Namensgebung in Leer Das steckt hinter dem „Hans-Jörg und Meike Martens Haus“ in Logabirum
Das alte Bauernhaus im Ortskern Logabirum in Leer hatte bisher noch keinen Namen. Das ist künftig anders. Eine langjährige Freundschaft brachte dem Gebäude seinen Namen ein.
Leer - Die Sanierung des alten denkmalgeschützten Bauernhauses in Logabirum und auch der Einzug von insgesamt zehn Menschen mit Beeinträchtigung sind bereits gefeiert, da tut sich wieder etwas an der Logabirumer Straße. An diesem Montag, 13. Januar 2024, wurde nochmal gebuddelt, gehämmert und geschraubt. Ein rot-weißes ellipsenförmiges Schild wurde vor dem Haus in den Boden gerammt. „Das Gebäude stand bisher verbindungslos in der Geschichte herum“, sagt Günter Prahm. Er kaufte das Bauernhaus zusammen mit seiner Frau Lore im November 2022 und investierte in die Sanierung. Ein Name soll es aus der Anonymität holen. Deswegen wurde es zum „Hans-Jörg und Meike Martens Haus“ getauft.
Hinter diesen Namen stecken ein gebürtiger Filsumer und eine gebürtige Hamburgerin, die beide in Jheringsfehn leben. Hans-Jörg Martens kennt Prahm bereits seit etwa 40 Jahren. „1986 müsste unsere erste Begegnung gewesen sein“, erinnert sich Martens.
„Von seiner Art war ich direkt überzeugt“
Damals war Günter Prahm Chef der VeGe „Nordwest“ in Brinkum – einem Betrieb mit damals rund 250 Mitarbeitern. Einer davon fragte Prahm nach einem Arbeitsplatz für seinen Sohn, der an Legasthenie litt. Dieser Sohn war Hans-Jörg Martens. Er wurde von Prahm eingestellt und arbeitete etwa zwei Jahre in dem Betrieb, den es heute nicht mehr gibt. „Von seiner Art war ich direkt überzeugt“, sagt Prahm. Als gelernter Landwirt hatte Martens bereits früh die Vorstellung, einen Ferienhof für Menschen mit Behinderung aufzubauen. „Leider ist daraus nie etwas geworden“, bedauert Martens. Heute arbeitet der 57-Jährige als Sozialpädagoge bei „Das Boot“ in Leer. Der Verein unterstützt psychisch beeinträchtigte und suchtkranke Menschen in den Landkreisen Leer und Aurich sowie in der Stadt Emden.
Im November 2022 kaufte Günter Prahm mit seiner Frau Lore das alte Bauernhaus und ließ es sanieren. Im Sommer 2024 zogen die ersten Mieter ein. Wenig später hatte das Ehepaar dann die Idee, das Haus nach Hans-Jörg und Meike Martens zu benennen. Auch die bis heute andauernde Freundschaft zwischen Günter Prahm und Hans-Jörg Martens habe dabei eine große Rolle gespielt.
Für 1,75 Millionen Euro saniert
„Ich war sehr überrascht überrascht über den Anruf, weil ich eigentlich keine bedeutende Persönlichkeit bin“, sagt Martens und lacht. Das Ehepaar Prahm sieht das anders. Seine Lebenseinstellung und seine Art, sich für Behinderte einzusetzen, machen ihn zum genau richtigen Namensträger. Zudem sei er die erste Person mit Beeinträchtigung gewesen, die in Prahms Betrieb eingestellt wurde. Geehrt fühle sich Martens in jedem Fall. „Vielleicht bin ich an deinem sozialen Engagement für Behinderte Schuld“, sagt er zu Prahm mit einem erneuten Lachen.
Das „Hans-Jörg und Meike Martens Haus“ ist aufwendig saniert worden. Um das Jahr 1890 ist es erbaut worden und steht heute unter Denkmalschutz. Günter Prahm erinnert daran, wie baufällig das Gebäude noch im November 2022 aussah, als er es kaufte. Der hintere Teil war einsturzgefährdet. 1,75 Millionen Euro seien für die Sanierung im März 2023 veranschlagt worden. Im Juni 2024 waren die Arbeiten abgeschlossen. Insgesamt zehn Apartments für Menschen mit Beeinträchtigung sind entstanden. Alle mit eigener Küche und Bad. Die Lebenshilfe Leer betreibt dieses Wohnprojekt. Im Juli und August 2024 sind die ersten Bewohner eingezogen. Wie normale Mieter seien diese zu betrachten, sagt Dr. Anke Hartwig, die den Bereich Wohnen bei der Lebenshilfe leitet. Möglichst selbstständig sollen die Bewohner dort leben. Dabei werden sie von Mitarbeitenden der Lebenshilfe unterstützt.
Weitere benannte Häuser
Das Bauernhaus in Logabirum ist nicht das einzige Gebäude, welches vom Ehepaar Prahm gekauft, umgebaut und benannt worden ist, sagt Günter Prahm. Die Jugendherberge Leer ist seit 2012 auch unter dem Namen Rabbiner Manfred Gans-Jugendherberge bekannt. Gans entging dem Holocaust. Er floh 1938 mit seiner Familie von Leer nach New York, wo er 60 Jahre als Rabbiner tätig war. Am 9. August 2020 starb er im Alter von 96 Jahren.
Daneben existiert am Hafenkopf in Weener das Alle-Bruns-Haus. Auch dieses ließen Lore und Günter Prahm von 2016 bis 2018 kernsanieren. Namensgeber Alle Bruns kam 1875 schwerbehindert auf die Welt. Ihm fehlten beide Beine, sagt Günter Prahm. Deswegen bewegte er sich auf einer Art Rollbrett fort und spielte oft Mundharmonika und Triangel am Weeneraner Hafen. Die Lebenshilfe Leer organisiert heute im Alle-Bruns-Haus ein Wohntraining für insgesamt neun Menschen mit Beeinträchtigung.