Social-Media-Plattform X  Wer nutzt eigentlich noch X?

| | 22.01.2025 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Das frühere Twitter galt lange als Möglichkeit, weltweit zu kommunizieren und sich zu vernetzen. Heute steht X in der Kritik, weil es zur ungefilterten Verbreitung von rechtsextremen und antisemitischen Inhalten sowie von Verschwörungstheorien genutzt wird. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Das frühere Twitter galt lange als Möglichkeit, weltweit zu kommunizieren und sich zu vernetzen. Heute steht X in der Kritik, weil es zur ungefilterten Verbreitung von rechtsextremen und antisemitischen Inhalten sowie von Verschwörungstheorien genutzt wird. Foto: Monika Skolimowska/dpa
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Seit Übernahme durch Elon Musk steht das Netzwerk X, ehemals Twitter, verstärkt in der Kritik. Wer nutzt die Plattform in Ostfriesland eigentlich und warum? Eine Kurz-Umfrage.

Ostfriesland - Der Landtag in Hannover hat seinen X-Account auf Eis gelegt, die Polizeidirektion Osnabrück hat all ihre Accounts auf X gelöscht. Seit der Übernahme durch Elon Musk steht das Netzwerk X, ehemals Twitter, verstärkt in der Kritik, weil es zur Verbreitung von rechtsextremen und antisemitischen Inhalten sowie von Verschwörungstheorien genutzt wird. Die Social-Media-Plattform selbst formuliert als ihren Leitsatz: „Von aktuellen Nachrichten und Unterhaltung bis hin zu Sport und Politik – erhalten Sie die ganze Geschichte mit allen Live-Kommentaren“ (From breaking news and entertainment to sports and politics, get the full story with all the live commentary). Wer nutzt die Plattform in Ostfriesland eigentlich und warum? Eine Kurz-Umfrage.

Landkreis Leer: „Der Landkreis Leer hat Twitter seit 2011 genutzt. Wir hatten dort zuletzt rund 2.000 Follower. Wir haben den Account im Oktober 2024 gelöscht“, teilt Philipp Koenen, Sprecher des Landkreis Leer, mit. „Twitter war bei den Einwohnerinnen und Einwohnern im Landkreis Leer nie so gefragt. Zudem haben sich Kommunikation und Nutzungsverhalten auf der Plattform X verändert. Es gab noch weniger Interaktion und Rückmeldung von den Nutzern. Also weniger Aufrufe, Fragen, Rückmeldungen. Besser laufen Instagram (18.900 Follower), Facebook (21.199) und Newsletter. Darauf konzentrieren wir uns.“

Handwerkskammer für Ostfriesland: „Wir haben unseren X-Account schon vor einigen Jahren stillgelegt, da die Zielgruppen, die wir erreichen möchten, überwiegend auf anderen Plattformen unterwegs sind“, schreibt Jacqueline Stöppel.

Landkreis Aurich: „Aufgrund der massiven Veränderungen bei Twitter/X hat der Landkreis Aurich die Plattform bereits 2023 verlassen. Zuvor waren dort lediglich Pressemitteilungen der Kreisverwaltung automatisiert eingestellt worden“, so Rainer Müller-Gummels, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Aurich. Stattdessen werden Facebook, Instagram, LinkedIn und YouTube genutzt.

Ende 2022 übernahm Tech-Milliardär Elon Musk die Social Media-Plattform Twitter, heute X. Er nutzt sie auch für sein politisches Wirken. Symbolfoto: Algi Febri Sugita/dpa
Ende 2022 übernahm Tech-Milliardär Elon Musk die Social Media-Plattform Twitter, heute X. Er nutzt sie auch für sein politisches Wirken. Symbolfoto: Algi Febri Sugita/dpa

Hochschule Emden/Leer: „Da Twitter bzw. X in den vergangenen Jahren bereits für uns als Hochschule eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat, haben wir die Löschung des Accounts – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse und dem Beispiel anderer Hochschulen folgend – bereits veranlasst und werden so auch im Zusammenhang mit der Migration unserer Website nicht mehr auf diesen Kanal hinweisen. Für uns ist LinkedIn eine Plattform, auf der wir auch weiterhin verstärkt unterwegs sein werden“, teilt Sprecherin Katrin Hellwig mit.

Wiesmoors Bürgermeister: „Ich persönlich war nie ein aktiver Nutzer von Twitter bzw. „X“. Zwar habe ich in der Vergangenheit einen Account besessen, diesen jedoch nach der Übernahme durch Elon Musk vollständig gelöscht. Die Entwicklungen auf der Plattform, insbesondere der zunehmende Raum für extremistische Inhalte, Hassrede und wissenschaftsfeindliche Positionen, sind für mich nicht mit den Werten und der Verantwortung vereinbar, die ich als Bürgermeister vertrete“, schreibt Sven Lübbers. Für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern nutze er Instagram und Facebook. „Dennoch sehe ich auch auf diesen Plattformen mit Aufmerksamkeit hin, wie sich deren Entwicklungen gestalten, da auch dort langfristig ein respektvoller und sachlicher Austausch im Fokus stehen muss.“

Stadt Aurich: „Unser Ziel bleibt es, die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zuverlässig und transparent über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Social Media ist dabei ein wichtiger Bestandteil in unserer Kommunikation. Während Plattformen wie Instagram und Facebook bereits erfolgreich genutzt werden, gibt es derzeit jedoch keine Pläne, unsere Präsenz auf die Plattform X auszuweiten“, schreibt Cord Cordes, Stadt Aurich.

