekommen – allerdings bislang nicht mehr als sonst im Januar“, sagt Mareike Grebe, Hausärztin in Hesel und Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichern Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Wir haben auch schon nachgewiesene Influenza-Fälle dabei. Laut Wochenbericht vom Robert-Koch-Institut sind aktuell 20 bis 30 Prozent der Infekte eine echte Influenza, also Grippe, und es ist aktuell nur wenig Corona dazwischen“, erklärt Grebe. Auch laut Landesgesundheitsamt sei die Influenza inzwischen vorherrschend. In der dritten Januarwoche wurden 1100 Influenza-Fälle in Niedersachsen registriert – in der Woche zuvor waren es 659 nach 261 Fällen in der ersten Januarwoche.
Hausärztin: Influenza ist hoch ansteckend
Die Grippewelle dauert meistens bis März. „Schützen kann man sich auch jetzt noch durch eine Grippeimpfung, da aktuell vermutlich der Höchststand der Influenza-Welle noch nicht erreicht ist“, erklärt Grebe. Die Wirkung einer solchen Impfung setze nach zehn bis 14 Tagen ein. „Influenza ist hoch ansteckend“, warnt die Hausärztin. Die Impfung gilt als der wirkungsvollste Schutz. Darauf weist auch das Landesgesundheitsamt hin. In der vergangenen Erkältungssaison gab es laut Kassenärztlicher Vereinigung rund 1,2 Millionen Impfungen gegen Influenza und etwa 600.000 Impfungen gegen Covid-19.
Grippeimpfstoff steht derzeit auch noch in ausreichender Menge zur Verfügung, sagt Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands (LAV) Niedersachsen und Inhaber der Rats-Apotheke in Norden. Er rät: „Alle Risikogruppen und jeder, der über 60 Jahre alt ist, sollte sich auf jeden Fall noch gegen Grippe impfen lassen.“ Engpässe gebe es derzeit noch bei einigen Antibiotika. „Aber Erkältungs- und Grippemedikamente sind verfügbar“, sagt Groeneveld. „Auch fiebersenkende Mittel für Kinder sind derzeit ausreichend vorhanden.“
Landesgesundheitsamt rät: Mit Symptomen zuhause bleiben
Das Landesgesundheitsamt in Hannover rät, wer Erkältungssymptome spüre, sollte möglichst zu Hause bleiben. „Ansonsten hilft, genau wie bei Corona, das Tragen einer Maske, ein entsprechender Abstand zu seinen Mitmenschen und das regelmäßige Lüften der Räume, um die Keimlast in der Umgebung zu senken und andere zu schützen“, erklärt Hausärztin Grebe. Wichtig sei außerdem das regelmäßige Händewaschen.
Grippeviren werden – wie Corona – vor allem über Kontakt- und Tröpfchen übertragen. Die Viren siedeln sich meistens im Nasen-Rachen-Raum an. Beim Husten, Niesen, Lachen und Sprechen werden sie ausgestoßen.
Die Grippewelle stellt die ohnehin schon sehr vollen Hausarztpraxen vor weitere Herausforderungen. Manche greifen erneut auf die Einführung einer Infektsprechstunde zurück. Vor dem Hintergrund dieser sehr hohen Arbeitsbelastung und einer steigenden Zahl von Patienten freut es Mareike Grebe umso mehr, dass das Hausärztegesetz nun doch noch vor der kommenden Bundestagswahl verabschiedet werden soll. „Klar bin ich froh darüber“, sagt die Medizinerin. Das Gesetz sieht die Streichung geltender Budgets und Quartalspauschalen vor. „Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch einige Praxen bereit sind, wieder neue Patienten aufzunehmen“, sagt die Vorsitzende der KV-Stelle Aurich. Darauf setzt auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „In Zukunft haben Ärzte Zeit für neue Patienten und schwere Fälle“, ist er überzeugt.
Mit Material von DPA