Hamburg ARD schaltet SD-Sender ab: Fernsehtechniker im Dauerstress – was sie berichten
Weil die ARD die SD-Programme ihrer öffentlich-rechtlichen Fernsehsender abschaltet, haben Fernseh- und Hobbytechniker viel zu tun gehabt. Experten berichten von ihren Erlebnissen.
Die ARD und die dritten Programme gibt es ab sofort nur noch in HD-Qualität. Am vergangenen Dienstag ist die Standardqualität (SD) für die Satelliten-Verbreitung endgültig eingestellt worden, große Kabelnetzbetreiber wollten bei der Abschaltung zeitgleich mitziehen.
Doch die Umstellung hat für viel Verwirrung unter Fernsehnutzern gesorgt. Bei dem einen oder anderen machte sich Überforderung breit, als es hieß, statt der Lieblingssendung könnte nur noch ein Rauschen auf dem Bildschirm zu sehen sein. Das sorgte wiederum für Stress bei denen, die versucht haben, das Senderproblem zu beheben.
Auf Tiktok hat ein Nutzer davon berichtet, wozu die Umstellung in seiner Nachbarschaft geführt hat: „Ich habe gestern eine vier oder fünf Stunden lange Tour durch die Nachbarschaft gemacht, weil die ganzen Rentner am Tag vorher in Panik verfallen sind, dass sie ihre Lokalzeit nicht mehr gucken können“, erklärt der Mann, der sich laut seinem Profil gut mit Technik auskennt.
In den Kommentaren berichtet jemand, der angibt, Altenpfleger zu sein, dass in seinem Altenheim mit 160 Plätzen ein Ausnahmezustand herrschte, weil offenbar bei vielen Bewohnern die Sender umgestellt werden mussten. Eine weitere Nutzerin hat Sorge vor den kommenden Wochen: „Arbeite im technischen Support und freu mich schon auf die nächsten Wochen. Dass Pro7 sich kurzfristig in Pro8 umbenannt hat, sorgte auch schon für ‚Spaß‘ in der Hotline.“
Auch bei den Fernsehtechnikern klingelte das Telefon wegen der Änderung ununterbrochen. In einem Beitrag des NDR wird Harry Lorenz aus Hamburg vorgestellt, der „von Termin zu Termin eilt“. Ebenso sei das Auftragsbuch von Dirk Frielinghaus kurz vor der Umstellung prall gefüllt gewesen und das Telefon habe nicht mehr stillgestanden, heißt es in einem Beitrag des WDR.
Ähnliches berichtet auch Achim Sterling, Inhaber der Firma media@home, gegenüber unserer Redaktion: „Anfragen zu dem Thema gab es in den letzten Wochen viele. Die Verunsicherung war groß, ob man von der Abschaltung betroffen ist oder nicht, und wenn ja, was dann zu tun wäre.“ Für die meisten sei aber die Neueinstellung der Sender ausreichend gewesen, nur wenige Geräte hätten tatsächlich gegen neuere Modelle ausgetauscht werden müssen.
Am Abstelltag sei dann merkbar mehr los gewesen, aber bei ihm sei kein größeres Chaos entstanden. „Das dürfte zum einen auf die Einblendungen der Sender im Vorlauf zurückzuführen sein und zum anderen darauf, dass Fernsehgeräte schon sehr alt sein müssten – etwa 15 Jahre oder älter –, damit sie keine HD-Qualität übertragen können“, so Sterling.
Womöglich steht Ende 2025 noch einmal eine ähnliche Auftragsflut bei den Fernsehtechnikern an. Denn: Am 18. November wollen auch ZDF, ZDFinfo, ZDFneo, 3sat und KiKA die SD-Übertragung abschalten. Bei den großen deutschen Privatsendern, die der Senderfamilie ProSiebenSat.1 und RTL Deutschland angehören, ist die Abschaltung von SD-Sendern auf absehbare Zeit nicht geplant. Dort bekommen Verbraucher das HD-Signal gegen Aufpreis.