Seenot in der Karibik  Segler aus Hooksiel treibt fünf Stunden im Rettungsfloß

| | 08.01.2025 14:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Seenot: Fünf Stunden trieben André Engelhardt und seine drei Mitsegler in der Rettungsinsel etwa 320 Kilometer (150 Meilen) nordwestlich von Aruba. Foto: Kustwacht Caribischgebied
In Seenot: Fünf Stunden trieben André Engelhardt und seine drei Mitsegler in der Rettungsinsel etwa 320 Kilometer (150 Meilen) nordwestlich von Aruba. Foto: Kustwacht Caribischgebied
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André Engelhardt (32) ist ein Abenteurer. In der Karibik sank am Montag der Katamaran, den er nach Panama überführte.

Emden/Curaçao - Das war knapp: Beim Überführungstörn von den Britischen Jungferninseln nach Panama ist ein 32 Jahre alter Segler aus Hooksiel in der Karibik in Seenot geraten. Der Katamaran mit André Engelhardt und drei weiteren Crew-Mitgliedern sank am Montag, 6. Januar 2025, etwa 320 Kilometer (150 Meilen) nordwestlich von Aruba. Die Küstenwache der Karibik fischte die vier Schiffbrüchigen nach mehreren Stunden im Rettungsfloß aus der See.

Weltweit als Segler unterwegs

André Engelhardt, Mitglied der Segelkameradschaft Horumersiel (SKHS), ist ein Abenteurer: Er unternimmt als Skipper weltweit Segeltörns und Jachtüberführungen. Auch beruflich hat er mit der See zu tun. Er ist Schiffsmechaniker (Matrose) beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt und auf den Behördenschiffen in der gesamten Deutschen Bucht unterwegs. Um Zeit für seine Abenteuer zu haben, hat er seine Stelle auf 50 Prozent gekürzt.

André Engelhardt (32) ist ein Abenteurer und segelt weltweit. Foto: privat
André Engelhardt (32) ist ein Abenteurer und segelt weltweit. Foto: privat

Den ca. 13 Meter langen, luxuriösen Katamaran sollte er als verantwortlicher Skipper von den Britischen Jungferninsel (Kleine Antillen) zur Inselgruppe San Blas vor der Küste Panamas überführen. Dort sollte der Katamaran eines Charterunternehmens repariert werden, erzählt Engelhardt. Für den rund 1000 Seemeilen (1852 Kilometer) langen Törn hatte er drei Mitsegler an Bord genommen. Die Männer aus Alaska, England und Schweden hatte er über die sozialen Medien angeworben.

Nach Leck beginnt Katamaran zu sinken

Die Küstenwache der Karibik hatte am Montag die Meldung vom Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) Bremen, der deutschen Rettungsleitstelle See, erhalten, dass ein Katamaran 150 Meilen nordwestlich von Aruba in Seenot sei. Der Katamaran mit vier Mann an Bord war gesunken und hatte die Besatzung gezwungen, das Schiff schnell zu verlassen, heißt es in der Mitteilung der „Kustwacht Caribischgebied“. Sofort wurde das Patrouillenflugzeug der Küstenwache von der maritimen Rettungsleitstelle der Karibik – dem Maritime Operations Center (MOC) – zur angegebenen Position geschickt, um eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Die Flugzeug-Besatzung konnte beobachten, dass die Personen in einem Rettungsfloß hockten und ihr Schiff „Second Wind“ sank, schildert die Küstenwache die Situation.

Der Hubschrauber der Küstenwache bereitet die Bergung der Schiffbrüchigen aus der Rettungsinsel vor. Foto: Kustwacht Caribischgebied
Der Hubschrauber der Küstenwache bereitet die Bergung der Schiffbrüchigen aus der Rettungsinsel vor. Foto: Kustwacht Caribischgebied

Gerettet nach fünf Stunden in der Rettungsinsel

So wurde der Hubschrauber der Küstenwache alarmiert, um die vier Männer zu retten. Bis zu seinem Eintreffen kreiste das Flugzeug über der Position der Schiffbrüchigen, um das Rettungsfloß im Auge zu behalten. Die Hubschrauberbesatzung zogen die Ertrinkenden aus dem Rettungsfloß an Bord und nahm sie mit nach Curaçao. Dort wurden sie den Einwanderungsbehörden übergeben und konnten anschließend sicher nach Hause zurückkehren. Das MOC hat darüber hinaus eine Warnung an alle Schiffe in der Region gesendet, auf den sinkenden Katamaran auf See zu achten.

Von dem havarierten Katamaran sind nur die teilweise aus dem Wasser ragenden Rumpfunterseiten zu sehen. Foto: Kustwacht Caribischgebied
Von dem havarierten Katamaran sind nur die teilweise aus dem Wasser ragenden Rumpfunterseiten zu sehen. Foto: Kustwacht Caribischgebied

André Engelhardt selbst hat sich über Instagram gemeldet. Er berichtet: Nach fünf Tagen auf See hat sich die Notausstiegsluke unten zwischen den beiden Rümpfen des Katamarans gelöst. Alle Versuche, das etwa 40 mal 40 Zentimeter große Loch zu schließen, schlugen fehl, meldete er. Schon zehn Minuten später sei der Steuerbord-Rumpf – also der linke Schwimmkörper – voll Wasser gewesen. Kurz darauf drehte sich der Katamaran und kenterte. Die vier Mann kletterten auf die Unterseite des Rumpfs und versuchte von dort aus, die Rettungsinsel vom Deck zu lösen, das sich ja nun unter Wasser befand. „Nach mehreren Tauchversuchen gelang es uns, die Rettungsinsel freizuschneiden“, schreibt André Engelhardt. Es herrschte ein böiger Wind von 30 bis 35 Knoten (Windstärke 7 bis 8 Beaufort) und rund 3,5 Meter Welle. Fünf Stunden später dann die Rettung durch den Helikopter der niederländischen Küstenwache.

„Nur ein paar Kratzer“

„Wir haben bei dieser Aktion all unsere Sachen verloren“, schreibt André Engelhardt. Und: „Zum Glück ist außer ein paar Kratzern keiner zu Schaden gekommen.“

Die drei ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curacao sind Teil der Inselgruppe der kleinen Antillen vor der Küste Venezuelas. Sie sind gleichberechtigte Länder des Königreiches der Niederlande.

Der Schiffbruch ist der dramatische Höhepunkt des Segelabenteuers André Engelhardts in diesem Winter: Im Dezember war der 32-Jährige mit der Expeditionsjacht „Icebird“ als Techniker der Crew von Feuerland aus durch die Antarktis gesegelt. Rund 8000 Seemeilen von seiner Heimat entfernt hatte er das Leben und Segeln in der unwirtlichsten Region der Erde kennen gelernt. „Da wollte ich schon immer mal hin“, sagt der abenteuerlustige Segler, der schon den Atlantik bezwungen hat und im vergangenen Sommer die Regatta „Rund Dänemark“ mit einer Zwei-Mann-Crew gewonnen hat.

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