Hilfsprojekt für Kinder  Leeraner erlebte in Kenia Achterbahnfahrt der Gefühle

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 08.01.2025 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Stefan Kroon hat auch bei der Essensausgabe geholfen. Foto: Kroon
Stefan Kroon hat auch bei der Essensausgabe geholfen. Foto: Kroon
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Seit 2001 ermöglicht der Verein „Little Angel“ Waisenkindern in Kenia eine Schulbildung. Eine Gruppe aus Ostfriesland besuchte das Hilfsprojekt. Stefan Kroon war dabei und schildert seine Eindrücke.

Landkreis Leer - Stefan Kroon hat schon viele Länder gesehen. Seine letzte Reise hat ihn aber ganz besonders berührt. „Afrika behält man im Herzen“, sagt der 29-Jährige nach seinem Besuch in Kenia. Der Leeraner hat dort keinen klassischen Strandurlaub verbracht, sondern das Hilfsprojekt des Vereins „Little Angel“ besucht. „Die krasse Armut, die Herzlichkeit und die Fröhlichkeit der Menschen zu erleben – das war für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle“, beschreibt er seinen Eindruck.

Anja Friedrich kann das gut nachempfinden. Die gebürtige Tichelwarferin hat den Verein „Little Angel“ (Kleiner Engel) 2011 gegründet. Sie hat das Kinderheim in Likoni, einem Vorort der kenianischen Metropole Mombasa, mit einem Hilfsprojekt vor der Auflösung bewahrt. Mit Unterstützung unzähliger Spender aus dem gesamten Landkreis Leer hat der Verein seitdem vielen Waisen und Kindern aus armen Familien ermöglicht, durch Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe einen Weg aus der Armut zu finden.

Nach dem Neubau des Waisenhauses entstand dieses Foto mit Vereinsgründerin Anja Friedrich. Die Mädchen und Jungen halten Zettel mit den Worten „Thank you“ in den Händen. Der Dank der Kinder galt damals den Spendern aus dem gesamten Landkreis Leer, die den Bau des Waisenhauses ermöglicht haben. Foto: Friedrich
Nach dem Neubau des Waisenhauses entstand dieses Foto mit Vereinsgründerin Anja Friedrich. Die Mädchen und Jungen halten Zettel mit den Worten „Thank you“ in den Händen. Der Dank der Kinder galt damals den Spendern aus dem gesamten Landkreis Leer, die den Bau des Waisenhauses ermöglicht haben. Foto: Friedrich

Waisenhaus und Grundschule

Stefan Kroon hat die Einrichtung in Likoni Mitte Oktober mit sechs weiteren Mitreisenden aus Leer, dem Rheiderland und Emden besucht. Über seine Kollegin Sandra Voogd, die zu den Gründungsmitgliedern von „Little Angel“ gehörte, hatte der OVB-Mitarbeiter von der Arbeit des Vereins erfahren und wollte sich vor Ort selbst einen Eindruck verschaffen.

Die Mädchen und Jungen halten Zettel mit den Worten „Thank you“ in den Händen. Der Dank der Kinder gilt den Unterstützern aus dem gesamten Landkreis Leer. Foto: Kroon
Die Mädchen und Jungen halten Zettel mit den Worten „Thank you“ in den Händen. Der Dank der Kinder gilt den Unterstützern aus dem gesamten Landkreis Leer. Foto: Kroon

Kern des Projekts ist das Little Angel-Kinderheim. Dort leben nicht nur neun Waisenkinder. Auch etwa 160 Mädchen und Jungen aus armen Familien werden dort verpflegt und können die Schule besuchen. „Die Kinder sprechen super Englisch und lernen das schon am Ende der Kindergartenzeit“, berichtet Stefan Kroon. In der Schule bekommen die Kinder auch zu Essen. „Während der zweimonatigen Ferien fällt das weg, viele Kinder müssen in der Zeit oft hungern“, erzählt der Leeraner. Daher hatte die Reisegruppe für die Familien zur Schulentlassungsfeier Lebensmittel wie Mehl und Zucker mitgebracht, damit sie während der Zeit über die Runden kommen.

Ausbildung kostet in Kenia Geld

Aufgefallen seien ihm auf der Feier einige Besucher, die altersmäßig nicht so recht da reinpassten. „Das waren ehemalige Waisen, die inzwischen eine Ausbildung absolviert haben oder studieren“, erzählt Kroon, „da erkennt man, was möglich ist, was aus Kindern werden kann, wenn sie einen Zugang zur Bildung haben.“ In Kenia gibt es keine Lehre wie in Deutschland. „Es gibt dort nur eine schulische Berufsausbildung. Die kostet aber Geld und kann von armen Familien nicht finanziert werden“, erzählt Anja Friedrich.

