Gefahr an Landstraße  Das lange Warten auf den Radweg nach Oldersum

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 09.01.2025 06:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So sieht die Landesstraße 1 aus Sicht von Radfahrern und Fußgängern aus. „Das ist lebensgefährlich“ – dieser Meinung sind viele Einwohner in Oldersum. Foto: Ortgies
So sieht die Landesstraße 1 aus Sicht von Radfahrern und Fußgängern aus. „Das ist lebensgefährlich“ – dieser Meinung sind viele Einwohner in Oldersum. Foto: Ortgies
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Seit mindestens 22 Jahren fordern Einwohner und Politiker aus Oldersum den Bau eines Radwegs an der Landstraße nach Riepe. Jetzt gab es dort einen tödlichen Unfall.

Oldersum - Die Bestürzung in Oldersum ist groß. Obwohl Einwohner der Ortschaft sowie der Ortsrat seit Langem den Bau eines Geh- und Radweges an der Landstraße nach Riepe fordern, lässt dieses Projekt auf sich warten. Umso größer ist die Erschütterung, dass es jetzt einen tödlichen Unfall an der Landesstraße 1 gegeben hat. Für Ortsbürgermeister Jens de Vries steht fest: „Der Radweg muss unbedingt kommen.“

Das Unglück hat dazu geführt, dass sich zahlreiche Menschen bei ihm erkundigt haben, warum es noch immer keinen Geh- und Radweg an der L1 gibt. „Wir als Gemeinde können da nichts machen“, gibt er zu bedenken. Trotzdem habe er direkt Kontakt zum Landtagsabgeordneten Nico Bloem (SPD) aus Weener aufgenommen. Der Politiker soll bei der Straßenbaubehörde auf die Umsetzung der Pläne pochen. Im vergangenen Jahr hatte Bloem an der jährlichen „Erinnerungsfahrt“ von Riepe nach Oldersum teilgenommen.

Jedes Jahr wird auf dem Fahrrad demonstriert

Dieser Fahrradkorso wird jährlich von den Ortsräten Oldersum, Riepe und Simonswolde sowie Initiatoren aus Riepsterhammrich organisiert, um auf die gefährliche Situation zwischen den beiden Orten aufmerksam zu machen. An der Straße gibt es erst nahe Oldersum einen Gehweg. Wer mit dem Fahrrad nach Riepe will (oder in Gegenrichtung) lebt nach Ansicht von Jens de Vries gefährlich. Zwar gilt an der Strecke ein Tempolimit von 70 Kilometer pro Stunde, aber ob sich daran jeder hält? „Es wird jedenfalls häufig geblitzt“, sagt de Vries.

Wie schon in den vergangenen Jahren hatten Einwohner von Oldersum und Riepe im Mai 2024 bei einem Fahrradkorso auf die gefährliche Situation an der L1 aufmerksam gemacht. Foto: Wolters/Archiv
Wie schon in den vergangenen Jahren hatten Einwohner von Oldersum und Riepe im Mai 2024 bei einem Fahrradkorso auf die gefährliche Situation an der L1 aufmerksam gemacht. Foto: Wolters/Archiv

Er kenne kaum jemanden, der mit dem Fahrrad an der Landstraße fahre, wenn es nicht unbedingt sein müsse. „Es gibt andere Wege durch den Hammrich, die dafür genutzt werden“, sagt der Ortsbürgermeister. Umwege würden dafür in Kauf genommen. Aber für manche Menschen geht es nicht anders. De Vries berichtet von Geflüchteten, die in Oldersum in einer Unterkunft leben, aber täglich nach Riepe ins Gewerbegebiet fahren. „Die haben wir vom Ortsrat mit reflektierenden Westen ausgestattet“, sagt er.

