Warschau Misch dich nicht ein! Warum in Skandinavien die Angst vor Elon Musk wächst
Elon Musks sorgt nicht nur in den USA und Deutschland für Unruhe, auch in Skandinavien nutzt er seinen Einfluss. Von Norwegen über Schwedens bis Dänemark: Elon Musk mischt sich ein – und er polarisiert. Wie sich Skandinaviens politische Stimmung dadurch verändert.
Auch im Norden Europas fürchten sich die Regierungen mittlerweile vor dem Multiunternehmer Elon Musk und seiner Einflussnahme. Und vor dessen Manipulation: Der Trump-Unterstützer hat über X (vormals Twitter) eine Falschmeldung über den norwegischen Premierminister Jonas Gahr Störe geteilt, die bereits zwölf Millionen mal angesehen wurde – ein Bild zeigt den Sozialdemokraten neben Bill Gates, dabei soll sich der Norweger über die Einflussnahme Musks „in die inneren Angelegenheiten anderer Länder“ beschwert haben.
Diese Kritik hatte Störe geäußert, jedoch gegenüber dem TV-Sender NRK, nicht gegenüber dem Microsoft-Gründer, den der Politiker weit später getroffen haben solle. Musk, der den Beitrag mit der Frage „Was ist Ironie?“ betitelt, versucht so den norwegischen Regierungschef als Heuchler darzustellen. Der Milliardär sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als er die AfD als „Rettung“ für Deutschland anpries und König Charles dazu aufrief, die britische Regierung abzuberufen. Als „Fake News“ und eine „Gefahr für die Demokratie“ betitelt das Büro von Störe alarmiert den X-Beitrag.
Die Sorge in Oslo ist berechtigt – in Norwegen stehen im September Parlamentswahlen an, dabei könnte die rechte „Fortschrittspartei“ zusammen mit den „Konservativen“ die Koalition aus Sozialdemokraten und Zentrumspartei ablösen. Der Abgeordnete der Rechten, Marius Nilsen, sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als er Musk für den Friedensnobelpreis vorschlug. In den Medienkommentaren Norwegens wird gehofft, dass sich der Multiunternehmer nicht zu grob in die Innenpolitik einmischen wird – schließlich gehören dessen Elektromodelle Tesla zu den meistverkauften Autos in dem skandinavischen Land.
Anders sieht die Situation in Schweden aus – hier sind die Gewerkschaften im Konflikt mit dem Autokonzern, da dieser keinen Tarifvertrag akzeptieren mag, Tesla wird seit Herbst 2023 bestreikt. Seitdem kritisiert der reichste Mann der Welt immer mal wieder die Zustände in dem skandinavischen Land, etwa die Bandenkriminalität von Migranten, ein Thema, welches Donald Trump bereits 2017, in seiner ersten Amtszeit, aufgegriffen hatte.
Gegen Ausländer will die rechte Partei „Schwedendemokraten“ härter vorgehen. Bezeichnenderweise hat sie sich auch gegen die Gewerkschaften und für den Technologie-Mogul positioniert; wohl in der Hoffnung, via X von Musk gelobt zu werden.
Dänischen Politikern gab Musk kürzlich Anlass, Stellung zu beziehen – er zweifelte die offizielle Liste von Nationalitäten an, welche in Dänemark an Verbrechen beteiligt sind. Auch die dänischen Volksvertreter sorgten sich, dass weitere Einmischungen des US-Amerikaners folgen könnten.
Und die Rechten hoffen gerade darauf: zumindest biederten sich die Vertreter zweier rechter Parteien Musk via X an. Die meiste Aufregung in Dänemark erregte jedoch der angehende US-Präsident Donald Trump, welcher Anfang dieser Woche bekannte, militärische Maßnahmen nicht auszuschließen, um Kontrolle über Grönland zu bekommen. Die Insel ist halbautonom, die Außen- und Sicherheitspolitik wird von Kopenhagen bestimmt.
Auch hierzu hat der Multimilliardär eine Meinung:„Ich glaube, sie (die Grönländer) würden gerne Teil der USA werden“. Zumindest zwei der schwerreichen Mitgründer des Internet-Bezahldiensts „Paypal“, an welchem auch Musk beteiligt ist, arbeiten daran: Ken Howery wird bald als Botschafter in Kopenhagen Einfluss auf den geplanten Arktis-Deal nehmen, Peter Thiel habe hierzu bereits „Geheimverhandlungen“ mit der grönländischen Regierung in Nuuk geführt.