Schiffbruch in der Karibik So knapp ist der Hooksieler Segler mit dem Leben davongekommen
André Engelhardt (32) hatte Riesen-Glück: Bei dem Schiffbruch am Montag in der Karibik kamen er und seine drei Mitsegler knapp mit dem Leben davon.
Emden/Curaçao - So recht begreifen kann er noch nicht, wie knapp er mit dem Leben davongekommen ist: Skipper André Engelhardt aus Hooksiel ist nach seinem Schiffbruch in der Karibik glücklich wieder zu Hause. Am Donnerstag, den 9. Januar 2025, landete der 32-Jährige in Amsterdam und wurde von seinen erleichterten Eltern in Empfang genommen. Gerettet hat er außer seinem Leben nur, was er auf dem Leib trug: Shorts und T-Shirt. Sein gesamtes Reisegepäck und das seiner drei Mitsegler aus Alaska, England und Schweden ist mit dem gesunkenen Katamaran „Second Wind“ untergegangen. Ob die gekenterte Yacht geborgen werden kann, war bis zum Abflug des Profi-Seglers offen.
Auf hoher See kenterte der Katamaran wegen eines Lecks
Am Montag, den 6. Januar, war er beim Überführungstörn von den Britischen Jungferninseln nach Panama in der Karibik in Seenot geraten. Der Katamaran hatte etwa 320 Kilometer (150 Meilen) nordwestlich von Aruba Wasser genommen und war gekentert. Die Küstenwache der Karibik fischte die vier Schiffbrüchigen nach mehreren Stunden im Rettungsfloß aus der See.
André Engelhard unternimmt als Skipper weltweit Segeltörns und Jachtüberführungen. Auch beruflich hat er mit der See zu tun. Er ist Schiffsmechaniker (Matrose) beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt und auf den Behördenschiffen in der gesamten Deutschen Bucht unterwegs.
„Vom Wassereinbruch bis zum Kentern sind vielleicht zehn Minuten vergangen“, schildert der Hooksieler Segler, Mitglied der Segelkameradschaft Horumersiel. Nach fünf Tagen auf See hatte sich die Notausstiegsluke unten zwischen den beiden Rümpfen des Katamarans gelöst. Alle Versuche, das etwa 40 mal 40 Zentimeter große Loch zu schließen, schlugen fehl. Der Katamaran, eine Lagoon 42 französischer Bauart, habe sich auf die Seite gelegt und sei dann umgeschlagen.
Vier Segler retten sich mit nichts als dem, was sie am Leib haben
Die Crew rettete sich zunächst auf den kieloben treibenden Schwimmer. Weil die Rettungsinsel, wie üblich am Heck des Bootes festgezurrt, nun unter Wasser war, mussten die vier Männer sie in mehreren Tauchgängen lösen. Glücklicherweise hatte einer der Segler ein Messer in der Tasche gehabt, als der Katamaran umschlug. Und einen Notrufsender hatten die vier Schiffbrüchigen ebenfalls zur Hand, als sie in die Rettungsinsel kletterten. So konnte André Engelhardt über Satellit einen Notruf absetzen. Die Meldung lief unter anderem bei der SGzRS-Station Horumersiel auf, von wo aus sie in die Seenotzentrale Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger weitergeleitet wurde. Die verständigte die niederländische „Kustwacht Caribikgebied“ auf Curacao/niederländische Antillen.
„Wir hatten keine Angst“
Und so kam die Rettungskette in Gang. Fünf Stunden nach dem Wassereinbruch war die Crew gerettet. Bis dahin hatten die vier Männer kräftig Wasser aus dem Floß schöpfen müssen. Denn bei sieben bis acht Windstärken und dreieinhalb Metern Welle schwappte die See stetig in die Rettungsinsel. „Angst hatten wir nicht, denn unser Notruf wurde bereits nach 30 Minuten quittiert. Von da ab wussten wir, dass Hilfe kommen würde“, sagt André Engelhardt. Aber das Warten auf Rettung hätte noch zur Qual werden können, wenn es länger gedauert hätte. Denn etwas zu essen oder Wasser hatten sie nicht im Rettungsfloß. Auch dabei hatten die vier Glück im Unglück: Sie trieben gerade noch so in der Reichweite des Rettungshubschraubers.
André Engelhardt muss nun als erstes einen neuen Pass beantragen. Denn seiner ist mit dem Katamaran verloren gegangen. In Curacao hatten die Segler der Polizei Rede und Antwort stehen müssen. Sie waren dann mit vorläufigen Ersatzpässen ins Flugzeug nach Hause gesetzt worden.