Es gab zwei tödliche Unfälle

Der Ortsrat habe sich auch schon darum bemüht, das Tempolimit noch weiter, auf 50 Stundenkilometer, zu senken. Bisher ohne Erfolg. Schon 2018 gab es einen Unfall, bei dem ein junger Auszubildender ums Leben kam, als er morgens auf dem Weg zur Arbeit von einem alkoholisierten Autofahrer angefahren wurde. Auf Nachfrage bestätigt die Polizeiinspektion Leer-Emden, dass es diese Unfälle gab, andere Vorkommnisse mit Fußgängern, Radfahrern und Autos seien aus den vergangenen zehn Jahren nicht bekannt.

Vor rund zehn Jahren hatte sich eine Mutter an diese Zeitung gewandt, weil ihr Kind zur Turnstunde beim TV Oldersum mit dem Fahrrad fahren musste. Doch das war ihr zu gefährlich, sie selbst hatte keinen Führerschein und konnte das Kind nicht fahren. An der Situation hat sich bis heute nichts geändert. „Zuletzt wurde ein Baubeginn für 2027 oder 2028 angekündigt“, sagt de Vries. Könnte der Unfall jetzt den Bau des Radwegs beschleunigen?

Fachkräftemangel in der Behörde

Die Landesstraßenbaubehörde in Aurich bedauere den tragischen Unfall und werde „den Hergang bei der nächsten Sitzung der Verkehrssicherheitskommission intensiv besprechen“, sagt der Pressesprecher der Behörde, Johannes Booken: „Sie dürfen sicher sein, dass unsere Kolleginnen und Kollegen bereits an den Planungsunterlagen arbeiten“, heißt es in seiner Antwort auf unsere Anfrage an die Behörde. Trotzdem kann er nur wenig Hoffnung auf eine rasche Umsetzung machen.

Die Fachabteilung sei vom Fachkräftemangel betroffen und habe daher die Planungsarbeiten nicht beschleunigen können. „Abgeschlossen sind bereits die notwendigen Vermessungsarbeiten. Darüber hinaus erfolgte die Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden“, so Booken. Doch derzeit gehe er davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren für den Bau des Radweges entlang der Landesstraße 1 zwischen Oldersum und Riepe in der zweiten Jahreshälfte 2027 beantragt werde.

Wie weit ist das Projekt gediehen?

Nach der Mitteilung der Landesstraßenbaubehörde werden in diesem Jahr Ingenieurbüros beauftragt, die Strecke zu entwerfen und einen Plan für die Landschaftspflege zu erstellen. Sobald die Pläne offiziell genehmigt sind, werde die detaillierte Planung durchgeführt, die Ausschreibungsunterlagen sollen erstellt und das benötigte Land gekauft werden. „Hiernach kann dann mit dem eigentlichen Bau begonnen werden“, so Booken.

Nach einem Baubeginn im Jahr 2027 klingt das nicht. Ortsbürgermeister Jens de Vries will anregen, ob vorher nicht andere Möglichkeiten umgesetzt werden können, um Radfahrern und Fußgängern an der L1 mehr Sicherheit zu geben. Gekennzeichnete Fahrradstreifen auf der Fahrbahn oder eine weitere Senkung der Geschwindigkeit für motorisierte Fahrzeuge gehören zu seinen Vorschlägen.

Mit dieser Forderung kämpft eine Bürgerinitiative für einen Radweg von Holte nach Potshausen. Foto: Zein/Archiv
Mit dieser Forderung kämpft eine Bürgerinitiative für einen Radweg von Holte nach Potshausen. Foto: Zein/Archiv

Die Straße zwischen Oldersum und Riepe ist nicht die einzige, an der Anwohner für einen Radweg kämpfen. Eine ähnliche Situation besteht an der Landesstraße zwischen Holte und Stickhausen. Dort setzt sich ein Bürgerinitiative ebenfalls seit Jahren für den Bau eines Radweges ein. Aber auch dieses Projekt steckt in der Planungsphase. Beide Vorhaben sind zudem davon abhängig, dass der Niedersächsische Landtag die entsprechenden Mittel freigibt, wenn die Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen.

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