Landkreis Wittmund: „Wir haben seitens der Kreisverwaltung in Wittmund Twitter bzw. den Nachfolger X nie genutzt und müssen entsprechend auch nicht „aussteigen“. Wir haben uns bei der Einführung von Social-Media-Kanälen von Anfang an auf Facebook und Instagram fokussiert, verbreiten filmische Angebote über unseren Kanal bei youtube und starten jetzt neu mit Linkedin; Whatsapp wird als möglicher Ausgabekanal für Informationen aktiv beobachtet; den Kanal Tictoc bedienen wir nicht. Sämtliche aktuellen Inhalte stellen wir auch immer auf unserer Internetseite www.landkreis-wittmund.de bereit, die sehr gut durchsuchbar ist“, so Sprecher Ralf Klöker.

Raiffeisen-Volksbank Aurich: Sprecherin Kerstin Walczik: „Die Raiffeisen-Volksbank eG hat den Social Media-Kanal auf „X“ bzw. den „Vorgänger“ Twitter in der Vergangenheit nicht benutzt und auch für die Zukunft ist keine Nutzung geplant. Wir sind auf den Social Media-Kanälen „Instagram“, „TikTok“, „LinkedIn“ und „Facebook“ aktiv.

Ostfriesische Landschaft: „Die Ostfriesische Landschaft war und ist nicht auf Twitter/X aktiv. In den sozialen Netzwerken ist die Ostfriesische Landschaft allerdings auf Facebook, Instagram und Youtube vertreten. Auf diesen Kanälen nehmen wir gelegentlich in Kommentaren zu unseren Beiträgen Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungserzählungen wahr. Dies bewegt sich bislang allerdings im Vergleich zu „normalen“ Kommentaren in einem verschwindend geringen Bereich. Auch einen „Shitstorm“ haben wir dort bislang noch nicht erlebt“, teilt Landschafts-Sprecher Sebastian Schatz mit.

Die Polizei in Ostfriesland hat ihre X-Accounts gelöscht und informiert nun über WhatsApp. Foto: Hanz
Die Polizei in Ostfriesland hat ihre X-Accounts gelöscht und informiert nun über WhatsApp. Foto: Hanz

Seenotretter: Die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) hat seit 2009 einen Twitter-Kanal eingerichtet und veröffentlicht darauf seit 2016 aktiv Inhalte. „Die DGzRS erreicht auf diesem Weg vor allem Medien und interagiert dort mit ihren Partnern auf und über See, zum Beispiel Polizeien, Feuerwehren und andere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“, teilt DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey mit. „Seit dem Eigentümerwechsel und der Umbenennung zu „X“ hat sich für die Seenotretter der Umgang mit der Plattform verändert. Die DGzRS beobachtet die Entwicklung sehr genau.“ So haben Stipeldey zufolge eigene statistische Auswertungen vor einigen Wochen gezeigt, dass die Reichweite der Seenotretter bei „X“ sehr stark zurückgegangen ist und auch die Follower-Zahlen erstmals seit Nutzung des Kanals rückläufig sind. „Die DGzRS hat deshalb entschieden, ihre beschränkten personellen Kapazitäten auf reichweitenstärkere Kanäle zu konzentrieren und bei „X“ nur noch große Nachrichten von überregionaler Bedeutung zu veröffentlichen. Die DGzRS wird auch die weitere Entwicklung sehr genau beobachten.“

Polizeidirektion löschte alle X-Accounts

Der niedersächsische Landtag hatte seinen X-Account in Reaktion auf das politische Wirken Elon Musks auf Eis gelegt. Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD) sagte dazu: „Mit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk hat sich der Kurznachrichtendienst sehr rasch massiv verändert. Zunehmend dient X ausschließlich als Forum für die Verbreitung von extremistischen Positionen, Verschwörungserzählungen, Hassrede sowie Demokratie- und Wissenschaftsfeindlichkeit. Da Musk seine Plattform dafür nutzt, weltweit seine politische Agenda voranzutreiben, ist es für eine neutrale Institution wie den Landtag nicht länger hinnehmbar, auf X vertreten zu sein.“

Die Polizeidirektion Osnabrück hatte im vergangenen Jahr konsequent alle X-Accounts ihrer Dienststellen gelöscht und alle Sozial-Media-Aktivitäten auf WhatsApp gelegt. Bis Ende August 2024 hatten die Polizeiinspektionen auch in Leer/Emden und Aurich/Wittmund auf X Aktuelles zu Demonstrationen, Veranstaltungen und anderen Großeinsätzen veröffentlicht. Polizeipräsident Michael Maßmann sagte zu seiner Entscheidung, sich vom Portal X zu trennen: „Die Kommunikation und das Nutzungsverhalten auf X haben sich verändert. Wir sehen für uns als Polizeidirektion nicht mehr den absoluten Mehrwert und satteln um.“

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