Hamburg  AFD und FPÖ auf dem Vormarsch: In diesen Ländern sind die rechten Parteien am stärksten

Philip Jesse
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Von Philip Jesse
| 11.01.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Herbert Kickl, Chef der teils rechtsextremen FPÖ, hat gute Chancen der nächste Bundeskanzler Österreichs zu werden. Er ist kein Einzelfall – überall in Europa legen rechte Parteien bei Wahlen weiter zu. Foto: dpa/APA/Erwin Scheriau
Herbert Kickl, Chef der teils rechtsextremen FPÖ, hat gute Chancen der nächste Bundeskanzler Österreichs zu werden. Er ist kein Einzelfall – überall in Europa legen rechte Parteien bei Wahlen weiter zu. Foto: dpa/APA/Erwin Scheriau
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Rechtspopulisten haben im Jahr 2024 große Erfolge bei Wahlen in Frankreich, Österreich und Großbritannien gefeiert. Auch in Deutschland steht die AfD vor der Bundestagswahl gut da. Wie stark rechte und rechtsextreme Parteien in den Parlamenten Europas vertreten sind, zeigt eine Grafik.

Die politische Landkarte Europas färbt sich seit mehreren Jahren neu ein. Seit 2023 stellen rechtspopulistische Parteien in europäischen Staaten zunehmend häufiger die Regierung. Darunter beispielsweise Giorgia Melonis postfaschistische Fratelli d’Italia in Italien oder die PVV unter Geert Wilders in den Niederlanden.

Zu diesem Kreis zählt seit kurzem auch Österreich, wo die teilweise rechtsextreme FPÖ unter Herbert Kickl nach ihrem Wahlsieg im September 2024 und dem Scheitern von Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und Neos nun eine neue Regierung bilden soll.

Und auch in Deutschland könnte die in Teilen rechtsextreme AfD nach ihren Triumphen bei den Landtagswahlen im Osten bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 laut aktuellen Umfragen mit bis zu 21,5 Prozent zur zweitstärksten Kraft werden.

Doch nicht nur in Zentraleuropa erstarken Nationalisten und Populisten. Wie stark rechte oder gar rechtsextreme Parteien inzwischen in den Parlamenten der europäischen Staaten vertreten sind, zeigt eine aktuelle Grafik von Statista.

Auch wenn es in vielen Fällen nicht für eine Regierungsbeteiligung reichte, haben rechte Parteien von den vorgezogenen Neuwahlen in einigen europäischen Ländern stark profitiert.

In Frankreich etwa gewann das rechtsextreme Rassemblement National (RN) mit Marine Le Pen am 30. Juni 2024 den ersten Wahlgang der nach dem Europawahl-Debakel vorgezogenen Parlamentswahl mit rund 33 Prozent der Stimmen – ein Plus von mehr als 14 Prozent zur vorherigen Parlamentswahl 2022.

Der endgültige Wahlsieg des RN blieb jedoch aus, da sich im zweiten Wahlgang das linke Parteienbündnis und Präsident Emmanuel Macrons Mitte-Lager zweckmäßig zusammenschlossen. Dennoch fehlt es Macron an einer stabilen Mehrheit, weshalb Frankreich bereits vor der nächsten Regierungskrise steht.

In Großbritannien konnte die rechtspopulistische Reform UK Party unter Nigel Farage die Schwäche der konservativen Tories unter Premierminister Rishi Sunak bei den vorgezogenen Unterhauswahlen am 04. Juli 2024 voll ausnutzen. Zwar gewann Keir Starmers sozialdemokratischen Labour-Party die Wahl, doch Reform UK ergatterte rund 14,3 Prozent aller Wählerstimmen – 2019 waren es gerade einmal zwei Prozent.

Und auch in Portugal holte die rechtsextreme Partei Chega mit 18 Prozent bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 10. März 2024 mehr als doppelt so viele Stimmen wie 2022.

Eines der wenigen Länder in Europa, in dem rechte Parteien ihre Machtbasis nicht weiter ausbauen konnten, ist Polen. Hier vertrieb am 15. Oktober 2023 ein liberales Bündnis um Donald Tusk die rechtspopulistische PiS aus dem Amt. Dennoch holte die PiS mit 35,4 Prozent noch immer den größten Stimmenanteil bei der Wahl – von einem Linksruck kann man hier also nicht sprechen.

Neben der vorgezogenen Bundestagswahl in Deutschland stehen 2025 noch wichtige Parlamentswahlen in Norwegen und Tschechien an. In Norwegen entscheidet sich am 8. September, ob das skandinavische Land so wie Schweden und Finnland dem EU-Rechtsruck folgt. Bei der letzten Parlamentswahl 2021 erreichte die rechtsextreme Fortschrittspartei (FrP) 11,6 Prozent. Aktuelle Wahlumfragen sehen sie teilweise bei mehr als 25 Prozent – und damit als Wahlsieger.

Nur knapp einen Monat später, im Oktober 2025, finden in Tschechien Parlamentswahlen statt. Die jüngsten Umfragen sehen die rechtspopulistische ANO unter der Führung des Ex-Premiers Andrej Babiš mit 33,9 Prozent der Stimmen deutlich vor der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) unter Ministerpräsident Petr Fiala.

Ein Sieg von Babiš würde eine rechtsextreme Achse in Mitteleuropa stärken, zu der auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán und der slowakische Präsident Robert Fico gehören.

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