Das Straßenleben in Likoni ist turbulent. Foto: Kroon
Das Straßenleben in Likoni ist turbulent. Foto: Kroon

Für einige Mädchen und Jungen übernimmt der Verein die Kosten für eine Ausbildung oder für ein Studium. „Eine Schülerin ist jetzt medizinische Angestellte, eine andere hat studiert und ist Sozialarbeiterin, wieder eine andere ist auf dem Weg, Lehrerin zu werden“, freut sich Anja Friedrich. Einige Schüler werden während ihrer Schul- und Ausbildungszeit von Paten unterstützt. Eine Ostfriesin, berichtert Kroon, habe erstmals ihr Patenkind persönlich getroffen, für das sie die Ausbildungskosten übernimmt. Das sei sehr berührend gewesen. Kroon überlegt, selbst eine Patenschaft zu übernehmen. Vielleicht für den kleinen Ali.

Mit dem kleinen Ali hat Stefan Kroon schnell Freundschaft geschlossen. Foto: Kroon
Mit dem kleinen Ali hat Stefan Kroon schnell Freundschaft geschlossen. Foto: Kroon

Paten unterstützen Kinder

„Der Junge ist etwa vier oder fünf Jahre alt und ist sehr lebendig und aufgeschlossen“, erzählt der Leeraner, „wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Er wollte am liebsten die ganze Zeit mit meinem Smartphone Fotos machen.“ Apropos Smartphone. In Kenia seien Handys allgegenwärtig. Die Geräte seien teilweise total veraltet, werden aber trotzden nicht nur zum Telefonieren benutzt. „Selbst an den einfachsten Ständen zahlen die Leute mit einem ähnlichen System wie Paypal mit dem Handy“, berichtet Anja Friedrich. Stefan Kroon war über die Netzabdeckung verblüfft. „Selbst in den abgelegensten Ecken funktionierte das Netz bestens.“

Die Besucher aus Deutschland haben in Likoni aber auch mit angepackt. „Wir haben zum Beispiel Klassenzimmer gestrichen“, berichtet Kroon. Im Likoni Women Centre lernten er und seine Mitreisenden auch die Projekte für alleinerziehende Frauen kennen. Die Frauengruppe „Likoni Women Hope & Eco“ sammelt und trennt Plastikmüll am Strand gegen ein kleines Entgelt.

Stefan Kroon hat das Leben in dem Waisenhaus mit angeschlossener Grundschule in Likoni selbst kennengelernt und ist begeistert, was der Verein „Little Angel“ in den zurückliegenden Jahren dank Spenden aus Ostfriesland schon erreicht hat. Foto: Kroon
Stefan Kroon hat das Leben in dem Waisenhaus mit angeschlossener Grundschule in Likoni selbst kennengelernt und ist begeistert, was der Verein „Little Angel“ in den zurückliegenden Jahren dank Spenden aus Ostfriesland schon erreicht hat. Foto: Kroon

Hilfe für alleinerziehende Frauen

16 weitere Frauen wurden vom Verein Little Angel für ein anderes Projekt ausgebildet. Die sogenannten Rainworkerinnen leisten in Kirchengemeinden, an Schulen und in Dörfern Aufklärungsarbeit unter anderem um Teenagerschwangerschaften vorzubeugen. Besucht haben Kroon außerdem die eigene Näherei des Vereins betrieben. Dort wurden unter anderem schon mehr als 10.000 waschbare Damenbinden gefertigt, die durch die Rainworkerinnen an junge Mädchen verteilt werden. Und der Verein hat auch schon neue Pläne. „Wir sind dabei, ein berufliches Trainingscenter aufzubauen“, berichtet Anja Friedrich. Mithilfe einer Stiftung konnte bereits ein Haus angemietet werden. „Jeweils zehn Schüler können dort innerhalb eines halben Jahres in den Bereichen IT und Elektrik ausgebildet werden.“ Nach der Prüfung hätten sie die Grundlage, ihr eigenes Geld zu verdienen.

Stefan Kroon ist begeistert von den Projekten und den Menschen, denen die Gruppe aus Ostfriesland in Kenia begegnet ist. „Wir sind dort überall wie Familienmitglieder aufgenommen worden“, sagt der 29-Jährige. Was ihn am meisten beeindruckt habe, sei die Fröhlichkeit, die die Menschen ausstrahlten. „Egal, ob Kinder oder Erwachsene – alle sind fröhlich und strahlen immer. Ihr Lachen ist ansteckend.“

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