Hamburg Zwischen Bauchfett und Prävention: Die Schreckensherrschaft des Body-Mass-Index geht zu Ende
Der Body-Mass-Index taugt nicht als alleiniges Diagnose-Kriterium, wenn es um Adipositas geht. Denn wer zu schwer ist, muss nicht automatisch krank sein. Zu schwer, das sind aber dennoch ein Viertel der Deutschen. Was es jetzt braucht.
Die Masse macht’s: So einfach funktioniert der Body-Mass-Index. Gewicht in Relation zur Körpergröße – fertig ist die Diagnose. Was bislang als Hauptrichtwert bei der Adipositas-Erkennung galt, steht allerdings schon länger in der Kritik. Nun sollen die Leitlinien überarbeitet werden. Zusätzlich zum BMI sollen Kriterien wie der Körperfettanteil oder auch der Taillenumfang in die Diagnose einfließen. Denn schwer bedeutet nicht automatisch ungesund.
Rund ein Viertel aller Deutschen gilt als stark übergewichtig. Schon deshalb ist es wichtig, durch genaue Kriterien zu bestimmen, wer nur zu schwer oder zu dick ist, oder schon krank beziehungsweise auf dem sicheren Weg dahin. Nur mit der richtigen Diagnose kann auch eine passende Therapie erfolgen.
Viel wichtiger aber noch ist die Prävention: Wer nichts über gesunde Ernährung weiß oder Unterstützung bei der Abkehr von schädlichen Gewohnheiten braucht, findet nicht genug Angebote. Berichte über „Abnehmspritzen“ und Magenverkleinerungen suggerieren außerdem: Wenn’s ganz arg kommt, hilft ja die Medizin. So weit sollte es niemand kommen lassen.
Es braucht deshalb viel mehr Aufklärung schon in Kindergärten und Schulen: einen Sportunterricht etwa, der Spaß an der Bewegung vermittelt und niemanden ausgrenzt, in dem auch andere Bewegungsarten angeboten werden als Leichtathletik und Ballspiele.
Selbst der gute alte – und fast verschwundene – Hauswirtschaftsunterricht könnte hier ein sinnvolles Revival erleben. Denn gesunde Gewohnheiten früh zu entwickeln, ist die beste Prävention gegen schädliches Übergewicht und seine gesundheitlichen Folgen. Die tragen im Übrigen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern über die Folgekosten die ganze Gesellschaft.