Berlin  Elon Musk sprach mit Alice Weidel – na und? Davon geht die Welt nicht unter

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 10.01.2025 07:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Alice Weidel in ihrem Büro. Sie bekommt Wahlkampfhilfe von US-Milliardär Elon Musk. Foto: AFP/Kay Nietfeld
Alice Weidel in ihrem Büro. Sie bekommt Wahlkampfhilfe von US-Milliardär Elon Musk. Foto: AFP/Kay Nietfeld
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Etwas mehr als 200.000 Menschen verfolgten das Gespräch zwischen Trump-Berater Elon Musk und AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel. Das stellt den Wahlkampf in Deutschland längst nicht auf den Kopf.

Für Alice Weidel war das Gespräch mit Elon Musk auf der Plattform X zweifellos ein Erfolg. Zwei Tage vor dem AfD-Parteitag verschafft ihr der Trump-Berater und Tech-Milliardär einen Triumph hin zur Normalisierung: Wenn selbst Musk mit der AfD spricht, kann sie doch so schlimm nicht sein. Viele in den USA dürften nun „Alice Wiedel“ kennen, wie Musk die deutsche Sprecherin der in Teilen rechtsextremen Partei zu Beginn ihrer Unterhaltung ansprach. Aber stellt das den Wahlkampf in Deutschland auf den Kopf? Eher nicht. 

Erstens verfolgten das Gespräch mit etwa 200.000 Zuhörern weit weniger Menschen, als man angesichts der Followerzahlen von Weidel und vor allem Musk hätte erwarten können. Zweitens enthielt das Gespräch wenige spannende Momente, sondern viel gegenseitige Bestätigung. Über weite Teile war es erschreckend banal. Man hätte mehr erwarten können, wenn sich zwei „Visionäre“ treffen, für die sich ja beide halten.

Was Weidel zu Beginn des Gesprächs als Vorteil bejubelte, entpuppte sich als Nachteil. Endlich könne sie einmal ausreden, von den von ihr so betitelten „Mainstream-Medien” werde sie immer unterbrochen. Doch Musk ist eben kein Journalist und stellte ihr keine interessanten Fragen. 

Zwischenzeitlich wirkte es, als sei Deutschland eine entfernte Bananenrepublik, von der der Tech-Milliardär bisher kaum etwas gehört hatte. Dabei ging er rund um den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg in der deutschen Spitzenpolitik ein und aus. Zu seinem Erstaunen berichtete Weidel, in deutschen Schulen werde nicht mehr Schreiben und Rechnen, sondern nur noch „links-woke Gender-Ideologie” unterrichtet. Überraschend dürfte für die Zuhörer auch die Einschätzung von Weidel sein, dass Adolf Hitler in Wahrheit ein Linker gewesen sein soll. Sein Rassenwahn? Für Weidel nicht der Rede wert.

Musk sagte mittendrin recht unvermittelt, nur die AfD könne Deutschland retten und er würde empfehlen, sie zu wählen. Er begründete das allerdings nicht weitergehend. Eher wirkte es, als habe er schlicht Gefallen an der Disruption. Einfach mal was Neues ausprobieren. Warum nicht? Er will ja demnächst auch das Leben auf dem Mars ermöglichen. Mit Weidel und der AfD scheint er sich nicht tiefergehend beschäftigt zu haben. 

Trump hat ihn ja auch nicht als nächsten Außenminister der USA in sein Team geholt, sondern als Chef-Bürokratie-Bekämpfer. Hierzulande sollte man das Gespräch mit mehr Gelassenheit zur Kenntnis nehmen. Zum Wahlkampfschlager für Weidel wird es doch vor allem durch die Kritik daran, dass es überhaupt stattfand. 

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