Hannover Nach Ampel-Aus: Mitgliederboom bei Parteien in Niedersachsen – eine profitiert besonders
Das vorzeitige Ende der Ampel-Koalition hat in Niedersachsen offenbar das Interesse an den Parteien beflügelt, die Landesverbände wachsen kontinuierlich. Welche Parteien besonders profitieren.
Nach dem Ampel-Aus in Berlin mobilisieren die Parteien für die Bundestagswahl am 23. Februar nicht nur Wählerstimmen. Auch die Zahl ihrer Mitglieder steigt. In Niedersachsen profitieren besonders die Grünen von dem Trend. Sie können in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 2500 verbuchen. Unsere Redaktion hat bei den Parteien nachgefragt.
Zu Jahresanfang lag die Mitgliederzahl der Grünen in Niedersachsen bei 14.727 (Stand 2.1.2025), wie Parteisprecherin Cäcilia Mehler sagt. „Zum Jahresbeginn 2024 waren es noch 12.227 Mitglieder.“ Bereits jetzt sei die Zielmarke von 15.000 in Sicht. Die Parteispitze sieht den Aufwind als deutliches Zeichen für einen gesellschaftlichen Wandel. „Die Menschen haben genug von Polemik und Populismus“, erklärt Landesvorsitzende Greta Garlich. „Bürgerinnen und Bürger wollen nicht veräppelt werden.“
Co-Vorsitzender Alaa Alhamwi aus Oldenburg sagt: „Grün sein bedeutet Mut. Dieser Mitgliederzuwachs ist ein klares Signal, dass grüne Politik zentral und wichtig für unsere Gesellschaft und unser Land ist.“ Zur Begrüßung der neuen Mitglieder plant der Landesverband mehrere Neumitgliedertreffen im Januar. Die Regierungspartnerin SPD hatte am Jahresende rund 46.800 Mitglieder, so Landesgeschäftsführerin Beata Krahl am Montag in Hannover. Ende 2023 waren es 48.200. Seit dem Ampel-Aus sei aber das Interesse gestiegen. Im November traten 216 Frauen und Männer in die SPD ein; im Dezember waren es über 70.
Mitgliederstärkste Partei in Niedersachsen bleibt jedoch die CDU. Sie hat nach Angaben ihres Parteisprechers Ralph Makolla derzeit rund 51.000 Mitglieder. Vor zwölf Monaten lag die Zahl bei 51.300. Besonders in den Monaten August (plus 200), September (+400), Oktober (+200) und November (+160) habe die Union mehr Eintritte als sonst üblich verzeichnet. Makolla spricht von einer „Trendumkehr bei der Mitgliederentwicklung“.
Die Mitgliederzahl der FDP Niedersachsen, die nicht mehr im Landtag vertreten ist, lag Ende 2024 bei 6480. Sie sei trotz Ampel-Aus „relativ stabil“ geblieben, sagt Parteisprecher Julian Kamp. Von einem „konstanten Aufschwung“ im Vorjahr spricht die Linkspartei. „Am 1. Januar 2024 hatten wir in Niedersachsen noch 2.660 Mitglieder; am 1. Dezember waren es dann 3.329“, erklärt Parteisprecher Ferry Marquardt. „Besonders große Einstiegswellen haben wir bei den Anti-AfD-Protesten Anfang des Jahres 2024 und beim Ampel-Aus sowie der Trump-Wahl erlebt.“
Die AfD hatte Anfang Dezember 4.906 Mitglieder, so Parteisprecher Frank Horns. Er spricht von einem „kontinuierlichen Zulauf“. Ende 2023 lag die Mitgliederzahl bei 3.557. Aktuell lägen der AfD in Niedersachsen 448 Aufnahmeanträge vor. Aufgrund eines „mehrstufigen Aufnahmeverfahrens“, zu dem unter anderem Aufnahmegespräche und die Zustimmungen von Kreis-, Landes- und Bundesverband gehören, ließen sich nur schwer eine Verbindung zu politischen Ereignissen ziehen, meint Horns.
Niedersachsens jüngste Partei, das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW), hatte bei der Gründung im September 2024 etwa 60 Mitglieder in Niedersachsen. Inzwischen sei die Zahl auf 80 gestiegen, so Parteisprecher Johannes Zang. „Uns liegen deutlich über 1.000 Mitgliedsanträge vor, und wir werden zeitnah weitere Mitglieder aufnehmen und als Landesverband weiterhin kontinuierlich wachsen“, erklärt er. Auch beim BSW ist die Aufnahme mit Einzelprüfungen verbunden. Neben den Mitgliedern gebe es etwa 3.000 Unterstützerinnen und Unterstützer in ganz Niedersachsen, die sich in über 30 Unterstützerkreisen vom Harz bis an die Nordsee organisiert hätten.