Hamburg Julia Willie Hamburg will Social-Media-Verbot: Nette Idee aber...
Kinder unter 14 Jahren sollen ein Social-Media-Verbot bekommen. So will es zumindest Julia Willie Hamburg. Doch die Umsetzung dürfte schwierig werden.
Die Forderung der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg nach einem Social-Media-Verbot für Kinder ist zu kurz gegriffen. Es stimmt, dass Social Media für Kinder nicht gesund ist. Viele Jugendliche haben ihren Konsum nicht im Griff und sind kaum vor Agitation, Gewalt und anderen Schweinereien geschützt. Dass das nicht spurlos an einem vorübergeht, wissen selbst Erwachsene aus der gelebten Erfahrung. Ganz zu schweigen von zahlreichen Studien.
Sollte man also Social Media für alle, die jünger als 14 sind, verbieten, wie Hamburg es fordert? Oder gar für alle unter 16, wie es in Australien bereits Gesetz ist? Keine Frage: Den meisten Kindern würde weniger Social Media guttun. Doch ein Verbot durchzusetzen, könnte schwierig werden. Dass Social-Media-Konzerne trotzdem ein Problem damit haben, ist verständlich. Schließlich zeigen solche Vorschläge, dass die Politik ihren Einfluss zunehmend als Problem sieht. Doch ein Verbot alleine wird ihren Einfluss auf die Jugend nicht brechen, aber könnte die Zahl der pubertierenden Nutzer zugegebenermaßen reduzieren.
Diese Kontrollen zu umgehen, ist nämlich kein Hexenwerk. Ganz egal, mit wie vielen Gesichtsscans und Ausweisfotos sie einhergehen: Mit einem Virtual Private Network (kurz VPN), könnte man sie komplett umgehen. Dies kann den Servern von Instagram, Tiktok und Co. etwa vortäuschen, dass man in einem Land ohne solche Kontrollen ist. Das ist buchstäblich kinderleicht, aber von staatlicher Seite kaum zu bekämpfen. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die beflissene Hacker sich dafür ausdenken und leicht zugänglich abpacken könnten.
Eine Möglichkeit dies mit den aktuellen technischen Mitteln zu verhindern, gibt es bis dato nicht, da kann das Gesetz sagen, was es will. Das gibt sogar die australische Regierung zu, die Hamburg sich als Vorbild nimmt. Und auch wenn die meisten Schüler im Moment wahrscheinlich nicht wissen, was ein VPN ist: Im Falle eines Verbotes würde sich dieser Trick wahrscheinlich rasend schnell verbreiten. Zumal die betroffenen Schüler in den meisten Fällen bereits mit den Reizen der sozialen Netzwerke vertraut sind und die einfache Unterhaltung nicht aufgeben wollen.
Abgesehen davon würden solche Kontrollen den Social-Media Konzernen Zugang zu äußerst sensiblen Daten gewähren. Wenn man bedenkt, wie oft sie in der Vergangenheit schon Schindluder damit getrieben haben, kann niemand ernsthaft wollen, dass jeder Nutzer ein Gesichtsfoto, einen Personalausweis oder Bankdaten hinterlegen muss.
Wenn Eltern wirklich daran gelegen ist, den Social-Media-Konsum ihrer Kinder zu regulieren, müssen sie selbst tätig werden, auch wenn das Verbot Realität wird. Etwa indem sie ihren Kindern kein Smartphone kaufen oder ihren Internetzugang beschränken. Und dafür müssen sie nicht auf ein Gesetz warten.