Osnabrück  Bald zu viel Solarstrom in Deutschland? Was Besitzer von PV-Anlagen jetzt tun können

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 20.01.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Produktion im Übermaß? Besitzer von Solaranlagen können selbst etwas gegen die drohende Netzüberlastung tun. Foto: imago/Wirestock
Produktion im Übermaß? Besitzer von Solaranlagen können selbst etwas gegen die drohende Netzüberlastung tun. Foto: imago/Wirestock
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Experten und Politik warnen, schon zu Pfingsten könnten Solaranlagen auf deutschen Eigenheimen so viel Strom liefern, dass die Netze überlastet werden. Ausrichtung der Solarpaneele, Batterie-Nutzung, Stromverbrauch: wie Besitzer sich jetzt wappnen können.

Weil die Zahl der Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) auf Wohnhäusern im vergangenen Jahr so stark gestiegen ist, könnte schon im Frühsommer 2025 zu Spitzenzeiten so viel Solarenergie produziert werden, dass die deutschen Stromnetze davon überlastet werden.

Politik und Wirtschaft nehmen das Szenario sehr ernst: SPD und Grüne arbeiten gerade mit Hochdruck an einem Gesetz, das für solche sogenannten Solarspitzen bestimmte Gegenmaßnahmen vorsieht. Und die Netzbetreiber warnen, notfalls müssten sie einzelne Netze vorübergehend abschalten, also einen sogenannten „Brownout“ herbeiführen – um einen unkontrollierten Blackout abzuwenden.

Was bedeutet all das für die privaten Besitzer von PV-Anlagen, und was sollten sie bei Solarspitzen tun? Andreas Holtgrave, Energie-Experte der Verbraucherzentrale Niedersachsen, beantwortet die wichtigsten Fragen:

Holtgrave: „Wenn man kurzfristig reagieren will, etwa wenn morgen oder übermorgen ein Überangebot an Sonnenenergie erwartet wird, bieten sich nur wenige Möglichkeiten. Man kann lediglich versuchen, den Verbrauch zu verlagern, wenn es so weit ist: also Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner während der Solarspitze laufen lassen, vielleicht auch Kühlschrank und Tiefkühltruhe so einstellen, dass sie tagsüber mehr kühlen als nachts.

Wer einen Stromspeicher hat, kann ihn früh morgens ins öffentliche Netz entladen, um für die Hauptlast zur Mittagszeit freien Batteriespeicherplatz zu schaffen. Ein smartes Energiemanagementsystem, das eingebaut wurde, kann das auch automatisiert übernehmen: Es holt sich die notwendigen Informationen aus dem Internet und managt den Haushalt entsprechend.“

Holtgrave: „Das Entscheidende ist die Ausrichtung der Solarmodule auf dem Dach. Früher hat man die Anlagen in der Regel wie einen Sonnenanbeter nach Süden ausgerichtet, um das Maximum an Ertrag herauszuholen. Zu Zeiten, in denen die Einspeisevergütung noch höher lag, war das wirtschaftlich vernünftig.

Heute, bei geringer Einspeisevergütung, sollten die Module am besten so ausgerichtet werden, dass möglichst viele Stunden ausreichend eigener Solarstrom erzeugt wird – und möglichst wenig fremder Strom vom Anbieter zugekauft werden muss. Vielfach landet man dann eher bei Anlagen, deren Module abwechselnd nach Ost und West ausgerichtet sind. Der Gesamtertrag ist dann zwar geringer, aber ich kann damit über den Tag hinweg meinen Bedarf womöglich besser decken – und trage daher zu den meisten Solarspitzen kaum noch etwas bei. Auf Flachdächern sind Ost-West-Anlagen zugleich weniger anfällig für Sturmschäden.“

Holtgrave: „Auch die kann man so planen, dass sie eher geringere Leistung über einen längeren Zeitraum hinweg bringen statt einer möglichst hohen Spitzenleistung. Kleine Anlagen dürfen gesetzlich nur maximal 800 Watt in das Hausnetz einspeisen. Man kann aber trotzdem zwei oder drei statt nur einem Paneel aufstellen und die dann eben wiederum in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausrichten. “

Holtgrave: „In so einem Extremfall schaltet der Netzbetreiber ja das allgemeine Netz regional ab, um es zu schützen. Für private Solaranlagenbesitzer hat das nur die Auswirkungen, die alle spüren, wenn die Stromversorgung gestoppt wird: Die Tiefkühlpizza taut halt auf, der Fernseher geht nicht mehr und so weiter. Für die Solaranlage selbst hat das aber keine Folgen.“

Holtgrave: „Dann entgeht Ihnen für diesen Zeitraum die Einspeisevergütung. Das ist allerdings ein Szenario, das nur an wenigen Tagen im Jahr realistisch ist, und auch dann nur für ein oder zwei Stunden. Der wirtschaftliche Schaden dürfte sich also auf das Jahr gerechnet im schlimmsten Fall bei unter zehn Euro bewegen.“

Holtgrave: „Bei einer Abregelung würde der Wechselrichter einer PV-Anlage aus der Spannung und dem Strom, die von den Solarmodulen erzeugt werden, weniger oder im Extremfall gar keine Leistung abnehmen. Es ist wie mit einer normalen Batterie für die Fernbedienung: Sie enthält ja nur potenzielle Energie, aber so lange man sie nicht an einen Stromkreis anschließt, fließt kein Strom. 

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